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Feuilleton

Ein Fall von Zivilcourage

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Es gehört schon viel Mut dazu, das zu tun, was diese Frau getan hat: Sie hat ihrem Sohn einfach geglaubt. Sie hat seine Schilderungen ernst genommen, daß er und andere Buben "etwas mit dem Schuldirektor gehabt haben", und mit einer Anzeige beim Jugendamt reagiert.

Auch dieser Bub war offensichtlich - wie andere auch - einem Mann mit falsch gepolter Sexualität auf den Leim gegangen: Alkohol, Pornohefte, Zigaretten als Belohnung für intime Treffen in der Wohnung, bei Landschulwochen, Skikursen - der Direktor einer Hauptschule in Wien Favoriten soll es dort nicht beim bloßen unsittlichen Begrapschen seiner Opfer belassen haben ... Doch das Vertrauen des Kindes in seine Familie erwies sich als stärker als die merkwürdigen "Liebesbeweise" seines Lehrers.

Eine Vertrauensperson seines Kindes zu "verraten", verlangt einem Menschen ungeheuer viel ab. Wer so handelt, muß in der Regel damit rechnen, Zielscheibe von Ausgrenzung und Verachtung zu werden. Auch in diesem konkreten Fall ging es darum, einem Menschen etwas Entsetzliches anzulasten, der geachtet wurde für sein soziales und politisches Engagement. Und plötzlich soll dieser große Kinderfreund ein Meister der Manipulation gewesen sein, der geschickt seine sexuelle Ausrichtung zu verbergen wußte. Dem es problemlos über Jahre hinweg gelungen ist, seine Umgebung von seiner Integrität zu überzeugen, sie emotional zu beeindrucken. Ein perfektes Doppelleben.

Kindesmißbrauch aufzudecken ist auch heute noch eine sehr heikle Sache. Daher sind jene Fälle viel häufiger, daß zunächst lange Zeit nichts geschieht. Diejenigen, die zum Schutz ihrer Kinder aufgerufen wären, sind nur zu oft bereit, beide Augen zuzumachen. Sie schweigen aus Angst davor, sich lächerlich zu machen, oder sich den Vorwurf der Verleumdung einzuhandeln, oder auch ganz einfach aus Bequemlichkeit. Gerade bei diesem Thema wird lieber - jahrelang - hinter vorgehaltener Hand getuschelt und gemunkelt, denn "nix Genaues weiß man ja eigentlich nicht".

"Brav sein und nicht auffallen", haben wir als Kinder eingeimpft bekommen. Und weil das immer noch so gut funktioniert, bleiben viele Mißbrauchsfälle weiterhin im dunkeln. Auch so gesehen hat diese Mutter einen bemerkenswerten Akt der Zivilcourage gesetzt.

Es gehört schon viel Mut dazu, das zu tun, was diese Frau getan hat: Sie hat ihrem Sohn einfach geglaubt. Sie hat seine Schilderungen ernst genommen, daß er und andere Buben "etwas mit dem Schuldirektor gehabt haben", und mit einer Anzeige beim Jugendamt reagiert.

Auch dieser Bub war offensichtlich - wie andere auch - einem Mann mit falsch gepolter Sexualität auf den Leim gegangen: Alkohol, Pornohefte, Zigaretten als Belohnung für intime Treffen in der Wohnung, bei Landschulwochen, Skikursen - der Direktor einer Hauptschule in Wien Favoriten soll es dort nicht beim bloßen unsittlichen Begrapschen seiner Opfer belassen haben ... Doch das Vertrauen des Kindes in seine Familie erwies sich als stärker als die merkwürdigen "Liebesbeweise" seines Lehrers.

Eine Vertrauensperson seines Kindes zu "verraten", verlangt einem Menschen ungeheuer viel ab. Wer so handelt, muß in der Regel damit rechnen, Zielscheibe von Ausgrenzung und Verachtung zu werden. Auch in diesem konkreten Fall ging es darum, einem Menschen etwas Entsetzliches anzulasten, der geachtet wurde für sein soziales und politisches Engagement. Und plötzlich soll dieser große Kinderfreund ein Meister der Manipulation gewesen sein, der geschickt seine sexuelle Ausrichtung zu verbergen wußte. Dem es problemlos über Jahre hinweg gelungen ist, seine Umgebung von seiner Integrität zu überzeugen, sie emotional zu beeindrucken. Ein perfektes Doppelleben.

Kindesmißbrauch aufzudecken ist auch heute noch eine sehr heikle Sache. Daher sind jene Fälle viel häufiger, daß zunächst lange Zeit nichts geschieht. Diejenigen, die zum Schutz ihrer Kinder aufgerufen wären, sind nur zu oft bereit, beide Augen zuzumachen. Sie schweigen aus Angst davor, sich lächerlich zu machen, oder sich den Vorwurf der Verleumdung einzuhandeln, oder auch ganz einfach aus Bequemlichkeit. Gerade bei diesem Thema wird lieber - jahrelang - hinter vorgehaltener Hand getuschelt und gemunkelt, denn "nix Genaues weiß man ja eigentlich nicht".

"Brav sein und nicht auffallen", haben wir als Kinder eingeimpft bekommen. Und weil das immer noch so gut funktioniert, bleiben viele Mißbrauchsfälle weiterhin im dunkeln. Auch so gesehen hat diese Mutter einen bemerkenswerten Akt der Zivilcourage gesetzt.