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VON NEUEN BÜCHERN

Allenthalben zeigt sich der Wille, zu einer Neuordnung in Staat und Gemeinschaft den Weg zu finden, die dem Daseinsrecht des Menschen als Persönlichkeit entspricht. Das Ziel ist nicht nur die Sicherstellung der knappsten materiellen Lebensbedürfnisse, sondern es soll ein Lebensraum zur Entfaltung persönlicher Kräfte geschaffen werden, um dadurch die Bahn zum sozialen Aufstieg des einzelnen wie der Familie freizulegen.

Allgemeine Not, fühlbare Verknappung der Mittel, wie Sinken des Reallohnes, konturieren diese Grundforderung um so schärfer. Mannigfaltig sind die vorgeschlagenen Lösungsversuche, aber kaum einer kann Anspruch auf sofortige oder auch nur baldige Verwirklichung machen, denn hinter allen steht die in Zeiten materieller und politisdier Hemmungen doppelt schwierige Frage der Bedeckung und die noch subtilere, wie die durch irgendwelche Eingriffe in den Apparat der Wirtschaft etwa hervorgerufenen nachteiligen Rückwirkungen auf den Staatsund Volkshaushalt hintangehalten werden können. Wenn man etwa den naheliegenden Gedanken aufgreifen würde, durch Dividendenbeschränkung die Mittel aufzusammeln, um den Mindestlohn auf die Höhe eines Soziallohnes zu bringen, so lehrt die Erfahrung, daß dadurch die Gefahr einer kaum zu unterbindenden Kapitalsflucht heraufbeschworen würde, wenn es nicht möglich ist, derartige Maßnahmen durch internationale Verständigung mit einem ausreichenden Schutz für die nationalen Wirtschaftsinteressen zu verbinden. Auch eine endgültige und tragbare Formel für die Verwirklichung des sogenannten Familienlastenausgleiches vermag kaum gefunden werden, solange nicht verläßliche Statistiken der Gegenwart eine sichere Berechnung der Höhe der notwendigen Aufwendungen ermöglichen und solange nicht der Reallohn — man müßte richtiger Realeinkommen sagen — der breiten Masse eine weitere Belastung als tragbar erscheinen läßt. Man kann ruhig noch hinzufügen, solange nicht in den Menschen das soziale Gewissen zum starken Regulator des Gewinnstrebens und des Bemühens nach erhöhtem Lebensaufwand wird. Dennoch — oder gerade deshalb muß die Angelegenheit des Soziallohnes mit aller Tatkraft vorgetragen werden, da ihre befriedigende Lösung das sicherste Fundament des inneren Friedens darstellt, ohne den ein Emporkommen zu Wohlfahrt und Wohlstand nicht denkbar ist.

In der Notzeit aber geht es nicht nur um grundsätzliche Erörterung genereller Lösungen, sondern es bedarf auch praktischer Hilfe, durch die sofort Erleichterungen geboten werden.

Ein solcher Versuch wird in dem „Buch vom einfachen Leben“ (von Dr. Maria Maresch, Verlag Friedrich Beck, Wien 1947) gemacht, das nun in zweiter und verbesserter Auflage erscheint. Ohne die Notwendigkeit und die Hoffnung auf eine bessere Fundierung des Familieneinkommens in der Zukunft hintanzusetzen, geht hier reiche Erfahrung und wissenschaftliche Forschung daran, vom realen Boden der Tatsachen aus alle Möglichkeiten einer auch eingeengten rationellen Wirtschaftsführung im Hause zu untersuchen. Die Ergebnisse führen in gerader Linie zu der Erkenntnis, daß die Führung der Haushalte, durch die in ihrer Gesamtheit 60 bis 80 Prozent des Volkseinkommens gehen, durch gründliches Wissen unterbaut, durch den Willen zu sorgsamster Auswertung des Verfügbaren geleitet sein müssen. Indem dem Einkommen das Auskommen zur Seite gestellt wird, soll gezeigt werden, daß auch unter einfachen Verhältnissen die Erhaltung eines bescheidenen, jedoch nicht unwürdigen Lebensstandards möglich ist und die Familie vor dem Absinken in äußeres und inneres Elend bewahrt werden kann, ohne die junge Frau und Mutter zu früh zu verbrauchen und zu einem durch Überlastung zermarterten Menschen zu machen.

