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Wo abgetrieben wird, herrscht wahre Armut

1945 1960 1980 2000 2020

Erst kürzlich betonte Kardinal König wieder, daß Abtreibung auch bei Straffreiheit moralisch unannehmbar bleibe. In diesem Zusammenhang ist es angebracht, die Feststellung Mutter Teresas in Erinnerung zu rufen, daß wahre A rmut durchaus geistig sein kann. Eben wenn Menschen sich mit der A btreibung abfinden.

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Erst kürzlich betonte Kardinal König wieder, daß Abtreibung auch bei Straffreiheit moralisch unannehmbar bleibe. In diesem Zusammenhang ist es angebracht, die Feststellung Mutter Teresas in Erinnerung zu rufen, daß wahre A rmut durchaus geistig sein kann. Eben wenn Menschen sich mit der A btreibung abfinden.

Heute, da ich diesen Preis bekomme, nehme ich ihn als Zeichen, daß die Armen verstanden werden. Daher bin ich sehr glücklich, den Preis entgegenzunehmen - im Namen der Hungrigen, der Nackten, der Obdachlosen, im Namen der Krüppel, der Blinden, der Leprakranken, im Namen all jener, die die Gesellschaft vergißt, nicht liebt und ausstößt.

Ich bin sicher, dieser Preis wird dazu beitragen, verstehende Liebe zwischen arm und reich zu säen. Und das ist es, was Jesus meinte, als er uns dazu aufforderte, gütig gegenüber den Armen zu sein. Unsere Armen sind wunderbare Menschen, liebenswerte Menschen. Sie brauchen kein Mitleid, nur reine Sympathie. Sie brauchen unsere verstehende Liebe, sie brauchen unseren Respekt.

Ich werde nie vergessen, wie ich einmal einen Mann von der Straße geholt habe. Der war so verkrustet mit Schmutz, daß man nur noch seinen Kopf einigermaßen erkennen konnte. Wir brachten diesen Mann in unser „Haus der Sterbenden”, und er sagte zu uns: „Ich habe wie ein Tier auf der Straße gelebt, und jetzt sterbe ich wie ein Engel, geliebt und umsorgt.” Und er starb wunderbar. Er ging heim zu Gott. Denn das ist der Tod für die, die geliebt werden.

Und das ist eine Sache, die ich mit Ihnen allen teilen will. Die größte Gefahr für den Frieden heutzutage ist das Verbrechen gegen das unschuldige, ungeborene Kind. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind umbringen kann, was hält dann Sie und mich davon ab, uns gegenseitig umzubringen? Auch in der Bibel steht: Wenn eine Mutter ihr Kind vergißt, werde ich meine schützende Hand über es halten.

Heutzutage werden jeden Tag Millionen ungeborener Kinder umgebracht - und wir sagen nichts, wir sagen nichts gegen diese größte Sünde gegenüber Millionen von Kindern, die am Anfang dasselbe Leben empfangen haben wie Sie und ich. Für mich sind diejenigen Länder, die die Abtreibung legalisiert haben, die eigentlich ärmsten Länder dieser Welt. Sie haben Angst vor Kindern, Angst vor ungeborenen Kindern. Und deshalb muß das Ungeborene sterben, weil sie nicht ein Kind mehr versorgen und erziehen wollen.

Deshalb lassen Sie uns heute gemeinsam fest versprechen, daß wir jedes einzelne ungeborene Kind retten wollen und ihm eine Chance zu leben geben. Denn es gibt eine Lösung. Es gibt Tausende adoptierter Kinder, die Liebe und Freude in die Häuser ihrer neuen Eltern gebracht haben. - Lassen Sie uns alle zusammen beten, daß die Länder dieser Erde den Mut haben, für das ungeborene Kind einzustehen, ihm eine Chance zu geben, zu lieben und geliebt zu werden. - Wir haben hier in Norwegen nun eine Gelegenheit, für diese Liebe einzutreten.

Das Wichtigste aber ist, teilen zu können. Eines Tages kam ein Mann zu mir und erzählte mir von einer zehnköpfigen Hindufamilie, die Hunger litt. Ich ging los und brachte ihnen Reis. Da nahm diese Mutter, deren Augen schon vor Hunger fieberten, den Reis, teilte ihn in zwei Hälften und ging hinaus. Als sie wieder kam und ich sie fragte, wo sie gewesen sei, sagte sie nur, sie sind auch hungrig. Sie wußte, daß ihre Nachbarn, eine Moslemfamilie, auch nahe am Verhungern war. Und obwohl es für sie Ungläubige waren, brachte sie ihnen zu essen.

Sie hatte den Mut, zu teilen und die Liebe zu teilen, und deshalb bitte ich Sie, die Armen zu lieben, ihnen nie den Rücken zu kehren, denn wenn Sie das tun, kehren Sie Christus den Rücken zu.

