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Eine neue wissenschaftliche Vierteljahrsschrift

Nicht weniger als der materielle Aufbau tut der geistige not, ja er ist die Voraussetzung des materiellen. Ein solcher setzt eine systematische Bildungsarbeit, vor allem die Kenntnis der Forschungsergebnisse voraus, von denen wir infolge der Verhältnisse allzulange ab- gesdinitten waren; das verlangt Gedankenaustausch der an der Forschung beteiligten Gelehrten und Formung eines Weltbildes auf Grund der Forschungsergebnisse der verschiedenen Zweige der Wissenschaft.

Diesem Ziele dient die neue Vierteljahrsschrift für alle Gebiete der Forschung, die im Verlag „Herold”, Wien VIII, mit der ersten Nummer erschienene Zeitschrift „Wissen- schaft und Weltbil d”. Die Namen der Herausgeber — Adamovich, Dempf, Fisch 1, Kauders, March — bürgen dafür, daß die Zeitschrift halten wird, was sie verspricht: den Rang einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu wahren. Allzuviel ist bereits durch populärwissenschaftliche Arbeiten gegen den Geist der wahren Wissenschaft gesündigt worden. Ebenso aber durch zu starke Betonung des sogenannten reinen Spezialistentums. Hier soll vor allem eine Synthese der Wissenschaft erarbeitet, durch Zusammenschau von höherer Warte ein geschlossenes Weltbild gegeben werden. Diese höhere Warte ist keine vorgefaßte, etwa tendenziöse Meinung, sondern eben exakte wissenschaftliche Forschung. Darum verspricht das Programm der Zeitschrift „die verschiedenen Riditungen des modernen Denkens in der Weise zu Worte kommen zu lassen, daß wissenschaftliche Vertreter aller Richtungen in ihr die Möglichkeit einer freien Aussprache haben”.

Der Inhalt der Jänr.ernummer erscheint wie eine erste Erfüllung dieses Progamms. Seit je hat sich der Mensch selbst als ein Problem gesehen, von dem aus erst alle anderen Probleme sinnvoll beantwortet werden können. So begrüßen wir es, wenn uns ein Artikel aus der Hand des Philosophen Johann Fischl auf die alte Grundfrage: „Was ist der Mensch?” eine Antwort gibt, und zwar nach Hinweis auf alle falschen Antworten, die einer Entwürdigung des Menschen gleichkommen, eine höchst befriedigende. Fischl zeigt uns den Menschen, „der die beiden Reiche des Sinnlichen und Geistigen in sich eint, der alles andere Sein der ganzen Natur für sein Sein bereits voraussetzt und darum der ganzen Schöpfung Krone ist”. Dieses klare Bild vom Menschen wird durch die Arbeit des Philosophiehistorikers Alois Dempf, „Humanismus und Christentum”, ergänzt, durch Darlegung und Ablehnung des atheistischen und antichristlichen Humanismus und durch Aufzeigen eines integralen Humanismus, beziehungsweise eines humanistischen Christentums durch Verbindung mit dem Glauben an den Gottmenschen. über „Die Position der neuen Logik” gibt in prägnanter Form Aufschluß über Logistik. Existentialismus, Psychologismus und Phänomenologie und bietet abschließend eine anschauliche Zusammenfassung durch ein „Positionsdiagramm der Logik”. Das physikalische, beziehungsweise das biologische Weltbild der Gegenwart wird klar und eingehend in den Arbeiten Ulrich Schöndorfers und Rainer von Schubert-Solderns entworfen. „Die Krise der Geschichtsauffassung” behandelt ein Artikel von Hugo Hantsch, der nicht nur für den Historiker, sondern für alle, die die Stellung Österreichs in der Geschichte und die Stellung zu Österreich interessiert, von Bedeutung ist. Die Arbeit Robert M ü h 1 h e r s „Grillparzer und der deutsche Idealismus” räumt auf mit unrichtigen, aber verbreiteten Ansichten über den österreichischen Dichter und weist nach, „daß Grillparzer einen dem deutschen Idealismus deutlich zu unterscheidenden geistigen Klima angehört”. Schließlich berichtet der Artikel Wilhelm Goetschs „Die Bedeutung des Vitamin T für die Praxis” über biologische Ergebnisse, die für die Wissenschaft (Entwicklungsstöße auf Grund äußerer Einflüsse, Großmodifikationen) wie für die Praxis (Futterverwertung, Wachstumsförderung durch den neuentdeckten Wirkstoffkomplex) in gleicher Weise von Interesse sein müssen. Nicht übergangen werden dürfen bei einer Hervorhebung der Werte der Zeitschrift die Berichte von Paul Müller über „Das Jahr 1848 in der Geschichtsschreibung” und von H. Hor- n i c h über „Grundlegung der Mathematik” und von Felix Maim über „Fortschritte der Vererbungsforschung im Ausland 1938—1947” und die Buchbesprechungen durch Fachleute.