„Lebensvorbereitung“, ..Lebensvereinfachung“ als allgemeines Gebot. „Lebensplanung“ aus erworbenem praktischem Wissen und gestähltem Willen vermag aus den vorhandenen Mitteln weit mehr für Heim und Familie herauszuholen als flüchtige Beurteilung meinen möchte. Sie können vieles verhüten, was Unwissen oder Unwille sonst verschulden. An diesen Leitgedanken festhaltend,- geht das Buch alle einschlägigen Gebiete in. ausführlicher Untersuchung durch.

Hauptgewicht wird naturgemäß auf die zweckgerichtete Erziehung und Schulung der Mädchenjugend bereits im allgemeinen Unterricht gelegt und kann nicht mit einigen Schulküchen und Schulgärten abgetan werden. Das von Dr. Maria Maresch seinerzeit begründete und aufgebaute „Institut für Lebenskunde“ war ein Anfang zu solcher in die allgemeine Mädchenbildung ausstrahlenden Vorbereitung auf den Beruf der Hausfrau und Mutter. Doktor M. Maresch vertritt den Standpunkt: Wie die Medizin die Anwendung der Ergebnisse namentlich des Naturwissens auf den kranken Menschen ist, so muß der Haushaltsführung ein angewandtes Wissen für und über den gelinden Menschen zugrunde liegen. Sicher ist, daß dieser bisher so gering geschätzte Aufgabenkreis immer mehr in das Gebiet wissenschaftlicher Beachtung und Durchforschung rückt.

Die statistischen Angaben, auf die sich viele

Die Geschichte Österreichs. I. Band. 2. Auflage. Von Univ.-Prof. Dr. Hugo H a n t s c h. Styria-Verlag, Graz-Wien.

Die erste Auflage dieses Bandes der „Geschichte Österreichs“ von Hantsch erschien 1937. Das Hereinbrechen des Nationalsozialismus verhinderte das Erscheinen des 2. Bandes, aber nicht zufrieden damit, erließen die neuen Herren auch ein Verbreitungsverbot gegen den bereits erschienenen 1. Band und brachten den Verfasser — als einzigen österreichischen Universitätsprofessor für Geschichte — in das Konzentrationslager. In einer politisch völlig veränderten Welt kann der erste Band jetzt, zehn Jahre nach der ersten Auflage, neu herauskommen. Der Verfasser brauchte nichts zu ändern und konnte sich mit einigen Ergänzungen begnügen, die durch neue Ergebnisse der Forschung bedingt sind und sich auch auf das Gebiet der Geisteswissenschaften beziehen. Das Werk, in zwei Teile gegliedert, umfaßt im ersten Teil — „Wcden und Wesen Österreichs“ — die Zeit von der römischen Herrschaft im Gebiete des heutigen Österreichs bis zum Tode Kaiser Friedrichs III. im Jahre 1493. Der zweite Teil — „Neugestaltung Österreichs aus Macht und Geist“ — behandelt die Zeit von der Thronbesteigung Maximilians I. bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Die Zugehörigkeit zum Imperium Romanum, die Nachbarschaft zu Böhmen und Ungarn und der Erwerb der Herrschaft in Österreich durch die Habsburger sind jene Wurzeln, aus denen das kleine Grenzland zu weltbewegender Bedeutung emporwächst. Die große Stunde Österreichs schlägt, als dem Hause Habsburg die Herrschaft in Österreich, Böhmen und Ungarn zufällt und es fähig wird, die Kaiserkrone zu tragen. Gestützt auf die Macht seiner Länder, kann das Haus den Kampf für die Einheit des Reiches gegen die äußeren Feinde, die Türken, und gegen die inneren Feinde, die deutschen Fürsten, wagen. Es ist seine Tragödie und damit auch Österreichs, daß es diesen Kampf gleichzeitig führen mußte und ihm so ein durchschlagender Erfolg im inneren Kampf versagt blieb. Mit dem Frieden von Münster 1648 schließt der erste Band. — Die außerordentliche Qualität des Buches beruht auf seiner Darstellungskraft, die es von vielen anderen Werken abhebt, deren Trockenheit auch Fachleute ermüdet. Der Verfasser verbindet mit dem Bild der politischen Geschichte das geistesgeschichtliche Bild Österreichs und erhebt es damit zu seiner Vollendung. DDr. W, Lorenz

Einführung in die Sprachpsychologie. Von Dr. Fr. K a i n z. Verla- A. Sexl, Wien.

