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Die Familie hat Zukunft

1945 1960 1980 2000 2020

Je schlechter es um die Familie steht, umso deutlicher wird ihre Unentbehr-lichkeit: Ein „Wiener Kongreß“ will Mut zur Familie machen - gerade in schwierigen Zeiten.

1945 1960 1980 2000 2020

Je schlechter es um die Familie steht, umso deutlicher wird ihre Unentbehr-lichkeit: Ein „Wiener Kongreß“ will Mut zur Familie machen - gerade in schwierigen Zeiten.

Lehrer der Liebe

Ich vergesse nie, daß ich einmal eine Familie mit einem behinderten Kind traf. Ich sah das kleine Kind und fragte: „Wie heißt es?“ Und ich bekam diese wunderschöne Antwort: „Wir nennen es ,Professor der Liebe'!“

Wie wunderschön! Ich konnte es ihnen ansehen. Und sie sagten: „Wir lernen so viel von dem Kleinen.“ Warum? Weil zwischen ihnen Liebe und Einheit war. Die Liebe konnte man in den Gesichtern der Kinder sehen. Man konnte sie auch im Gesicht der Mutter sehen, im Gesicht ihres Mannes, in jedem von ihnen.

Seid lebendige Beispiele, zuerst für Eure Familie und dann für jedermann! Ihr habt eine große Verantwortung.

Jedes Kind ist ein wunderschönes Geschenk Gottes — auch wenn es körperlich oder geistig behindert ist. Wir betreuen viele Kinder. Ungefähr 200 dieser Kinder sind geistig und körperlich behindert. Aber sie sind voller Freude.

Einmal traf ich in Indien eine sehr arme Familie mit einem schrecklich deformierten Kind. Da sagte ich: „Gebt mir dieses Kind. Ich will dieses Kind betreuen.“ Da sagte die Mutter: „Nimm zuerst mein Leben, dann erst mein Kind.“

Nimm zuerst mein Leben... Diese Frau mußte arbeiten. Jeden Morgen war das erste, was sie dachte: „Wo'werde ich das Essen für meine Kinder hernehmen?“ Und dennoch sagte diese gute Frau: „Nimm zuerst mein Leben, dann kannst Du mein Kind nehmen.“ Ihr seht. Das ist es, was wir heute der Welt bringen müssen.

MUTTER TERESA VON KALKUTTA

Trauma bewältigt

Viele sehen heute die Erfahrung der Abtreibung als einen bedeutenden Faktor psychischer Belastung für die Betroffenen an. Die vorsätzliche Zerstörung des eigenen ungeborenen Kindes ist so traumatisch und jenseits des üblichen menschlichen Erfahrungshorizonts, daß sich ins Gewicht fallende und lang währende Folgen dieser Erfahrung einstellen. Man erlebt die Abtreibung etwa wieder oder meidet intime Beziehungen. Andere ungelöste Probleme des „Post-Abortion-Syn-droms“ sind: Baby-Alpträume, Depressionen um die Zeit der theoretischen Geburt, Gewichtsverlust, Eßstörungen, Uberkompensation an anderen Kindern, zerstörte Beziehungen, Wut und tiefe Feindschaft gegen alle, die mit der Entscheidung zur Abtreibung zu tun gehabt hatten, Selbstmordgedanken und -versuche.

Frauen, die an diesem Syndrom leiden, muß man darüber aufklären, was getan werden muß, um da herauszufinden. Folgendes ist zu berücksichtigen:

• Schaffung des Bewußtseins, daß es sich da um eine „nicht beendete Angelegenheit“ handelt,

• seelische Bewältigung der Einzelheiten des Geschehens,

• Eingehen auf die Werthaltungen der betroffenen Person,

• Trauerarbeit und

• Heilung der Erinnerungen an die Abtreibung.

SUSAN STANFORD

Der Geist belebt

Man spricht heute viel von „in vitro Fertilisation“, von genetischer Manipulation. Und damit will man uns glauben machen, daß der Mensch der Herrscher über das Leben geworden ist.

In einigen Worten möchte ich in Erinnerung rufen, was wir über die Entstehung von Leben wissen. Jeder von uns hat einen ganz konkreten Beginn, nämlich den Moment der Befruchtung. Es scheint schwer zu glauben, aber im Moment, da die Eizelle durch die männliche Zelle befruchtet wird, ist die gesamte Information, die notwendige und ausreichende Information, um ein bestimmtes menschliches Wesen zu definieren, bereits grundgelegt.

Dabei handelt es sich nicht um ein theoretisches menschliches Wesen, sondern um eine ganz konkrete Person, die wir Peter, Paul oder Madeleine nennen werden. Diese gesamte Information ist in einem winzig kleinen Raum von 1,5 Millimetern enthalten und dort auf einem langen Molekül, der DNS-Säure, aufgezeichnet.

Das ist eigentlich vergleichbar mit einer Symphonie, die auf einem Tonband aufgezeichnet ist. Auf diese Weise beginnt die menschliche Symphonie im Moment, da die Information des männlichen Sperma und der weiblichen Eizelle vereint sind. Und auf die gleiche Weise, wie ein

Musikliebhaber Mozart an den drei ersten Takten erkennt, erkennen wir Biologen das menschliche Leben an seinen ersten Regungen.

