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VON NEUEN BÜCHERN

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Die Nachfolge Christi. Oder das Buch vom inneren Trost. Von Gerrit Grote In dem Text von 1384 tunlichst wiederhergestellt, verdeutscht und erklärt von F. Kern. Verlag Otto Walter A. G., Ölten. 418 Seiten.

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Die Nachfolge Christi. Oder das Buch vom inneren Trost. Von Gerrit Grote In dem Text von 1384 tunlichst wiederhergestellt, verdeutscht und erklärt von F. Kern. Verlag Otto Walter A. G., Ölten. 418 Seiten.

Von Gerrit Grote? Nicht Thomas a Kempis? mag mancher fragen. Eine alte literaturgeschichtliche Streitfrage um das meistgelesenste Bu.ch neben der Bibel, „Die Nachfolge Christi“, scheint nun mit glaubhafter Bestimmtheit gelöst. Das Buch, das seit einem halben Jahrtausend seine Gültigkeit bewahrte und, immer wieder erneuert, Mönchen und Weltleuten, Königen und Bettlern, Trost und Führung war und das Prinz Eugen auf allen seinen Feldzügen bei sich trug, wird jetzt auf seinen wahren Autor zurückgeführt. Einmal war es gleichbedeutend, Thomas a Kempis auszusprechen und dieses Buch zu meinen. Noch Michael Buchbergers Theologisches Lexikon bezeichnet den Mönch Thomas von Kempen (Rheinland) aus dem AugustLnerkloster auf dem Agnetenberg bei Zwolle — sein Familienname war Hemerken — als „höchstwahrscheinlichen Verfasser“ und schreibt die „Nachfolge Christi“ den ersten Jahren seines Priestertums — also der Zeit von 1413 bis 1420 zu. Auf Thomas als Autor deutete eine 1441 von diesem eifrigen Kopisten verfaßte Abschrift der „Imitatio“, die aus seiner Hand den Vermerk trug: „Beendet und vollendet durch die Hände Bruder Thomas' • Kempis auf St. Agnetenberg bei Zwolle“; auf ihn wiesen aber auch eine große Reihe — bei 40 — Schriften asketischen, mystischen und auch poetischen Charakters, so sein Hortulus rosarum und sein Hospitale pauperum. Aber schon im 17. Jahrhundert entspannen sich Auseinandersetzungen um die Urheberschaft des berühmten Buches. Für nicht weniger als 35 verschiedene Autoren wurde im Laufe der Zeit die Atitoren-ehre reklamiert. Je deutlicher aber die Forschung den Verfasser in das Lager der ersten Begründer der im 14. Jahrhundert in den Niederlanden zur Entfaltung gelangten „Devotio moderna“ verwiesen, desto mehr verkleinerte sich der Kreis der in Betracht Kommenden. Die textkritische Untersuchung erwies zahlreiche Überarbeitungen und spätere Einfügungen und vor allem auch erhebliche Wertunterschiede nach, die kaum dem gleichen Autor zugeschrieben werden konnten. Handschriftenfunde Paul Hagens und dessen tiefschürfende Stiluntersuchungen führten zu dem Nachweis, daß mindestens zwei Hände an dem lateinischen Text gearbeitet hatten und berechtigten zu dem Schlüsse, daß Thomas a Kempis nicht zu diesen zähle, sondern ein Uberarbeiter gewesen sei. Von dieser Position aus stieß Univ.-Prof. Jakob von G:nnekcn S. J., Nymwegen, weiterforschend zu der These vor, daß der eigentlidie Urheber der Begründer der Devotio moderna gewesen sei, Magister Gerrit Grote, eine literargeschichtliche Behauptung, die der Nymweger Gelehrte in umfangreichen Studien bis in die vierziger Jahre weiter verfolgte und, wie F. Kern in der vorliegenden Buchausgabe als gesichert bezeichnet, auch erweisen konnte. Ein allzu früher Tod verhinderte Ginneken, sein Werk zu Ende zu führen, in dem er unter anderem nachwies, daß Thomas erst der dritte Bearbeiter eines älteren Textes war. F. Kern hat nun die deutsche Ubersetzung des von den vielfachen späteren Zutaten gereinigten Textes besorgt, der lateinische Urtext soll bald folgen. Ein hochinteressanter textkritischer und literaturhistorischer Anhang ergänzt das wohlausgestattete Werk, de^en sprachliche Schönheit die Urfassung wie eine gereinigte Goldmünze erstrahlen läßt.

„Die Furche“, Jahrbuch 1947. Verlag Albrecht Dürer. 320 Seiten.

