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DISKURS
Kuschelrituale mit Katze  - © Foto: iStock / Raphael Angeli

Tierische Lebensretter

1945 1960 1980 2000 2020

Haustiere sind gut geeignet, um sich gegen Stress und Einsamkeit zu wappnen. Die Politik sollte diese Lektion aus der Coronakrise beherzigen.

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Haustiere sind gut geeignet, um sich gegen Stress und Einsamkeit zu wappnen. Die Politik sollte diese Lektion aus der Coronakrise beherzigen.

Lockdown, Isolation, Einkommens- und Jobverluste – das sind die prägenden Erfahrungen im Corona-Jahr 2020. Im Schlepptau der Gesundheitskrise dämmert eine psychosoziale Krise, ein Nährboden für Stress und ­Aggression, Angst und Depression, eine Belastungsprobe für Beziehungen. All das könnte auch damit zu tun haben, dass bei vielen Menschen die grundlegendste Sinneserfahrung eingeschränkt worden ist: zwischenmenschliche Berührung. Angesichts der viralen Pandemie ist menschliche Nähe suspekt geworden. Man grüßt mit Sicherheitsabstand, das Händeschütteln ist binnen kurzer Zeit aus dem kulturellen Repertoire verschwunden. Keine Bussis, keine Umarmungen mehr: Liebevolle Gesten können nunmehr gesundheitsgefährdend, ja lebensbedrohlich sein.

Aufgrund der Reduktion von Sozialkontakten ist für viele Menschen der Kontakt zum eigenen Haustier wichtiger denn je. In Zeiten des sozialen Rückzugs sind es zumindest noch die Tiere, die in Millionen von Haushalten das Grundbedürfnis nach Berührung, Umarmung und körperlicher Anwesenheit stillen können. Wie sehr sie dabei zum menschlichen Wohlbefinden und zur psychischen Gesundheit beitragen können, zeigen nun aktuelle Studien: In einer spanischen Untersuchung, die mittels Online-Fragebogen durchgeführt wurde, gab circa die Hälfte der Teilnehmer an, dass ihnen ihr Haustier wesentlich dabei hilft, die Krisenzeiten zu bewältigen. Britische Forscher wiederum berichteten, dass Menschen während des Lockdowns mehr emotionale Verbundenheit zu ihren Tieren verspürten. Immerhin 90 Prozent der Befragten gaben dort an, dass ihnen ihr Haustier durch die Coronakrise geholfen hat. Und eine Studie der Universität von Südaustralien in Adelaide, die kürzlich im „Journal of Behavioural Economies for Policy“ (JBEP) veröffentlicht wurde, bezeichnet die tierischen Weggefährten nun gar als „Lebensretter“.

Ansturm auf Tierheime

„Bis Covid-19 aufgetaucht ist, war körperliche Berührung eine sinnliche Erfahrung, die als völlig selbstverständlich erachtet wurde“, sagt die Studienleiterin Janette Young. „Jetzt aber ist der Mangel an Berührung schmerzhaft bewusst geworden – und damit auch deren enormer Einfluss auf unsere Gesundheit und Lebensqualität.“ Für die australische Forscherin ist es nicht verwunderlich, dass in diesem Jahr besonders viele Hunde und Katzen aus Tierheimen adoptiert wurden. „Nicht nur in Australien erreichten die Ausgaben für Haustiere heuer ein Rekordniveau. Weltweit wurden bislang 214 Milliarden Euro dafür ausgegeben, die Tendenz ist weiterhin steigend“, berichtet Young.

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