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VON NEUEN BÜCHERN

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Zum Buch von Msgr. Bruno Bernhard Heim: „Wappenbraudr und Wappenrecht in der Kirche". Otto Walter, Olten 201 Seiten.

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Zum Buch von Msgr. Bruno Bernhard Heim: „Wappenbraudr und Wappenrecht in der Kirche". Otto Walter, Olten 201 Seiten.

Das ausgezeichnete Werk des derzeitigen Sekretärs an der Wiener Nuntiatur, Msgr. Heim, eines gebürtigen Schweizers, verdient in jeder Hinsicht Beifall und größte Verbreitung. Es behandelt mit souveräner Beherrschung des Stoffes die geschichtlichen, rechtlichen, künstlerischen und liturgischen Aspekte der kirchlichen Heraldik, also der von Geistlichen geführten Wappen. Das Buch ist lebendig und fesselnd geschrieben, bezeigt überall Klugheit des Urteils in einer oft von Schwarmgeistern zu törichten Phantasien mißbrauchten Materie und dazu einen untrüglichen Geschmack. Ihm danken wir auch die schönen Illustrationen, neunzehn von Heim entworfene Wappenzeichnungen, an denen jeder Kenner seine helle Freude haben wird. Sie sind stilrein und prächtig reproduziert. In klarer Gliederung bespricht der Verfasser, auf Grund der besten und neuesten Forschungen, die Geschichte des Wappenbrauchs im allgemeinen, das Wappenrecht und beider Eingang in den kirchlichen Brauch. Die Tatsache, daß jeder geweihte Priester im Hochmittelalter ohne Rücksicht auf seine eigene ständische Herkunft ein freier Vollbürger seiner Gemeinschaft war, verlieh ihm von vornherein die Befugnis zur Wappenführung. Besonderheiten aber ergaben sich und ergeben sich aus dem kirchlichen Charakter der geistlichen Wappeninhaber. Parallel mit den in der weltlichen Heraldik auftauchenden, innerhalb der Wappenfähigen unterscheidende Abzeichen — etwa der Mannigfalt der den Adelsgrad bezeichnenden Kronenzacken und den Rangkronen überhaupt — entwickelt sich die Abgrenzung des bei Priestern die Stelle der Krone vertretenden Hutes mit seinen Quasten. Mitren entsprechen den Dynastenkronen usw. Heim untersucht musterhaft und erstmals in erschöpfendem Zusammenhang wie im Einklang mit der kirchlichen Gesetzgebung den Zusammenhang des Wappenrechtes mit den in der Liturgik festgelegten Pontifikalien und Insignien. Er bespricht die hierarchischen Würdezeichen, erörtert Erwerb und Verlust kirchlicher Wappeninsignien, deren unberechtigtes Führen und gibt dann, dies ist der wichtigste Kern des Werks, eine kritische Darlegung, wie die heraldischen Gesetze auf die Wappen aller Grade der Hierarchie anzuwenden sind. Als Ausklang lesen wir dann eine in der Praxis höchst nützliche Anleitung, wie kirchliche Wappen zu gestalten sind, will man Verstöße gegen die Heraldik und gegen den guten Geschmack vermeiden.

Längst sind ja die Zeiten vorbei, wo man in unhistorischer Art der Aufkärung es mit Kaiser Joseph II. als gleichgültig verspottete, ob und wie sich einer „Löwen, Bären oder anderes Viehzeug“ aufmalen ließ. Und wir teilen auch nicht jene amerikanische Auffassung, deren Folgen Osterreich-Ungarns letzter Botschafter in Washington Graf Tarnowski erfuhr, als eine Automobilgroßgarage dessen Wappen Leliwa serienweise auf alle dort eingelagerten Wagen malte, „weil das Muster gut gefiel“.

Die Heraldik wird als eine Wissenschaft betrachtet, die pietätvoll zu pflegen Aufgabe einer der geschichtlichen Werte bewußten Gesellschaft ist, in der das Wappenwesen nur mehr künstlerische, soziale und in mancher Hinsicht moralische Aufgaben erfüllt, ohne daß es eine ständisch absondernde, privilegierte Stellung einer umgrenzten erblichen

Pfade in Utopia. Von Martin Buber. Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1951. 248 Seiten.