Vielfachen Anregungen aus dem Leserkreis der „Furche“ folgend, wurde eine Auswahl aus den Aufsätzen der „Furche“ zu einem Jahrbuch vereinigt, dessen erster Jahresband nunmehr vorliegt. Dabei war der Gedanke mitbestimmend, die charakteristischen Züge, die der „Furche“ als einer kulturpolitischen “Wochenschrift eigen sind, zu betonen und zugleich ein möglichst geschlossenes Bild des österreichischen Geistes zu bieten. Das Jahrbuch wurde noch um einige größere Beiträge bereichert. Die geziemende Bescheidenheit gebietet uns, über das Buch, das die eigene Sache der „Furdie“ ist, nicht mehr zu sagen.

Österreichs Staats, und Kulturgeschichte. Von Ludwig Reiter. S. Jörgl, Klagenfurt 1947. 329 Seiten.

Dieses gut ausgestattete, reich bebilderte handliche “Werk des bekannten Verfassers gibt in der Form neuzeitlicher Annalen ein Jahrbuch der österreichischen Geschichte von der Urzeit bis zur Gegenwart. Der erste Versuch also eines für weite Kreise des österreichischen Volkes bestimmten populärwissenschaftlichen Handbuchs — er muß als durchaus geglückt angesehen werden. Naturgemäß konnten auf dem zur Verfügung stehenden Raum nicht alle Bereiche historischer Wirklichkeit gleich stark be-handelt werden: was hier aber dennoch an Details aus der Geschidite der Politik und Wirtschaft, der Kultur und Gesellschaft, des Geistes und der Sitten erarbeitet und in knapper, leichtfaßlicher Form vor dem interessierten Leser ausgebreitet wird, erscheint sehr wohl geeignet, das sehr mangelhafte Wissen, zumal der jüngeren Generation, von und um Österreich zu erweitern. Es legt nicht'nur Zeugnis ab für eine langjährige liebevolle Beschäftigung des Verfassers mit Österreich, seiner Wesensart und seinen Schicksalen, sondern vermag auch werbend diese Liebe anderen mitzuteilen. Deshalb darf diesem Buch, als einem Führer zu Österreich, Verbreitung in weiten Kreisen gewünscht werden.

Die Wiener Oper. Von ihren Anfängen bis 1938. Von Franz F a r g a. Verlag A. Franz Göth & Co., Wien 1947. 324 Seiten.

Sowohl die Monumentalwerke über die k. und k. Hofoper als auch die neueren Kurzmonographien sind längst vergriffen, so daß Fargas in fünfjähriger Arbeit enstandenes Buch eine tatsächlich bestehende Lücke auszufüllen bestimmt ist. Es liegt im Wesen des Themas, daß sich die Geschichte der Oper stellenweise zu einer kleinen Kulturgeschichte Wiens aufweitet, die nur von einem Autor mit welt-bffenem Blick und bedeutender Allgemeinbildung geschrieben werden konnte. Das materialreiche Werk ist in drei Teile gegliedert: Oper des Hofes, Oper des Bürgertums und Oper des Volkes. Soweit ein Werk mit zahllosen Details in kurzer Zeit überprüft werden konnte, erwies sich Fargas Buch als wissenschaftlich einwandfrei und zuverlässig. Die eigenwillige oder fehlerhafte Schreibung einiger Eigennamen wäre bei einer Neuauflage richtigzustellen (Orlandus de Lassus, Monte-verde, Leibnitz, Palästrina, Franz Schmid). Als besonderen Vorzug empfindet man die lebendige Art der Darstellung und die einfache, unmanierierte Sprache des Autors. Die Ausstattung des mit 63 Bildtafeln versehenen Buches ist bemerkenswert. Schmerzlich vermißt man bei einem viele hundert Namen und Fachausdrücke beinhaltenden Werk ein Sach- und Namenregister. Dr. H. A. Fiechtner

Laotse, „Tao te king“. Das Buch des Alten vom Weltgrund und der Weltweise. Aus dem chinesischen Urtext neu übertragen und gedeutet, von Dr. H. Kremsmayer. Vorwort von Dr. Theodor B r ö r i n g. Igonta-Verlag, Salzburg. 123 Seiten, 23.60 S.

