Bischöfin Cornelia Richter - © epd/m. uschmann
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Bischöfin Richter: „Man muss die Sachen anpacken“

Die neue evangelische Bischöfin Cornelia Richter im großen FURCHE-Interview über die Zukunft der evangelischen Kirche in Österreich – und wo sie Aufholbedarf sieht.

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Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde Cornelia Richter am Samstag in ihr Amt als Bischöfin der evangelischen Kirche A.B. eingeführt. Als erste Frau in dieser Position hat die 55-jährige Oberösterreicherin Kirchengeschichte geschrieben. Ab 1. Jänner, ihrem offiziellen Arbeitsbeginn, warten aber große Herausforderungen auf die Universitätsprofessorin, die an der Universität Bonn neben ihrem Lehrstuhl für Systematische Theologie auch den Vorsitz des Senats innehat.

DIE FURCHE: Frau Richter, kirchliche Leitungspositionen sind heute nicht mehr so begehrt, wie sie es früher einmal waren. Das sieht man an der langwierigen Suche nach einem katholischen Wiener Erzbischof – aber auch Sie waren bei Ihrer Wahl im Frühjahr die einzige Kandidatin. Warum haben Sie sich entschieden, diesen „Job“ zu machen?

Cornelia Richter: Bei den vielen schwierigen Debatten und Konfliktlagen braucht es heute sicher einen gewissen Mut, so ein Amt anzunehmen. Von daher kann ich Josef Grünwidl verstehen, der sich bei der Entscheidung Zeit genommen hat. Auch bei mir war das ein längerer Prozess und keine leichte Entscheidung. Letztendlich war es aber keine Option, das Amt nicht anzunehmen, weil mir sehr viel Vertrauen und Zuspruch entgegengebracht wurde. Ich bin der Meinung, dass Vertrauen auch verpflichtet, im positiven Sinn; und dass man in so einer Situation die Sachen anpacken muss.

DIE FURCHE: Sie haben als Theologieprofessorin an der Uni Bonn die evangelische Kirche in Österreich eher aus der Beobachterinnenposition verfolgt. Was waren Ihre Eindrücke?

Richter: Es ist eine kleine und überschaubare Kirche und in Österreich haben die Evangelischen oft das Gefühl, eine Minderheit zu sein. Das stimmt zahlenmäßig sicher auch, aber ich glaube, gerade wegen der geringen Größe hat sie den Vorteil, flexibel zu agieren und dadurch sehr wohl eine relevante Aktionsfähigkeit zu entwickeln. Und das ist eine große Chance.

Außerdem habe ich die österreichische evangelische Kirche als fröhliche, „zupackende“ Kirche kennengelernt. Dieses fröhliche Engagement mit dem Selbstbewusstsein, ‚wir sind evangelisch‘, möchte ich weiter fördern.

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