
Epstein-Files und Zerstörungslust: Wie kommen wir hier raus?
„Aufbruch“: Unter diesem Leitmotiv hat das Wiener Institut „Kontext“ unlängst zwei namhafte Stimmen eingeladen – die deutsche Autorin und Podcasterin Jagoda Marinić, die in ihrem Buch „Sanfte Radikalität“ darüber nachdenkt, wie gesellschaftliche Veränderung möglich wird; und den Historiker und Schriftsteller Philipp Blom, der Wendepunkte der Geschichte analysiert und daraus Lehren für die Gegenwart entwickelt. Im FURCHE-Doppelinterview sprechen die beiden darüber, was das Vertrauen in Politik und „Eliten“ zerstört hat – und wie dieses Vertrauen wiederhergestellt und die Demokratie bewahrt werden kann.
DIE FURCHE: Bei der heurigen Münchner Sicherheitskonferenz war eine Frage zentral: „Woher kommt die Lust an der Zerstörung“? Gemeint war damit die regelbasierte Weltordnung. Mittlerweile haben Trumps USA den Iran angegriffen. Viele hoffen auf einen Sturz des mörderischen Mullah-Regimes, doch die Folgen des Krieges sind unabsehbar. Sehen Sie hier nur Zerstörung oder auch einen möglichen Aufbruch, Frau Marinić?
Jagoda Marinić: Es ist nachvollziehbar, wenn Iraner und Exil-Iraner auf das Ende dieses Regimes hoffen, das war jedoch weder bei Donald Trump noch bei J. D. Vance herauszuhören, im Gegenteil. Einen Plan für einen wirklichen Wechsel gab es nicht. Die Gefahr ist nun, dass der Sohn und Nachfolger Khameneis noch brutaler regieren wird. Ohne den Schutz der Weltgemeinschaft oder dem, was davon übrig ist, wird die Bevölkerung sich zwar wehren, aber es schwer mit einem Aufbruch haben. Und was die Frage nach der Zerstörungslust betrifft: Um die zu beantworten, müssten wir über Machtkonzentration, Spätkapitalismus und autoritären Maskulinismus reden.
DIE FURCHE: Das machen wir. Faktum ist, dass der „autoritäre Maskulinismus“ – personifiziert in Donald Trump – und andere Zerstörer des „Systems“ weltweit gewählt werden. Was ist Ihre Erklärung dafür, Herr Blom?
Philipp Blom: Das hat für mich mit zwei Arten von Demütigung zu tun. Da ist zunächst die ökonomische: Das Versprechen, dass es den eigenen Kindern einmal besser gehen wird, gilt nicht mehr. Dazu kommt eine kulturelle Demütigung: Dass jene, die das glauben, was noch ihre Eltern geglaubt haben und weswegen ihre Eltern noch als anständige Menschen galten – Christen, Patrioten oder Menschen mit einer gewissen konservativen Moral -, durch die neue Weltsicht zu Hinterwäldlern, Reaktionären und in gewisser Weise moralisch Inakzeptablen gemacht worden sind. Diese doppelte Demütigung ist etwas sehr Mächtiges. Denn wenn Menschen sich in einem System gedemütigt fühlen, dann verlassen sie es. Und der Rammbock heißt dann Donald Trump.
Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.
In Kürze startet hier der FURCHE-Navigator.
Steigen Sie ein in die Diskurse der Vergangenheit und entdecken Sie das Wesentliche für die Gegenwart. Zu jedem Artikel finden Sie weitere Beiträge, die den Blickwinkel inhaltlich erweitern und historisch vertiefen. Dafür digitalisieren wir die FURCHE zurück bis zum Gründungsjahr 1945 - wir beginnen mit dem gesamten Content der letzten 20 Jahre Entdecken Sie hier in Kürze Texte von FURCHE-Autorinnen und -Autoren wie Friedrich Heer, Thomas Bernhard, Hilde Spiel, Kardinal König, Hubert Feichtlbauer, Elfriede Jelinek oder Josef Hader!













































































.jpg)



