Gedankenreich wird der Frühsozialismus, seine Idee der freiwilligen „Assoziation“ der Arbeiter, gegen das „Monopol" der Arbeiterführer, ihrer gegengenossenschaftlichen Diktatur seit Marx, aufgefächert. Sehr gut demonstriert der Verfasser die Verwandlung der sozialistischen Theorie vom Absterben des Staates in eine Theorie der Elite, eines absoluten Zentrums der Doktrin und Aktion. Als Mittel dieses Kunststückes wird die zweideutige Gewaltenlehre Marxens angesehen. Danach stürbe bekanntlich nach Vollendung des kommunistischen Aufbaues die „eigentliche Gewalt", der Staat als Kapitalistenmonopol; nicht aber stürbe die „uneigentliche Gewalt", die Planwirtschaftsverwaltung, die kommunistische Bürokratie, nicht nur auch ein Regiment, sondern, was der Verfasser aufzeigt, ein strengeres Regiment als je ein anderes vorher. Das Rätesystem jedoch, ein demokratisches, machtzerteilendes Institut, sei als ein ehemaliges Organ der Revolution, als ein Aktionsprogramm der vorantreibenden Kräfte von unten, leider, wie der Verfasser packend darlegt, keine Kontrolluhr in den kommunistischen Verfassungen, das heißt keine Strukturidee, geworden.

Univ.-Prof. Dr. August M. Knoll Schicht zur Voraussetzung hätte. Für die kirchliche Heraldik aber trifft das zu. was der weltlichen Wappenkunde in den meisten Staaten der Welt verlorengegangen ist: die noch fortdauernde juridische Bedeutung. Die katholische Kirche ist ja eine hierarchich gegliederte Gemeinschaft, in der die durch Weihe herausgehobenen Priester den Vorrang vor den Laien, die durch die Fülle der Weihe ausgezeichneten Bischöfe einen Vorrang vor den einfachen Klerikern und der Papst die oberste Autorität über den gesamten Episkopat besitzen. Dies alles kommt in der kirchlichen Heraldik durch die nach dem Rang abgeschatteten Zeichen zum Ausdruck. Wobei, wie überhaupt in der Kirche, dem aristokratischen, Ungleichheit setzenden Element ein zweites, demokratisches zur Seite tritt. Die Unterschiede sind nicht durch die bloße Geburt, sondern einzig durch die Weihe, durch den, persönlichen Verdiensten entquellenden Würdegrad innerhalb der Hierarchie bedingt. Darum verlieren auch die Angehörigen der erlauchtesten Geschlechter, sowie sie priesterliche Weihe erhalten oder auch nur in einen Orden eintreten, alle Privilegien und damit die adeligen Wappenkennzeichen, ihres Urprungs. Msgr. Heim legt au£ diesen Umstand, mit Fug, starken Nachdruck. Und so hat sein vortreffliches Werk auch eine politische, soziale Note, die nicht zu überhören ist,

Nicht mehr aufgenommen in das Werk — da es vorher erschien — ist die umstürzende Verfügung, die Pius XII. vor kurzem erlassen hat und die übrigens durchaus in der Linie beharrt, die wir eben erwähnt haben, der Demokratisierung gemäß. Der Heilige Vater hat nämlich alle noch geführten weltlichen Titel von Bischöfen und Äbten ufgehoben. So sind Wien, Esztergom, " Prai, Krakau, Salzburg usw. nunmehr' nicht įrehr von Fürsterzbischöfen geleitete Diözesen, sondern einfach Erzbistümer. Durch die päpstliche Verfügung sind alle etwas noch gebliebenen heraldischen Anspielungen auf ehemalige, mit einem Bistum oder einer andern Prä- bende verknüpfte weltliche Würde aufgehoben.

Die sehr sorgsame und umfängliche Bibliographie am Ende des Bandes bedarf in ihrem dritten, der Heraldik und dem Wappenrecht gewidmeten Teil einiger Ergänzungen. Wir vermissen an kapitalen Werken- die heraldische Bibliographie von E. v. Berchem (1937), durch die Bernds Bücherkunde weit überholt ist, ferner E. Beck „Grundfragen der Wappenlehre und des Wappenrechts" (1931), das trotz aller Phantastik nicht zu übersehende Werk von B. Körner „Handbuch der Heroldskunst" (1920 33), F. Philippis ausgezeichneten knappen Abriß „Wappen" (1922), den „Diction- naire des Figures heraldiques“ von Th. de Renesse (1894 bis 1903), J. B. Rietstaps holländisches „Handboek der Wappenkunde" (3. Auflage 1903), A. Ruppels „Hausmarke" (1939) und die grundlegende Untersuchung von Ch. U. v. Ulmenstein „Ursprung und Entstehung des Wappenwesens (1935). Hildebrands „Wappenfibel' wäre in der letzten, 14. Auflage von 1943, die „Beiträge zur Geschichte der Heraldik" von Berchem wären in der Auflage von 1939, das Rietstapsche „Armorial General' in der Ausgabe von 1934 7 zu zitieren.