Schon diese kurze Inhaltsangabe vermag zu zeigen, daß dieser neuen Zeitschrift für unser geistiges Leben und für die „Wahrheitsfindung inmitten der Probleme unserer Zeit” eine große Bedeutung und Beachtung zukommt.

Revolution in Österreich 1848. Von R. Endres. Danubia-Verlag, Wien 1947. S 18.—, 216 Seiten.

Das Buch bietet mehr als man nach dem bescheidenen Vorwort erwarten sollte. Von Sachkenntnis getragen und lebendigen Fragen gegenüber aufgeschlossen, gibt der Verfasser eine anschauliche Darstellung und eingehende Charakterisierung der Probleme zugleich. Der sozialistische Standpunkt wird keineswegs verleugnet, der historische Materialismus maßvoll vertreten, die religiöse Frage mit Takt behandelt. Einzelnen Urteilen sowie Ausfällen gegen die „Reaktion” kann man wohl nicht durchwegs folgen und muß nur bedauernd feststellen, daß es nicht bloß bürgerliche, sondern auch sozialistische Vorurteile gibt.

Joseph Lister, der Vater der modernen Chirurgie. Von Rhoda Truax. Alfred-Scherz- Verlag, Bern 1947. 294 Seiten.

Die spannende Biographie eines Mannes, der an der Schwelle großer wissenschaftlicher Entwicklungen stand, dessen Leben von Erfolg und Anerkennung gekrönt war. Den Österreicher, der dieses Buch liest, berührt die Tragödie Semmelweis, dessen Priorität wohl anerkannt wird, besonders schmerzlich. Wenn der Streit der Meinungen entschieden ist, fällt es leidht, über widerlegte Irrtümer mit einem Flüchtigen Urteil hinwegzugehen. Damit wird der Autor aber nicht der psychologischen Schilderung jener Zeit gerecht, der er mit einer unvoreingenommenen Darstellung mehr Lebenswärme und größeren Wert gegeben hätte.

Richtig Schauen. Von Stefan Meyer. Springer-Verlag, Wien 1947. 112 Seiten.

Die Einführung in einige Grundsätze der Optik und Perspektive ist unbeschwert von trockener Theorie. Sie liefert in flüssiger Darstellung die Grundlage für eine verständnisvolle Bildbetrachtung. Das Büchlein mit seinen guten Illustrationen regt zu aufmerksamer Beobachtung an und ist imstande, erzieherisch beim Besehen von Kunstwerken zu wirken.

Last und Würde der Krankheit. Ein Bekenntnis. Von France Pastorelli. Räber 8c Cie., Luzern. 223 Seiten.