Zu Beginn der Existenz sind Seele und Körper, Geist und Materie so eng miteinander verbunden, daß man in allen romanischen Sprachen das gleiche Wort verwendet, um eine im Geist entstehende Idee und das im Mutterleib empfangene Kind zu bezeichnen: Konzeption. Seit eh und je hat man verstanden, daß die Natur die Materie animiert, daß ein Kind genauso wie eine Idee im Geist entsteht.

Der Umstand, daß das Kind neun Monate braucht, um sich im Körper der Mutter zu entwickeln, ändert nichts an dieser Tatsache.

JEROME LEJEUNE

Aus für Familie

Langsam, Schritt für Schritt, wurden die Familienrechte in Schweden durch das Gesetz beschnitten. Nun haben wir einen Punkt erreicht, wo das Wort „Familie“ im Gesetz nicht mehr existiert und Elternrechte nicht mehr in der Verfassung verankert sind. Unser Recht kümmert sich mehr um Minderheiten als um die Familie.

In meinem Land ist es fast unmöglich, nur von einem Gehalt zu leben. Die Steuern sind extrem hoch und das Sozialsystem sehr kompliziert. Es umgibt uns wie ein großes Fangnetz. Es sorgt für alles. Aber alles hat seinen Preis.

Viele Familien leben am Rand des Existenzminimums oder darunter. Das heißt, sie müssen vom Staat unterstützt werden. Um aber vom Staat unterstützt zu werden, muß man sich an bestimmte Regeln halten. Wenn etwa das Sozialsystem ihre Mietkosten übernehmen soll, müssen beide Elternteile arbeiten, und die Kinder müssen eine Kindertagesstätte besuchen. Das ist die Bedingung. Wenn beide Eltern arbeiten, bekommen sie auch Unterstützung.

Die Ehestatistik aus dem Jahr 1984 zeigt, daß damals 37.000 Paare heirateten und 20.000 geschieden wurden. Im Durchschnitt hielten Ehen etwa zwölf Jahre. Man konnte aber feststellen, daß sich viele scheiden ließen, um nachher unter günstigeren Bedingungen zusammenzuleben.

Dies mag sonderbar erscheinen. Der Grund ist aber einfach: Unser Sozialsystem sorgt besser für Geschiedene als für Verheiratete. Viele sind nur auf dem Papier geschieden, damit die Mutter zu Hause bleiben kann. Wir lernen zu betrügen, um zu überleben.

KATARINA RUNSKE

Angst vor Freiheit

Wenn wir nach dem suchen, was die jungen Menschen heute bedrängt, stoßen wir auf Begriffe wie Zukunftsangst, Hoffnungslosigkeit, Resignation, Orientierungslosigkeit, Angst vor Verantwortung und Angst vor Bindungen. Der Ruf nach Freiheit und Befreiung hat dazu geführt, daß nahezu auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens ein Abbau von Normen erfolgte.

Nun, da viele Gesetze, die bisher das Leben scheinbar nur beengten und unfrei machten, in einem großangelegten Feldzug der Freiheit abgeschafft, lächerlich gemacht oder wenigstens in den Hintergrund gedrängt wurden, erlebt sich der Mensch unserer Zeit, vor allem aber der junge Mensch, in einem riesigen Freiraum, in dem er sich nicht bewegen kann, weil ihm die notwendigen moralischen und geistig-kulturellen Leitlinien fehlen.

Es wäre so, als hätte man im Freiheitstaumel alle Leitlinien einer zehnspurigen Stadtautobahn ausgelöscht und alle Verkehrsschilder vernichtet. Es ist nun zwar eine Freiheit entstanden; es ist aber eine Freiheit, die Angst macht, eine Freiheit zum Chaos.

Überrascht es uns, daß jene Jugendlichen, die jegliche gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Gesetze total ablehnten, daß gerade sie sich Gruppen anschließen, in denen sie sehr harte Gruppengesetze und Verhaltensnormen einhalten müssen?

Warum geschieht dies? Der Preis der selbstgemachten Freiheit ist die Angst vor dieser Freiheit, die Angst, mit dieser Freiheit umzugehen.

In den religiösen Erneuerungsbewegungen erleben wir eine positive Antwort auf diesen Zustand. Der junge Mensch wird nicht dann zu Christus hingeführt, wenn wir dessen Botschaft mit all ihren Forderungen reduzieren, sondern wenn wir sie unverkürzt verkünden, aber den jungen Menschen hinführen zu einer persönlichen Beziehung zu dem, der solche Forderungen an ihn stellt.

Sowohl in der Gesellschaft wie auch in der Kirche herrscht die Angst vor, vom jungen Menschen etwas zu verlangen und Forderungen an ihn zu stellen. Der Jugendliche wird nicht durch Reduzieren und Nivellieren der Normen zur Freiheit geführt, sondern dadurch, daß wir sie ihm unverkürzt als Lebens- und Entscheidungshilfe anbieten und ihm helfen, sie anzunehmen.

Auszugsweiser Vorabdruck von Referaten, die am 12. Internationalen Famiüenkongreß gehalten werden. Dieser findet vom 20. bis 23. tktober im Austria Konferenz Zentrum in Wien statt. Anmeldungen an: Verein Familienkongreß, Elisabethstraße 26, 1010 Wien. 0222/569411.

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