Es ist erfreulich, daß ein junger österreichischer Sinologe uns die alte Weisheit Laotses in einem buchtechnisch und sprachlich hochstehenden Buche vorlegt. Es ist allerdings nicht ganz so, wie der Verlag schreibt, daß „sich seit langem in deutscher Sprache niemand mehr an dieser heiligen Schrift der Chinesen gemessen hat“. (Besser hieße es: diese den Chinesen heilige Schrift!) Noch kurz vor dem zweiten Weltkrieg gab eine gute Übersetzung in deutscher Sprache Dr. Paul Hsiao heraus, 1934 erschien eine solche von E. Schröder; es sei unter anderem auch erinnert an die Übersetzungen von H. Federmann, J. G. Weiß, Lionel Giles (The sayings of Lao Tzu) und C. Spurgcon Medhurst (engl.), die in der Bibliographie nicht genannt sind. Wertvolle Anregungen zu weiteren sinologischen Forschungen bietet das Vorwort Th. Brörings mit seiner Hypothese der sumerischen Beeinflussung der chinesischen Geisteswelt. Auch die Stellungnahme zum Gottes-namen ist missions- und sprachwissenschaftlich von hoher Bedeutung. Der Deutungsversuch Laotses, den Kremsmayer vorlegt, vej-rät den

Mut, eine umstrittene Hypothese zu vertreten.

Jedenfalls bedarf es nodi weitgehender Forschung, um diesen Fragenkomplex Zu klären. Die Bibliographie müßte wohl bei einer Neuauflage um wichtige Autoren ergänzt werden, zum Beispiel Chavannes, Conrady, Dworack, Grube, Krause und andere. Über die Beziehungen der asiatischen Kulturen wäre auch wichtig B. Laufer, Some fundamental ideas of Chinese culture, in „The Journal of race development“, Br. V, Nr 2, 1914, ferner B. Schindler, Über die Entwicklung des Begriffs des höchsten Wesens, in „Asia major“, 1922 — Sosehr das Erscheinen der alten chinesischen Weisheitsbücher im Interesse des Verstehens des chinesischen Volkes und der Achtung seiner uralten Kultur zu begrüßen ist, so müssen wir doch die deutlich ausgesprochene Tendenz des Werkes ablehnen. In unserer tief aufgewühlten Zeit, die weitgehend innerlich dem Christentum entfremdet ist und allen Halt verlor, zieht die Sucht, nicht im Christentum das Verlorene wiederzufinden, sondern das Heil bei irgendeinem Weisen einer fremden Welt zu suchen, weite Kreise. Diese Zeitkrankheit äußert sich heute auffallend in der Literatur, auch in diesem Werke, wenn Kremsmayer schreibt (Seite 16)- „Wir wollen es wie die Chinesen halten, allen Dreien (das heißt Buddha, Laotse und Konfuzius) unsere Verehrung zollen und bei ihnen in unseren gehetzten, unruhigen Tagen Trost und Frieden suchen.“ So ähnlich schrieb über die chinesische Weisheit auch das Autklärungszeitalter, das mit dem Christtum nicht mehr rechnete, als es von den Missionaren (Trigault, Martini, Intorcetta, Herdtrich, Rougemont, Couplet, Comte, Noel) erstmalig Kunde von der chinesischen Lebensweisheit erhielt. Das sind [deen, die wir bei W. v. Leibniz, C. H. Wolff, S. Reimarus, Lessing wiederfinden und welchen schließlich Voltaire in „Essai sur l'esprit et les meeurs des nations“ die drastischeste Form gab — eine gottgelöste, autonome Moral, die das Christentum überflüssig macht. — Die Weisheit Laotses wie aller chinesischen Weisen zu prüfen und zu lesen, sollte besonders heute in dem Geiste geschehen, den P. F. Noel in der Vorrede zu seinem Werk: Die sechs klassischen Bücher des chinesischen Reiches (latein), Prag 1711, in die Worte faßt: „Dum leges Sinarum doctrinam, Christianorum vitam cogita. Utinam utriusque angularis fiat Christus.“.

Univ.-Prof. Dr. Johannes Thauren

Das Lehen mit Jesus in unserer Zeit Eine moderne christliche Lebenskunde, aufgebaut auf der persönlichen Beziehung zu Jesus. Von Franz J a n t s c h. Verlag F. Baumgartner. Wien 1947. 147 Seiten, Preis 15 S.