Es war ein glückliche! Gedanke von Fr. Kainz, seinen zwei stattlichen Bänden „Psychologie der Sprache“ (I. 1941, II. 1943) eine kurzgefaßte

Darlegungen beziehen, sind wohl den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr voll entsprechend; neue liegen noch nicht vor und jüngere sind durch die Zerstörung der letzten Jahre vernichtet. Dennoch sind auch die Zusammenstellungen von 1925 und 1928/29 wertvolle Stützen allgemeiner Erkenntnisse und Berechnungen.

Das Buch ist eine Fundgrube praktischer Hinweise und Anleitungen. Es ist aber auch ein ernstes Forderungsprogramm, das in der Öffentlichkeit Beachtung und Förderung verdient. Nicht zuletzt ist es ein Dokument der Frauenleistung im Haus, die noch immer viel zu wenig als Faktor der Volkswohlfahrt und der Volksgesundheit erkannt und geschätzt wird. „Die Hauswirtschaft ist als Beruf genau so hoch, wenn nicht höher einzuschätzen wie jeder andere Beruf, der in der Erzeugungswirtschaft oder in der Verwaltungsarbeit ausgeübt wird.“

In der Not der Zeit aber bringt dieses Buch viel Klärung durch das Bekenntnis, daß der Neuaufbau des sozialen Lebens ohne den Willen zum einfachen Leben nicht bewerkstelligt werden kann.

„Einführung in die Sprachpsychologie“ folgen zu lassen, deren sich alle diejenigen mit Nutzen bedienen werden, denen aus irgendeinem Grunde das Hauptwerk nicht erreichbar ist. Nach einer Begriffsbestimmung und Abgrenzung des Aufgabengebietes der Sprachpsychologie (S. 5 bis 341 folgt eine Aufgliederung dieser Disziplinen in folgende Unterformen: 1. Die allgemeine oder fundamentale Sprachpsychologie. 2. Die vergleichende genetische Sprachpsychologie. 3. Die angewandte Sprachpsychologie.

Wenn der Verfasser bei der Erörterung über den Unterschied zwischen historisch-linguistischer und sprachpsychologischer Forschungsarbeit (S. 30) formuliert, ,.der Psycholog dagegen erklärt die Lautwandlungen aus den beim Sprechen ins Spiel tretenden seelisch-geistigen Triebkräften“, so darf das natürlich nicht zu der Meinung führen, al ob die Erklärung sprachlicher Erscheinungen ein ausschließliches Vorrecht des Sprachpsychologen wäre. Ein Linguist, der sich bemüht, hinter den Sprachbegebenheiten stets den sprechenden Menschen zu fassen, wird sich nicht mit einer positivistischen Konstatierung von Tatsachen begnügen, sondern nach dem Grundsatz verfahren, daß in dir richtigen Erkenntnis der Bedingungen und der treibenden Kräfte das Grundproblem aller historischen Sprachwissenschaft steckt. Die Zeiten, wo eine rein ätiologische, zweckfreie Betrachtung der Sprachvorgänge beliebt war, sind vorüber. Bei alter Gelehrsamkeit läßt das Büchlein auch den Humor gelegentlich zu Worte kommen, wo die Fähigkeit zu individuell-charakteristischen Neuschöpfungen im Deutschen illustriert wird.

Adalbert Stifter und die Romantik. Von Wilhelm Kosch. 3., verbesserte Auflage, Wächter-Verlag, Nymwegen.

Der bekannte verdienstvolle Literarhistoriker Professor Dr. Wilhelm Kosch legt in 3. Auflage seine Jugendarbeit über Adalbert Stifter und die Romantik vor. Das Werk ist inhaltlich und bibliographisch auf den Stand der neuesten Wissenschaft gebracht. Es ist ein unbestreitbares Verdienst des Verfassers, seine Schrift, die eine der ersten war, in denen Adalbert Stifter in seiner Bedeutung als großer österreichischer Klassiker gewürdigt wurde, der heutigen Zeit wieder zugänglich zu machen. Wenn erst jetzt wieder in einem Stifter-Buch auf die Hintergründe in Stifters Charakter hingewiesen und die Meinung, er sei in seinem Fühlen und Wollen so ganz einer der Stillen gewesen, mit Recht bekämpft wird, so hat schon vor mehr als einem Menschenalter Wilhelm Kosch gezeigt, daß Stifter „ein tief leidenschaftlicher Charakter war“. Auch in der

Erkenntnis der Zusammenhänge, die Stifters Werk mit Jean Paul, Tieck und E. T. A. Hoffmann verbindet, ist die Darstellung von Kosch bahnbrechend in der Stifter-Forschung gewesen. Besonderen Dank schulden wir ferner dem Verfasser für seinen Nachweis, daß Stifters Weltanschauung im katholischen Lebensbereich wurzelte und nur aus ihm zu erklären ist. Alle Versuche, Stifter anders zu deuten, sind durch die überzeugenden Darlegungen von Kosch hinfällig gemacht. Dr. Ernst Josef G ö r 1 i c h

Rund um den Stephansturm 1945. Aquarelle und Zeichnungen von Franz V i t o v e c. Selbstverlag, Wien, III., Erdbergstraße 43/8.