Eine schwer leidende, bettlägerige Künstlerin schildert ihren Zustand ohne wehleidige Selbstbespiegelung, vielmehr baut sie darauf ein Vollkommenheitsstreben des Kranken auf. Das Buch zerfält in zwei Teile. Im ersten wird die Krankheit im Verhältnis zum Kranken, im zweiten zu seiner Umgebung beschrieben. Während die sehr kurzen Absätze des ersten Teiles, mögen sie auch einen persönlichen „guten Kampf” wiedergeben, mit ihren allgemeinen Behauptungen schwach anmuten, so ist der zweite Teil erheblich lebendiger, praktischer und teilt feinsinnige Beobachtungen mit. Das Buch ist von einem gläubigen Menschen geschrieben. Im ersten Hauptteil läßt diese Haltung freilich kalt, weil die religiösen Wendungen schablonenhaft erscheinen. Allerdings läßt sich nicht entscheiden, wie weit dieser Eindruck mit der Übersetzung zusammenhängt. Hingegen ist die Glaubenshaltung im zweiten Abschnitt der tragende Grund, der sich dem Le9er nicht unangenehm kundtut. Die praktischen Beispiele dieser Kapitel sind einprägsam und wertvoll für Kranke wie auch für jeden, der mit solchen zu tun hat. In dem anspruchslosen Buche liegt eine wahre „Aszetik” für ein wichtiges Lebensgebiet vor, die vielen Leidenden und Helfenden etwas geben dürfte.

Grundzüge der Hygiene. Von M. Eugling. Verlag Urban & Schwarzenberg, 1947.

Die Neuauflage des Werkes hilft dem dringenden Bedürfnis nach einem Lehr- und Nach- schlagebuch der Hygiene für Mediziner und Ärzte ab. Die Stoffbearbeitung entspricht der Linie der vorhergehenden Auflagen. Sie legt ihr Hauptgewicht auf die medizinisch-naturwissenschaftliche Seite des Gegenstandes, wogegen das biologisch-soziale Moment in den Hintergrund rückt. Die Kapitel über Geschichte der Hygiene, Infektionskrankheiten und Wasserversorgung wurden erweitert. Der Verzicht auf die Behandlung bestimmter sozial hygienischer Fragen, wie zum Beispiel Erbhygiene, Eheberatung und Familienschutz, muß als Mangel empfunden werden, zumal eine Spezialdarstellung der Sozialhygiene nach dem Stande der jüngsten Entwicklung nicht existiert. Insgesamt stellt die Herausgabe des Buches unter den heutigen Schwierigkeiten ein Verdienst des Verfassers wie auch des Verlages dar.

Wird es einmal wieder Tag? Roman von Hellmuth Berger. Andermann-Verlag, Wien 1947. 282 Seiten.

Das Grauen des unmenschlichen nazistischen Wahnsinns und der Schrecken des Krieges stehen noch zu unmittelbar in unserer Seele, als daß wir gerne schon nach Literatur darüber greifen möchten. Dennoch ist das Buch lesenswert durch die gute Darstellung, wie Wien und die Wiener jene Zeit erlebten, durch eine feine psychologische Zeichnung und durch die ernste Auseinandersetzung mit dem Phrasenschwulst jener Zeit. Aber die Gestalt, die im Mittelpunkt steht, verkörpert jene Kulturschicht, die ängstlich an der Oberfläche des Lebens bleibt, sich im Suchen ohne Finden verliert und schließlich in eine melancholische Weltbetrachtung versinkt, weil sie nicht den Mut hat, sich selbst die Frage um den eigentlichen Sinn des Menschseins zu beantworten.

Die Handlung ist gut aufgebaut und gipfelt, versöhnlich und ergreifend, :n einem heroischen Opfer, das der Menschlichkeit und einer unvergessenen Liebe gebracht wird. Das Buch darf zu den wertvolleren Neuerscheinungen der Wiener Literatur gezählt werden.

Wiener Volkshumor. Die Realisten. Gesammelt und erläutert von Rudolf Holzer. Verlag H. Bauer, Wien. 270 Seiten.