Vielversprechend leitet dieser 1. Band eine neue Buchreihe ein. Was der Verfasser will, sagt schon der Untertitel. Diesem Wollen wird er auch vollkommen gerecht. Auf eine kürzlich in einem ernsten Gespräch gestellte ' Frage, ob das Christentum noch einmal die Kraft besitze, Welt und Mensdiheit aus tiefster Seelennot vor dem Unterging hochzureißen, gibt Jantsch hier bejahende Antwort in begründeter, umfassender Form. Aber es darf kein laues Christusbekenntnis sein, sondern es muß Vollblut haben: Jeder Christ ein zweiter Christus! Dies führt das Buch in seinen 14 Kapiteln klar und scharf vor Augen. Jantsch findet geradezu prophetische Formulierungen, wenn er von der bevorstehenden Jahrtausendwende und den Zukunftsaufgaben spricht. Das Buch wird vielen strebenden Seelen zum aufrüttelnden Erlebnis werden.

Dompfarrer F. G e ß 1

Die betende Gemeinde. Gebet- und Gesangbuch der Erzdiözese Wien. Verlag Herder, Wien 1947. 656 Seiten.

Dem Wiener erzbischöflichen Ordinariat ist es gemeinsam mit dem Verlag Herder nach Überwindung von vielen Schwierigkeiten gelungen, das Gemeinschaftsgebetbuch der Diözese Wien in einer praktischen Neuausgabe und in guter Ausstattung herauszubringen. Pfarrer Zeggl hat auf Grund seiner reichen Erfahrungen den Inhalt gegenüber der vor vielen Jahren ersdiienenen Auflage bedeutend vermehrt. Es ist noch mehr Rücksicht genommen auf die Bedürfnisse der Pfarrgemeinde und des persönlichen Lebens; der Geist der Liturgie kommt sinnvoll zum Ausdruck. Wenn man zum Vergleich die ältere Gebetbuchliteratur heranzieht, so ist wahrzunehmen, wie konsequent dieses Gebetbuch auf ein vertieftes Verständnis der wesentlichen Grundlagen des christlichen Glaubens und auf eine aktive Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienste hinzielt. Dr. L. Lentner

Advent. Eine Variation über ein Thema. Von Kurt Vincsa, Verlag Brüder Hollinek, Wien 1947.

Von verschiedenen Seiten versucht der Verfasser das Thema „Advent“ zu beleuchten. Das entworfene Stimmungsgemälde reicht in einer regenbogenartigen Zusammenschau von Isaias bis Rilke. Dr. Josef Kopp

Das Krippenspiel. Von Hans Reinthaler.

österreichischer Agrarverlag, Wien.

Kein Prunk des Wortes, keine verfeinerte Kunst der Form vermag dem geheiligten Zauber der Weihnacht in solche Tiefe zu folgen wie die schlichte, herzinnige Sprache des Volkes. Indem sich Reinthaler dieser Sprache bedient und seiner szenischen Darstellung des weihnachtlichen Geschehens die denkbar klarste und einfachste Führung gibt, glückt es ihm, sein Krippenspiel in die vertraute Nähe unmittelbar aus dem Volke hervargewachsener Spiele zu rücken Die oberösterreichische Mundart seiner Verse ist bei aller Eduheit doch weit genug gemildert, um verständlich zu sein. Durch ungewöhnlichen Reichtum an überzeugenden Bildern aus dem bäuerlichen Alltag erweist sidi diese urwüchsig herbe, aber auch der zartesten Tönungen fähige Verssprache als volkstümlich in bestem Sinne. Das Spiel vollzieht sich auf wenigen, einfach angedeuteten Schauplätzen. Die Aufführung kann deshalb mit ganz bescheidenen szenischen Mitteln bewerkstelligt werden. Dem Sprechtext sind Lieder von Ernst Tittel beigegeben, die sich durch die gleiche innige Schlichtheit auszeichnen wie ihre Sprache. Das Spiel ist als ländliches Laienspiel gedacht und wird als solches seine besondere Eignung bewähren. Hans Brecka

Der Dom. Roman des Wiener Stephansdomes. Von Hilde Knobloch. Verlag A. Pustet, Graz-Salzburg.

Mit viel Liebe webt die begabte Verfasserin um ihr eigentliches Thema, die Geschichte des Stephansdomes, die Schicksale einer Wiener Familie, die durch die Jahrhunderte das Geschehen um den Dom bis zu den Schrecknissen der letzten Kriegszeit begleitet. Das flüssige Erzählerwerk schöpft aus Geschichte und Sage und ist von einer bildhaften Vorstellungskraft durchwirkt. Ansprechend der edle vaterländische Geist, der die Handlung trägt. Die große Literatur um das ehrwürdige Gotteshaus ist mit diesem Roman um eine neue, beachtliche Erscheinung bereichert. Zeichnerischer Buchsdimuck und technisdie Ausstattung des schönen Bandes haben die Übel der Nachkriegszeit schon überwunden. Dr. F. Greiffenburger

Sulmtal und Kajnatboden. Ein steirisches Bilderbuch. Von Hans K 1 o e p f e r. Verlag Alpenland Buchhandlung, Graz. 310 Seiten, 28 S.

