Humor Smiley - © Illustration:Ranier Messerklniger

Humor und Corona: Stoßdämpfer des Lebens

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Auch und gerade in Krisensituationen ist das Lachen ein wesentlicher Faktor der Bewältigung. Über die lebensrettende Wirkung des Humors – und seine Erforschung.

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Auch und gerade in Krisensituationen ist das Lachen ein wesentlicher Faktor der Bewältigung. Über die lebensrettende Wirkung des Humors – und seine Erforschung.

Corona ist die größte Krise nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn selbst wenn der Mensch Belastungssituationen normalerweise relativ gut bewältigen kann: Wenn sie über sechs Monate andauern, führt dies zu gravierenden Problemen. Wir müssen gleichsam das Licht am Ende des Tunnels sehen, um hoffnungsfroh zu bleiben. Doch die Pandemie dauert mit ihren mittlerweile zwei Jahren nicht nur bereits deutlich länger an, sie wurde auch immer schlimmer, sobald man auf eine Verbesserung hoffen durfte. Auf das daraus folgende Gefühl der Ohnmacht kann man nun auf dreierlei Weise antworten: Man kann resignieren, dann wird die Ohnmacht zu einem chronischen Lebensgefühl und führt in die Depression.

Man kann kämpfen und wie allzu viele der Erzählung anhängen, an der Coronasituation und ihren Einschränkungen wären bestimmte politische Gruppen schuld, die das Ziel hätten, die Bevölkerung zu unterdrücken.

Oder man stellt sich die Frage: Wie können wir diese Situation am besten bewältigen? Dann entstehen aktive Muster, die von Kreativität geprägt sind – und es vielleicht sogar möglich machen, über den einen oder anderen Aspekt dieser tristen Situation zu lachen.

Tatsächlich zeigt die Humorforschung, dass das Weglachen von Spannungen grundsätzlich überall möglich ist: Sogar auf Intensivstationen, im Hospiz, ja selbst im Konzentrationslager wurde gelacht, wie Viktor Frankl berichtete. Denn Humor ist lebenswichtig, er ist der Stoßdämpfer, der eine Neubewertung von Situationen ermöglicht, auch wenn wir völlig ohnmächtig sind. Entscheidend dabei ist, einen Abstand zur offensichtlich versagenden Welt zu finden – und den Schwerpunkt wieder in sich selbst; gleichsam so, als würde man in einer Opernloge sitzen und das Leben wie ein Bühnenstück betrachten.

Lachen gegen Schmerzen

Wie lebensrettend und wirkungsvoll konkret das Lachen sein kann, zeigte am eindrücklichsten die Selbstbehandlung des US-Wissenschaftsjournalisten Norman Cousins (1915–1990). In den 1970er Jahren litt er unter der damals nahezu unheilbaren rheumatischen Krankheit Spondyloarthritis. Doch Cousins wollte sich nicht damit abfinden, dass er seine Gelenke bald nur noch unter großen Schmerzen bewegen können würde. Er verließ das Krankenhaus und zog in ein Hotel, wo er eine systematische Form der Humortherapie entwickelte, bei der er sich amüsante Filme vorführen und witzige Bücher vorlesen ließ. Bereits nach zehnminütigem Lachen konnte er zwei Stunden lang schmerzfrei schlafen. Und obwohl die Heilungschance bei seiner Erkrankung nur bei 1:500 lag, bemerkte er bald einen Rückgang der Entzündungen – und galt am Ende als geheilt. Über seine Erfahrungen schrieb Cousins 1979 das vielbeachtete Buch „Der Arzt in uns selbst“ und gründete an der Universität von Los Angeles eine Abteilung für medizinische Humorforschung (Gelotologie).

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