In seinem vor vier Jahren erschienenen ersten Bande einer „Kulturgeschichte des Wiener Humors” führte der Verfasser das singende und spielende Musikantenvolk der „Harfenisten und Volkssänger” vor, diese Verkörperung urwiene- rischer Lebensfreude, in seinem eben herausgekommenen zweiten ruft er die „Schöpfer und Schreiber der wienerischen Skizze, der realistischen Kurzgeschichte” auf den PLan, die Kürnberger und Landsteiner, Schlögl und Pötzl bis herauf zu Stüber-Günther und Skurawy. Wohin ist die Kunst dieser Meister der heiteren, gemütvollen Skizze verschwunden? Eher ist heute ein wissenschaftliches Expos! über die Geheimnisse der Atombombe erreichbar als eine echte Kurzgeschichte, wie sie jene Künstler der Feder schufen. In den Wüstenwinden der letzten drei Jahrzehnte scheinen die im Gemüt ruhenden Wurzeln dieser Kunst zu Schaden gekommen zu sein. Vielleicht wird dieses treffliche Beispiel neuerlich dazu beitragen, sie wieder zu erfrischen. Der Verfasser begleitet sie mit wertvollen Erläuterungen und zeitgenössischer Karikatur und Genrezeichnung. Neben Juch, Schließmann, Engelhart und Koch wären als Meister des Stiftes Z a s c h e und Schönpflug nicht zu vergessen.

Ein Umweg. Roman von Heiimito v. Doderer. Luckmann-Verlag, Wien. — Die Sentenzen des Herrn Cembora. Von F. H. S p a k. Scholle-Verlag. Wien. — Eine Flasche Parfüm. Ein kleiner humoristischer Roman von Her- mynia zur Mühlen. Schönbrunn-Verlag, Wien t947. — Karneval der Götter. Ein heiterer Roman von Bill B e h m. Verlag S. Jörgl 8c Co., Klagenfurt 1947.

Doderers „Umweg”, die Episode eines ausgedienten Soldaten von 1648. der vom Galgen herab- zum Galgen hinaufsteigt, hat Pinselstriche eines wuchtigen, farbigen barocken Zeitbildes, doch drücken der resignierte .Grundton von der Art Falladas („Wtr einmal aus dem B’chnapf frißt”) und der brutale Schluß stark auf den Gesamteindruck des sonst sehr ernst zu nehmenden Werkes. — Spaks „Sentenzen” ist cn gescheites, vom unmittelbaren Beruferlebnis des Kriminalbeamten diktiertes „Tagebuch” in Novellenform. Sein Gehalt, sein seelisches Gewicht ist schwerer als die forciert saloppe äußere Form: ein Büchlein, das mehr ist, als es scheint. — H. z. Mühlens „Parfüm” nimmt die Allzumenschlichkeit der Kleinstadt aufs Korn. Zu sanft, zu wenig stachelig als Satire, zu lehrhaft als Raabe-Abbild; Eau de Cologne, nicht Parfüm. — Auch die Göttertravestie ist das ausschließliche Vorrecht von Humor oder Satire. Banalität ist hier Denkmalfrevel, sie hat keines von beiden. Bill Behms „Karneval der Götter” hat keines von beiden.

Koreanische Monatsgeschichten. Von Hung S o o Han. Amandus-Edition, Wien 1947.

Diese Märchen, die uns mit koreanischen Festen und Bräuchen im Reigen der Jahreszeiten bekanntmachen, gewähren einen interessanten Einblick in das Fühlen und Denken eines naturverbundenen arbeitsamen und unverdorbenen Volkes. Mag es auch im Fernen Osten leben, so wird uns sein Sinnen und Trachten doch vertraut, denn es gilt einerseits dem Herzensfrieden, andererseits den kleinen Alltagssorgen, wie überall, wo Bauern die Kraft ihrer ererbten Scholle in Brot verwandeln. Ebenso reizvoll wie der Inhalt dieser Geschichten ist auch die schlichte Sprache des Verfassers, der mit dieser kleinen Sammlung seiner Heimatliebe beredten Ausdruck verleiht.

Die gute Stunde. Ein österreichischer Hausschatz. Verlag Styria, Graz. Erscheint monatlich.

Die bisher vorliegenden Hefte bieten einen reichen Lesestoff, in dem Plaudereien und Erzählungen eine gute geschlossene Einheit bilden. Die Zeitschrift sucht einem breiten Leserkreise dadurch gerecht zu werden, daß sie Gemeinverständlichkeit mit ernster Darstellung vereinigt. So wird ein wertvolles Bildungsmittel geboten, eine wohlausgewogene Umschau vom erzieherischen Standpunkt her. Die Auswahl der Bilder ist sorgsam. Um das Ziel, einen „österreichischen Hausschatz” zu schaffen, sieht man hier ein erfreuliches Bemühen am Werk.

