Was er sagt, ist unerträglich, empfinden Kardinäle und konservative Kleriker über Franziskus und verweigern ihm die Gefolgschaft. Der Papst setzt dessen ungeachtet seinen Weg unbeirrt fort. Was sich heute in der Kirche abspielt, ist nicht neu. Genau dieselben Erfahrungen hat Jesus Christus gemacht, nachzulesen im sechsten Kapitel des Johannesevangeliums. Dort wird die Botschaft Jesu als unerträglich eingestuft, die Jünger murren, viele verlassen ihn, und an den verbliebenen Rest stellt Jesus die Frage, wollt auch ihr gehen? Diese Frage gilt heute uns und zeigt, dass das Wort Gottes und seine Verkündigung in Wort und Tat auch noch mehr als 2000 Jahre nach Jesus von vielen als Provokation empfunden werden. Franziskus kämpft für das Wort Gottes und versucht die Kirche, aus klerikalen Verstrickungen mit all ihren katastrophalen Folgen schrittweise herauszuführen.

Das stößt vor allem bei jenen, die sich in diesen Verstrickungen selbst verheddert haben, auf Unbehagen, Unverständnis und ruft deren Widerstand hervor. Verständlich, sie sind involviert. Was aber ist mit den vielen Bischöfen, die sich in dieser Auseinandersetzung mit der Rolle des Beobachters zufriedengeben? Worauf warten sie? Fehlt es ihnen an Mut, an eigener Überzeugung, an Entschlossenheit? Bischof Benno Elbs hat die Gläubigen seiner Diözese dazu aufgerufen, sich in dieser Krise demonstrativ hinter den Papst zu stellen und auch für ihn zu beten. Dafür ist ihm von Herzen zu danken. Ich möchte mich als Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich seinem Aufruf anschließen und alle Laien auffordern, sich nicht denen anzuschließen, die murren, weggehen oder in die Rolle des Zuschauers flüchten.

Wir sind vielmehr als Christen dazu aufgefordert, die vielfachen Bemühungen des Papstes mitzutragen und den überfälligen Erneuerungsprozess in der Kirche voranzutreiben. Wollt auch ihr gehen? Die Frage gilt den Bischöfen, aber auch jeder und jedem Einzelnen von uns.

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