Von einsamen Höfen und alten Häusern, von Burgen und oststeirischem Bauerntum, seinem Tun und seinen Sagen, seinen Hausnamen, seiner Mundart und seinen Uberlieferungen erzählt und sinniert hier einer, dem die Macht gegeben ist, die tiefsten Empfindungen der Heimatliebe und die Kenntnis dieser Heimat in Worten zu fassen. Dieser steirische Arzt, der dieses Bilderbuch geschrieben und in der Malerin Emmi Singer-Hies-leitner die rechte Illustratorin dazu gefunden hat, ist ein wirklicher Künstler, und sein Buch mag jeden Freund österreichischer Landschaft entzücken und in anderen heimatlichen Himmelsstrichen anregen, Ähnliches zu schaffen. Das schöne Buch verdient mehr Auflagen als nur diese zweite. f-

Yo Ta Fu, Der Untergang. Roman. Aus dem Chinesischen übersetzt von Anna Rottau-scher. Amandus Edition, Wien 1947.

Es ist subtilste Kunst, mit der hier der Dichter das Leben eines jungen Chinesen schildert, der in Japan seine Studien vollendet. Die innere Auseinandersetzung des Studenten mit dem fremden Land, seiner Umgebung und dem Christentum wird mit hauchzarten Pinselstrichen mehr angedeutet als breit ausgeführt. Man glaubt eine der köstlichen chinesischen Miniaturen vor sich zu haben. Die Grundstimmung eines tiefen Pessimismus wird allein durch die wahrhaft künstlerische Art der Schilderung erreicht: alle freudigen Ereignisse im Leben des jungen Chinesen werden nur kurz berichtend als Vergangenes nachgetragen, während man sein langsames Untergehen miterlebt. Die Übersetzung hält die Atmosphäre einfühlend fest.

Dr. Erika Haala

Mama kann alles. Von Kathryn Forbes. Verlag Neue Welt, Wien 1947.

Es ist ein reizendes, ausruhendes Buch voll naiver Freude an „Happy-End“ und Optimismus, das Hohe Lied von der tüchtigen Mutter, die ihre aus Skandinavien in die USA eingewanderte Familie zusammenhält. Wie sie sich mit allen Schwierigkeiten finanzieller und sozialer Natur auseinandersetzt und sie meistert, ihren Platz ausfüllt und ihre Kinder fördert, ohne aggressiv tüchtig zu sein, wird mit viel Humor und kindlicher Liebe geschildert. Es ist ein Buch für junge Mädchen, aber auch für Erwachsene, die sich ein junges Herz bewahrt haben.

Ninetta Wandruszka

Zelte in der Wildnis. Von Julius L i p s.

Danubia-Verlag, Wien. 253 Seiten.

Ein Forscher erzählt hier vom Indianerleben auf der Halbinsel Labrador und schildert eigene Erlebnisse. Dadurch gewinnt das Budi besonders an Wert. Der jugendliche Leser und der interessierte Erwachsene hören von dem entbehrungsreichen, abenteuerlichen Leben roter Jäger und Fallensteller, von ihrer eigenartigen Gedankenwelt, ihrer Kunstfertigkeit, ihrer Gläubigkeit und Würde. Der Held des Buches ist ein jugendlicher Indianer, dessen edler Charakter unaufdringlich und darum um so wirksamer als gutes Vorbild dargestellt wird. Geeignet für Jugendliche beiderlei Geschlechts vom zwölften Jahre an und für Erwachsene.

Ferdinand S t r o b 1

österreichisches Jahrbuch für Exlibris und Gebrauchsgraphik 1945/46, Band 36. Herausgegeben von der österreichischen Exlibris-Gesellschaft.

Nach fünfjähriger, erzwungener Unterbrechung legt die Exlibris-Gesellschaft wieder ihr Jahrbuch vor: ein Werk von künstlerischer Bedeutung, gepflegtestem Geschmack sowie ungewöhnlich reicher und gediegener graphischer wie buchtechnischer Ausstattung. Es versinnbildlicht ernstes Können, weit entfernt von der spielerischen Verniedlichung. Namhafte Autoren haben an dieser repräsentativen Arbeit mitgewirkt. Man kann dieses Jahrbuch als Zierde jeder Büchersammlung ansprechen. C. v. Peez

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