Sie würden überrascht sein über die wundervollen Dinge, die Leute erlebt haben, die es verstehen, Freude zu teilen. Und so bete ich für Sie. daß sie selbst erleben, daß hinter jedem Armen Christus steht, und daß Sie erleben, daß im Teilen Liebe ist.

Und lassen Sie nochmals unsere Stimmen in der Bitte vereinen, gemeinsam für das ungeborene Leben einzutreten, denn das Leben ist die größte Gottesgabe, für die Familie, für die Nation, für die gesamte Welt. Gott segne Sie. lieren, unterwirft sich der Kranke im allgemeinen gehorsamst den Anweisungen des „Medizinmannes”. Thomas S. Szasz durchleuchtet in seinem Buch das Verhältnis Arzt-Patient, um es, wie er sagt, zu „entmystifizieren”.

Auch eine psychiatrische Behandlung dürfte seiner Meinung nach nicht zwangsweise verordnet werden, sondern müßte bei jedem Patienten auf freiwilliger Basis erfolgen. Schließlich greift der Arzt auch nicht bei Diabetes in die Lebensführung des Kranken ein, wenn dieser sich nicht nach den Vorschriften verhält. Das würde ihn sogar mit dem Gesetz in Konflikt bringen.

Wie oft aber wendet nicht der Psychiater „Gewalt” an - siehe Elektroschocks, Drogen etc. anstatt etwa einem Selbstmörder seine Freundschaft oder soziale Hilfsmittel anzubieten, die er ja weitaus dringender benötigen würde!

Auch bei Geisteskrankheiten sollte es grundsätzlich um eine freiwillige Zusammenarbeit gehen. Wenn aber das Recht auf Behandlung dem Anspruch auf Behandlung weicht, sagt der amerikanische Psychiater Stuart Mill (New York), dann will man alle menschlichen Probleme mit Hilfe des Staates lösen. Der Mensch wird infantilisiert und würdelos. Damit ist auch der Schritt zum allmächtigen Staat wie in der UdSSR bereits getan. Der Staat vermittelt die Therapie, er wird zum „therapeutischen Staat”.

Hier stehen sich zwei gänzlich verschiedene Einstellungen gegenüber. Einerseits das Vertragsprinzip: Patient und Arzt sind zwei gleichberechtigte Partner, andererseits das Prinzip der Willkür, nach dem der Patient einer zwangsweisen „Behandlung” unterzogen wird, sagt Szasz. Der Staat müsse es dem einzelnen überlassen, ob er sich um seine Gesundheit so wie um seinen

Eine liebevolle Zuwendung kann in vielen Fällen Besserung bringen. Eine Internierung aber in einer psychiatrischen Klinik ist in Wahrheit nicht nur ein immenser Schock für den Betroffenen, sie kann sogar eine unmenschliche Qual bedeuten!

Die vielfach gestörten Eltern-Kind-Beziehungen, der Streß der Berufswelt, die Anonymität der Großstadtmenschen, Kommunikationsschwierigkeiten, Drogen und Einsamkeit haben die Zahl der seelisch Kranken zu einem großen Heer anwachsen lassen. Daher müssen anstelle der Hospitalisierung schließlich neue Wege gesucht werden. Daher sollte niemand, der sich in seiner Umwelt nicht zurechtfindet und von ihr nicht verstanden wird, nicht deshalb ähnlich wie ein Verbrecher von der Polizei auf eine psychiatrische Klinik gebracht werden, stellt Szasz fest.

Auch in Wien ist man daran, sich mit diesen sehr ernsten gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen. Klinikvorstände sehen heute schon zum Teil die große Hilfe, die eine freundliche und verständnisvolle Umwelt für diese armen Menschen sein kann. Die Arbeitsgemeinschaft für Psychiatriereform hat ein Schema für eine Betreuung in der Ubergangspfiege ausgearbeitet, dessen Ziel das Selbständigwerden der Patienten sein soll. Naturgemäß werden, um diesen Plan in die Tat umsetzen zu können, viele freiwillige Helfer benötigt. Doch schon eine freundlich und nicht ängstlich gesinnte Umwelt kann ihren Beitrag dazu leisten.

Die Baumgartner Höhe will mit ihrer Aktion „Psychiatrie 80” eine Reihe von Veranstaltungen wie Fußballspiele, Theateraufführungen, Konzerte etc. einführen. Am „schwarzen Brett” in der Anstalt sind auch eine Menge Unterhaltungen angekündigt, deren Durchführung die Verantwortlichen viel Zeit kostet, die aber leider gar oft in der Planung stecken bleiben. Meistens mangelt es am Verständnis der näheren Umwelt. Die meist sehr negative Einstellung der Bevölkerung zu Personen mit psychischen Erkrankungen baut oft so starke Barrieren auf, daß viele gutgemeinte Bemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

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