Cornelia Richter - ©  G. Born
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Cornelia Richter: Die erste evangelische Bischöfin in Österreich?

Seit 1980 sind Frauen in der evangelischen Kirche in Österreich ihren männlichen Amtskollegen gleichgestellt. An ihrer Spitze standen bisher trotzdem immer Männer. Das könnte sich nun ändern.

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Am 23. Mai wählt die evangelische Kirche A. B. einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den aus dem Amt scheidenden Bischof Michael Chalupka (64). Derzeit sieht es eher nach Letzterem aus, denn mit Cornelia Richter steht aktuell nur eine einzige Kandidatin zur Wahl. Die Wahrscheinlichkeit, dass mit ihr künftig erstmals eine Frau an der Spitze der österreichischen evangelischen Kirche steht, ist damit so hoch wie nie.

„Halb das Kaffeehäferl aus der Hand gefallen“

Doch wer ist Cornelia Richter? Die 54-jährige gebürtige Oberösterreicherin ist derzeit wohl nur Kircheninsidern ein Begriff. Das liegt vor allem daran, dass die evangelische Theologin die letzten Jahrzehnte in Deutschland lebte und seit 2012 Inhaberin des Lehrstuhls für Systematische Theologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn ist. „Als ich im Herbst gefragt wurde, ob ich nicht vielleicht für das Bischofsamt der evangelischen Kirche A. B. in Österreich kandidieren möchte, ist mir vor Erstaunen halb das Kaffeehäferl aus der Hand gefallen“, sagt Richter gegenüber der FURCHE. Nach so vielen Jahren im Ausland habe sie nicht damit gerechnet, für dieses Amt überhaupt infrage zu kommen. Erst nachdem sich die Anfragen gemehrt hätten, sei ihr klar geworden, dass es ernst gemeint sei: „Das hat mich zutiefst geehrt, berührt und gefreut“, so die Theologin. Nach einigen Wochen des Nachdenkens und vielen Gesprächen habe sie für sich dann entschieden: „Sollte mich die Kirche meiner Kindheit zum Amt der Bischöfin berufen wollen, würde ich sehr gerne in ihren Dienst treten.“

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Die Chance, als erste Bischöfin evangelische Kirchengeschichte zu schreiben, habe sie nicht in erster Linie dazu motiviert, sich der Wahl zu stellen, so Richter. Dabei stammt sie durchaus aus einer Familie von evangelischen Pionierinnen: „Meine Großmutter war 1921 die erste Theologin, die sich nach dem Studium in Bonn das Examen beim dortigen Rheinischen Konsistorium erstritten hat“, erzählt sie. Auch sie selbst wurde 2012 zur ersten Professorin für Systematische Theologie an der Uni Bonn berufen, zwischen 2020 und 2024 wurde sie die erste Dekanin der Evangelisch-Theologischen Fakultät und danach als erste Professorin Vorsitzende des Senats der Universität Bonn. Dass es sie auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer wissenschaftlichen Karriere nun zurück Österreich ziehe, liege daran, dass es nun mal ihre Heimat bleibe: „Ich trage Sprache, Mentalität und die Vorliebe für einen guten Kaffee in mir. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wieder heimzukommen und näher an meiner Familie zu sein.“

Cornelia Richter

Aufgewachsen in Bad Goisern (OÖ) absolvierte Cornelia Richter ihr Studium der evangelischen Theologie in Wien und München. Darauf folgten Aufgaben als wissenschaftliche Mitarbeiterin an theologischen Fakultäten in Wien, Marburg und Kopenhagen. Lehrtätigkeiten führten sie nach Hermannsburg, Zürich und Gießen, 2011 folgte dort die Berufung auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik. Seit 2020 hat Richter die Bonner Professur für Dogmatik und Religionsphilosophie inne. Seit 2012 ist sie zudem Co-Direktorin des Bonner Instituts für Hermeneutik. Seit 2024 lehrt Richter auch an der University of St. Andrews (UK).

Von 2020 bis 2024 leitete Cornelia Richter als erste Dekanin die Evangelisch-Theologische Fakultät und seit 2024 ist sie als erste Frau Vorsitzende des Senats der Universität Bonn. Neben den aktuellen theologisch-dogmatischen Arbeitsschwerpunkten ist Richter Expertin im interdisziplinären Feld der Resilienzforschung.

Während ihrer umfassenden Lehrtätigkeit in Deutschland hat Cornelia Richter den Kontakt zu ihrer oberösterreichischen Heimat nicht abreißen lassen. Als Pfarrerin im Ehrenamt gestaltet Richter hier Gottesdienste und Amtshandlungen, in Bonn wirkt sie seit 2012 regelmäßig als Predigerin und Liturgin an der Schlosskirche, die sie seit 2024 als Universitätspredigerin leitet.

Aufgewachsen in Bad Goisern (OÖ) absolvierte Cornelia Richter ihr Studium der evangelischen Theologie in Wien und München. Darauf folgten Aufgaben als wissenschaftliche Mitarbeiterin an theologischen Fakultäten in Wien, Marburg und Kopenhagen. Lehrtätigkeiten führten sie nach Hermannsburg, Zürich und Gießen, 2011 folgte dort die Berufung auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik. Seit 2020 hat Richter die Bonner Professur für Dogmatik und Religionsphilosophie inne. Seit 2012 ist sie zudem Co-Direktorin des Bonner Instituts für Hermeneutik. Seit 2024 lehrt Richter auch an der University of St. Andrews (UK).