Der Universum-Sternkalender 1948. Zusammengestellt von Erich Dolezal. Universum-Verlag Wien. 132 Seiten, 32 Abb., Mond- und Marskarte.

Der Kalender weist gegenüber seinem Vorgänger für das verflossene Jahr eine wesentliche Bereicherung und eine übersichtlichere Anordnung seines Inhalts auf. Der nur nachbeobachtende Sternfreund wird wohl alles, der aktive Liebhaber der Sternkunde sehr viel wertvolles Material zur Planetenbeobachtung finden. Von den beigegebenen Aufsätzen wird der über das jüngst vollendete Riesenteleskop auf Mt Palomar weiteste Kreise interessieren.befassen. So entstanden in der Ravensberger Mulde bereits Lehmbausiedlungen. Ferner wurden Lehmbaukurse eingerichtet, deren Ziel die Heranbildung von Lehrlingen in dieser besonderen Bautechnik ist. (Radio London, 18. Jänner 1948.)

Die Ankündigung des bayrischen Kultusministers Hundhammer, der Ausbau der philosophisch-theologischen Hochschulen in Bamberg und R e- gensburg zu einer oder zwei Volluniversitäten werde ernsthaft erwogen, wird zur Zeit viel diskutiert. Die Stimmen, die sich gegen die Einrichtung einer vierten bayerischen Universität wenden, führen ins Feld, es wäre wichtiger, die bestehenden Universitäten auszubauen und mit einem umfangreichen Lehrkörper zu versehen, als die Kräfte zu zersplittern und mit einer neuen Universität zu experimentieren, die bei geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen zu einer starken Belastung werden dürfte. Gegen den Ausbau wenden sich auch die Kreise, die „konfessionelle Universitäten” ablehnen und befürchten, Kultusminister Hundhammer habe vor, offen oder heimlich in Bayern eine katholische Universität zu errichteu.

Bei der Einführung der neuen Generaloberin der Katherinerinnen (eines Frauenordens, der zu Beginn der Neuzeit in Grausberg/Ostpreußen gegründet wurde), Margarete Krause, wurden erschütternde Einzelheiten über das Schicksal dieses Ordens bekannt. Ein Viertel aller Schwestern kamen in der Zeit nach dem Kriege ums Leben. 78 wurden nach Osten verschleppt und leben dort unter unvorstellbaren Verhältnissen in Sibirien. 15 von ihnen kehrten bisher zurück. Von 18 weiteren, die nach Litauen verbracht wurden, fehlt bisher jede Nachricht.

In der führenden kommunistischen Kulturzeitschrift Polens „Kuznica” verteidigt Wl. Sokorski die eben durchgeführte staatliche Reform des polnischen Hochschulwesens. Er schreibt unter anderem: Die Einführung von Lehrstühlen für Geschichte der Wirtschaftswissenschaften und Philosophie des historischen Materialismus allein werde die Hochschulen nicht marxistisch machen. „Wir sind heute Zeugen einer breitangelegten Offensive der idealistischen, sagen wir es konkret: der katholischen Philosophie, die beim Fehlen einer sachlichen Gegenaktion von unserer Seite im Endergebnis zu einer geistigen Verkrümmung unserer Jugend führen kann und dazu, daß sie die uns umgebende Wirklichkeit nicht mehr wissenschaftlich begreifen kann.”

Sokorski, ein bekannter Kommunist, steht an der Spitze des kürzlich geschaffenen polnischen „Zentralrates für Fragen der Wissenschaft und des Hochschulwesens”..

Mit Unterstützung der kommunistischen Behörden hat sich die sogenannte Polnische Nationalkirche die St-Peter-und-Paul- Kirche in Stettin angeeignet, wie ein Sprecher der polnischen Exilregierung in London mitteilte.

Nach einem Übereinkommen mit der „Gesellschaft der Freunde Bergsons” wird der Verlag Albin Michel (Paris) jährlich einen Band „S t u- dien über Bergson” erscheinen lassen. Die erste Ausgabe soll zwei Arbeiten, nämlish „Bergson und Proust” von Floris Delattre und „Maine de Biran und Bergson” von Henri G o u h i e r enthalten.