Das Kriegsgeschehen, das dem Stephansdom fast unheilbare Wunden schlug, bot dem begabten Wiener Graphiker V i t o v e c den Anlaß, der Mit- und Nachwelt das Bild der Zerstörungen festzuhalten. In fünf Aquarellen zeigt er ein Gesamtbild des halbzerstörten Gotteshauses und bringt auch tn Aquarellen, Feder, und Bleistiftzeichnungen interessante Einzelheiten von der Außenfassade und aus dem Inneren des Hauptschiffes und des Chores, die dem Publikum nicht zugänglich sind und die erst die ganze Schwere des künstlerischen Verlustes bekunden, den die Kulturwelt durch diese Zerstörungen erlitten hat. Diese interessante Bildermappe ist zum Teil dem Wiederaufbau des Gotteshauses gewidmet.

Unsere heilige Messe. Von Georges C h e v-r o t. Verlag Benziger, Einsiedeln.

Ein Pariser Pfarrer hat seiner Gemeinde die Messe mit dem Aufgebot aller liturgiegeschichtlichen Genauigkeit eingehend erklärt. Selbst dem sonst geschichtlich Bewanderten werden viele neue Erkenntnisse vermittelt. Es ist tatsächlich eines jener Bücher, in denen man oft lesen kann, weil es nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zum Betradnen des Mysteriums der Messe hinführt. Dr. Leopold L e n t n e r

Pattermanns Practica! Englisch. 1. Band: Wie sag' ich's auf Englisch? 664 Seiten. 2. Band: Wie sag* ich's auf Deutsch? 472 Seiten. 3. Band: Englische und amerikanische Gespräche. Grammatik. 467 Seiten. Literaria-Verlag, Wien.

Kein Wörterbuch einer fremden Sprache im herkömmlichen Sinn! Diese drei Bände des ausgezeichnet angelegten und redigierten Werkes bieten dem Lernenden in vieler Hinsicht mehr: einen Einblick in die Tiefen und Feinheiten der englischen Sprache, deren idiomatische Wendungen vor allem herausgearbeitet werden. Gerade die jeder Sprache eigenen, typischen Redewendungen sind es ja, die beim Erlernen einer Fremdsprache, bei der Konversation, wie bei der Lektüre die größten Schwierigkeiten bereiten. Reichhaltige Zusammenstellungen sinnverwandter Wörter, vierzig Gespräche des täglichen Lebens, eine übersichtlich gegliederte englische Sprachlehre sowie ein ausführlicher Abschnitt über die Besonderheiten des amerikanischen Englisch, der Amerikanismen, verstärken noch die großen Vorzüge des Sprachbuches, das in kurzer Zeit für den zweiten und dritten Band in 2. Auflage und für den ersten Band bereits in 3. Auflage erschienen ist. '

Fahrt in die Heimat. Von Hanns Koren. Querschnittverlag, Graz.

In einer meisterhaften und lebensprühenden Sprache schreibt Hanns Koren seine Skizzen aus der steirischen Heimat. Hier redet ein Mensch, der den Menschen seiner Heimat verschwistert ist und die Geschichte dieses Landes kennt. Aus dieser Kenntnis und Liebe weiß er zu deuten, was der Fremde allzuleicht übersieht und woran er unwissend vorbeigeht. Viktor Euchgraber

Linz und Land ob der Enns. Von Dr. Hermann Puffer. Verlag Sachsperger, Linz an der Donau. 112 Seiten. Preis S 5.10.

Eine liebevolle Schilderung oberösterreichischer Heimat, untermalt mit vielen geschichtlichen Erinnerungen und Daten, die nicht allgemein bekannt sind. Ein gutes Register ergänzt das Bändchen, das mit einem Dutzend zum Teil recht guten Federzeichnungen geschmückt ist^ Die Be-titelung der Bilder wäre bei einer Neuauflage wünschenswert.

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