Von 2020 bis 2024 leitete Cornelia Richter als erste Dekanin die Evangelisch-Theologische Fakultät und seit 2024 ist sie als erste Frau Vorsitzende des Senats der Universität Bonn. Neben den aktuellen theologisch-dogmatischen Arbeitsschwerpunkten ist Richter Expertin im interdisziplinären Feld der Resilienzforschung.

Während ihrer umfassenden Lehrtätigkeit in Deutschland hat Cornelia Richter den Kontakt zu ihrer oberösterreichischen Heimat nicht abreißen lassen. Als Pfarrerin im Ehrenamt gestaltet Richter hier Gottesdienste und Amtshandlungen, in Bonn wirkt sie seit 2012 regelmäßig als Predigerin und Liturgin an der Schlosskirche, die sie seit 2024 als Universitätspredigerin leitet.

Ihr sei bewusst, dass auf sie und die evangelische Kirche in Österreich große Herausforderungen zukämen. 2024 traten über 6700 Menschen aus den evangelischen Kirchen A. B. und H. B. aus. Bei insgesamt etwas mehr als 237.000 Mitgliedern ist diese Zahl nicht unerheblich, zumal der Trend grundsätzlich ein negativer ist: So verließen 2023 noch etwas mehr als 6000 Menschen die evangelischen Kirchen. „Das ist ein Problem, das in den deutschsprachigen Ländern alle Konfessionen betrifft, evangelisch ebenso wie katholisch“, sagt Richter. Ebenso sieht sie den Verlust von Kirchenmitgliedern im Kontext einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Es gebe heute viele Menschen, die sich für eine bestimmte Zeit für ein bestimmtes Projekt engagieren möchten, die aber vor einer lebenslangen Bindung an eine Institution zurückschreckten. „Ich würde daher dafür werben, neben den traditionellen Mitgliedschaften auch über neue und innovative Modelle der Kirchenmitgliedschaft nachzudenken.“ Bei einer anderen evangelischen „Baustelle“ ist Richter hingegen positiver gestimmt. So sieht sie Chancen, den Karfreitag in Österreich wieder zum Feiertag zu machen: „Dafür würde ich mit aller theologischen und politischen Kraft kämpfen“, gibt sie sich zuversichtlich.

Ich würde mit aller theologischen und politischen Kraft für den Karfreitag kämpfen.

Cornelia Richter

Seit dem Wochenende ist zwar bekannt, dass Cornelia Richter von den Super­intendential­versammlungen aller sieben österreichischen evangelischen Diözesen als alleinige Kandidatin nominiert wurde, auf dem Weg zum Bischofsamt seien für sie allerdings noch einige Hürden zu nehmen, erklärt die Präsidentin der evangelischen Synode A. B., Ingrid Monjencs, gegenüber der FURCHE. Die Synode mit Mitgliedern aus ganz Österreich gleicht einem Kirchenparlament und tritt in regelmäßigen Abständen zusammen, um Weichenstellungen für die evangelische Kirche zu beschließen. Auch die Wahl eines Bischofs beziehungsweise einer Bischöfin obliegt ihr.

Gläserne Decke durchbrechen

Monjencs ist für den ordnungsgemäßen Ablauf vor und während der Wahl verantwortlich. In einem nächsten Schritt liegt es nun an ihr, die Wahlfähigkeit der nominierten Personen zu überprüfen. Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl müssen unter anderem mindestens 40 Jahre alt und österreichische Staatsbürger sein. Nach den Superintendentialversammlungen hat zudem noch der Nominierungsausschuss der Synode die Möglichkeit, Personen für die Wahl zu nominieren. Diese müssten dann allerdings erst einmal die Nominierung annehmen und sich ebenfalls als wahlfähig erweisen. Gänzlich ausgeschlossen ist es dennoch noch nicht, dass noch weitere Kandidatinnen oder Kandidaten dazukommen.

In den vergangenen 45 Jahren stand nie eine Frau als Bischöfin zur Wahl. Auch auf der diözesanen Ebene ist die evangelische Kirche fest in männlicher Hand.

Bei der Wahl muss ein Kandidat oder eine Kandidatin mindestens zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinen, dabei spielt die Anzahl der zur Wahl stehenden Personen keine Rolle. Gewählt wird die Bischöfin oder der Bischof auf eine Amtszeit von zwölf Jahren. Der Amtsantritt ist der 1. Jänner 2026. Grundsätzlich sind Frauen in der evangelischen Kirche in Österreich ihren Amtskollegen seit 1980 vollständig gleichgestellt. In den vergangenen 45 Jahren stand allerdings nie eine Frau zur Wahl. Auch auf der diözesanen Ebene ist die evangelische Kirche fest in männlicher Hand. Unter den sieben Superintendenten findet sich aktuell keine einzige Frau. Sollte Cornelia Richter im Mai nun diese gläserne ­Decke durchbrechen, käme die evangelische Kirche ihrem eigenen Anspruch der Chancengleichheit unter den Geschlechtern wohl ein deutliches Stück näher.

Ergänzung: zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels waren noch alle Superintendenten Männer. Seit 26. April 2025 gibt es mit Andrea Fiorella Mattioli eine Superintendentin der Evangelischen Kirche A.B. in Kärnten-Osttirol.

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