Vor vier Jahren wurde in Paris das „Inst i- tut des Hautes Etudes Cinemato- graphiques” gegründet. Dieses Institut steht im Rang einer Hochschule und soll das nötige Rüstzeug für einen erfolgreichen Fortschritt in der Filmtechnik vermitteln. 1944 wurden von 300 Kandidaten nur 20, 1945 von 200 Bewerbern nur 21 aufgenommen. Gegenwärtig umfaßt das Institut ungefähr 100 Hörer, von denen zwei Drittel Ausländer sind und 18 verschiedenen Nationen angehören. Der Studiengang dauert zwei bis drei Jahre und vermittelt zuerst die Grundbegriffe der Filmtechnik und geht dann über in eine Einführung zur künstlerischen Gestaltung einer Idee. Dieses Institut hält in der Provinz „Filmwochen” ab, die ausschließlich den kinotechnischen Studien gewidmet sind. Eine filmwissenschaftliche Bibliothek steht den Hörern zur Verfügung und das Institut gibt eine eigene Zeitschrift „Cahiers Cinema” heraus.

Die astronomische Station am Plc du Midi in den französischen Pyrenäen gilt als eines der bedeutendsten Observatorien, weil sie durch eine in überaus klarer und nur selten getrübter Atmosphäre befindliche Lage ausgezeichnet ist. Nach teilweise schon durchgeführten Plänen soll dieses Institut das astronomische Zentrum Frankreichs werden. Das wichtigste Instrument dieser Station ist ein Spiegelteleskop von 1,5 m Durchmesser und 9 m Brennweite, das gegenwärtig aufgestellt wird. Für das Studium großer Sternfelder auf photographischem, beziehungsweise photometrischem Weg ist eine Schmidtsche Kammer vorgesehen, die auch von Sternen geringer Helligkeit einwandfrei auswertbare Aufnahmen bei kurzen Belichtungszeiten ermöglicht. Das Observatorium am Pic du Midi ist für Beobachtungen im Bereich des Sternbildes des Schützen besonders vorteilhaft gelegen. Außerdem befindet sich dort ein Äquatorial mit besonderer Optik, die trotz ihres geringeren Durchmessers Aufnahmen liefert, die sich den mit den größten Teleskopen von Liok und Mount Wilson gemachten Photographien ebenbürtig zur Seite stellen.

Nach einer Meldung der Caritas-Zeitung „Messages du Sžcours Catholique” vom Dezember 1947 befinden sich in Frankreich bei einer Gesamtzahl von 40,517.983 Einwohnern 1,670.729 Ausländer. An der Spitze stehen die Italiener mit 540.000, es folgen die Polen mit 450,000, die Spanier mit 350.000, die Belgier mit 186.000, die Ukrainer mit 100.000, Russen mit 80.000, Armenier mit 75.000, Tschecho- slowaken mit 26.000, Jugoslawen mit 22.000 und schließlich die Ungarn mit rund 20.000.

Die Leningrader Universität zählt jetzt zwölf Fakultäten mit 140 Lehrstühlen. Gewaltig ist die Universitätsbibliothek angewachsen. Vor 1917 zählte ihr Buchbestand bei 500.000 Bände. Jetzt sind in der Bibliothek mehr als 4 Millionen Bände gesammelt. Es entstanden als neue Hilfseinrichtungen der Universität das Naturschutzgebiet „Wald an der Worskla” im Kursker Gebiet, das archäologische Museum „Ahes Ladoga- gebiet” und die Sablinsker wissenschaftliche Lehrstation.

Die Jugendblätter „Komsomolskaja Pravda” und „Molodoi Bolschevik” befaßten sich kürzlich nach einer Meldung des ökumenischen Pressedienstes mit der Frage, wie man sich dem Gläubigen gegenüber zu verhalten habe. Der „Molodoi Bolschevik” betonte, daß hier Milde am Platz sei und daß der Gläubige mit Geduld von der Schädlichkeit des religiösen Glaubens überzeugt werden sollte. Das Zentralkomitee des „Komsomol” (der kommunistischen Jugend. Organisation) entschied dann die Frage in dem Sinne, daß der Kommunist nicht in die Kirche gehen dürfe. „Damit is1”) wie die „Komsomolskaja Pravda” hervorhebt, „seine Haltung eindeutig festgelegt. Ein Komsomolmitglied darf nicht an Gott glauben oder ein religiöses Brauchtum einhalten.” Die grundsätzliche Deutung des „Molodoi Bolschevik” geht zurück auf das Bestreben, die Unmöglichkeit einer Verbindung von Materialismus und religiösem Glauben unter Beweis zu stellen, „denn das würde einer Preisgabe des Marxismus gleichbedeutend sein”.

Bei den Ausgrabungen bei der mittleren Pyramide nahe Kairo wurde zufolge einer „Titnes”-Meldung ein bisher unberührtes Grab, enthaltend den Sarg des Prinzen Nephri aus der altägyptischen vierten Dynastie, entdeckt. Die Grabstätte ist ganz andersartig als die bisher bekannten jener Periode. Bei dieser Entdeckung wurde auch eine Anzahl schöner Statuetten gefunden.

Auf der Weltmissionskonferenz in Toronto wurde lebhaft Klage darüber geführt, daß die koreanische christliche Kirche durch die verschiedenen Besatzungsmächte in zwei religiös sehr verschieden behandelte Teile zerrissen werde. Im amerikanisch besetzten Südkorea entfaltet die katholische Kirche eine sehr rege Tätigkeit und leistet besonders in bezug auf nationale und kulturelle Fragen Hervorragendes. Dabei bleibt ihre schwerste und wichtigste Aufgabe die Betreuung der zahllosen Flüchtlinge. Dagegen wird im russisch besetzten Nordkorea die Religion als ,.unwissenschaftlich” gebrandmarkt und jede Missionstätigkeit unterbunden. Hier führen die koreanischen Kommunisten einen erbitterten Kampf gegen die Kirche, lassen zahlreiche Priester verhaften und mißbrauchen die Jugend weithin zur Bespitzelung der Geistlichen. Zu wiederholten Malen kam es vor, daß bei der Verhaftung eines Geistlichen die Gemeinde ihrem Seelsorger, Choräle singend, das Geleite zum Gefängnis gab. (Radio Stuttgart, 18. Jänner 1948.)

Die studentischen Verbindungen „für griechische Literatur” (Greek letter fraternities), die lange Zeit mit dem studentischen Korporationswesen Ln den USA gleichgesetzt wurden, haben nunmehr engeren Anschluß an den kulturellen und akademischen Interessenkreis ihrer Colleges gesucht. Ein Überblick über zwanzig der wichtigsten Colleges und Universitäten, der von dem „New York Times” veröffentlicht wurde, zeigt, daß die studentischen Vereinigungen (fraternities) jetzt allgemein in stärkerem Maß die Neigung bekunden, an der „Hodischuldemo- kratie” teilzunehmen. Es obliegt diesen auch die Umschulung der Teilnehmer des zweiten Weltkrieges und ihre Eingliederung in das Berufsleben, womit sie eine große Verantwortung für die Lösung der Erziehungsprobleme übernommen haben.

„In unserem Lande erfreut sich die Kirche heute einer größeren Freiheit als zuvor”, erklärten die japanischen Bischöfe in einem vor kurzem erschienenen gemeinsamen Hirtenbrief, der das religiöse Leben in Japan einer aufmerksamen Betrachtung unterzieht. „Wenn die neue Ära auch viele Übel beseitigt hat, so hat sie doch auch neue Gefahren gebracht”, stellen die Bischöfe fest und fordern auf, die Kenntnis der katholischen Soziallehren zu verbreiten, sich an den Werken der Barmherzigkeit zu beteiligen und das intellektuelle Apostolat zu unterstützen. Weiter protestieren die Bischöfe gegen den Mißbrauch des Wortes „Demokratie” als Entschuldigung für Zügellosigkeiten.

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