Univ.-Prof. Dr. Otto Forst de Battaglia

Tiroler Volksgut auf dem Heideboden. Unterinntaler Weihnachtsspiel in der Dreiländerecke des Neusiedler Sees. Burgenländische Forschungen. Von Anton Dörret. Herausgegben vom Landesarchiv und Landesmuseum. Eisenstadt 1951. Heft 17, 107 Seiten.

Der um die Erforschung Tiroler Volkskunde hochverdiente Gelehrte deckt in dieser tiefgründigen Studie ein gutes Stück europäischer Schicksals- und Volksgeistgeschichte auf, das sich insbesondere im Siedlungs- und Spielgebiet des Heidebodens, das heißt des nunmehrigen österreichischen Nordburgenlandes, der ungarischen Gespanschaften Odenburg und Wieselburg sowie der slowakischen Schüttinselgruppe mit den Spielorten Oberufer und Preßburg widerspiegelt. Eingehend wendet er sich den bisher weniger berücksichtigten Festspielen des burgenländischen Heidebodens und damit den jetzigen Erben einer 300jährigen Überlieferung zu.

Dr. P. Benno Roth O. S. B.

Festspiele in Salzburg. Von Hugo von Hofmannsthal. S.-Fischer-Verlag, 1952. 71 Seiten.

Dies Büchlein hat sein Schicksal: Es wurde 1938, unmittelbar ante festum, fertiggestellt, aber nur einige wenige Exemplare fanden den Weg zum Leser: die ganze Auflage wurde eingestampft. Damals waren in dem hübschen, von Fritz Neugebauer ausgestatteten und mit Figurinen von Alfred Roller geschmückten Bändchen 13 Aufsätze Hofmannsthals zum Thema „Salzburger Festspiele" vereinigt. Nun erscheint diese „Magna Charta" in immer noch sehr ansprechender, aber etwas bescheidenerer Gestalt mit folgenden Beiträgen, die Hofmannsthal, meist zu Werbezwecken oder um seine eigenen Werke zu erläutern, in ausländischen Zeitungen und Zeitschriften erschienen ließ: „Festspiele in Salzburg 1919", „Das Salzburger Programm 1926“, „Repertoire 1925', „Das Publikum der Salzburger Festspiele 1928“, „Der erste Aufruf zum Festspielplan 1919", „Das Spiel vor der Menge 1911', „Das große Welttheater in der Collegienkirche 1922", „Das alte Spiel von Jedermann' 1912'. Nicht nur, daß viele der hier ausgesprochenen Gedanken und Anregungen noch nicht realisiert sind: noch wichtiger wäre, sie konsequent weiterzudenken. Dr. Helmut Fiechtner

Neue Erkenntnisse der Naturheilbehandlung. Aus fünfzigjähriger Praxis. Von Dr. med. Alexander Rosendorf. Verlag Lorber, Bietigheim (Württemberg). 95 Seiten.

Der medizinische „Außenseiter' macht es sich leicht und findet immer sein Publikum, wenn er gegen die „Schulmedizin' zu Felde zieht, sie mit symptomatischer Behandlungsweise identifiziert und in Gegensatz zu einer kausalen Behandlung setzt Der Leser, der sonst medizinische Aufklärungsliteratur verschlingt, liest auch allzugern, was man ihm über die „Krise der Medizin' vorsetzt.

Abgesehen von solchen Fehlern, von denen sich der Verfasser auch dieses Buches nicht freizuhalten weiß, ist ihm doch ein im ganzen recht gutes Buch gelungen. Wenn die von ihm berichteten Fälle von Krankenheilungen mit seinen „Naturheilmethoden“ kritischer Nachprüfung standhaften, dann kann ihm auch die „Schulmedizin“ ihre Anerkennung nicht versagen. Im übrigen sind die „Schulmediziner" von heute durchaus nicht so borniert, wie sie der Verfasser sieht: es hat unter ihnen zu keiner Zeit an Einsichtigen gefehlt, die gern und bereitwillig auch von der ;VoIks- medizin' gelernt haben. Nach diesem Werke kann man sich der Einsicht nicht verschließen, daß die Schulmedizin von bewährten Praktikern der Naturheilmethoden noch sehr viel lernen kann. Sicher haben wir bisher zwar im kleinen mustergültige Hygiene, im großen aber vielfach noch krasse Antihygiene getrieben. Daß in dieser Hinsicht unser Ernährungswesen an erster Stelle zu nennen ist, darin wird man dem Verfasser weitgehend recht geben können, obschon er oft zu groben Verallgemeinerungen neigt. Auch die Naturheilkunde wird gut daran tun, ihren eigenen Erkenntnissen gegenüber Selbstkritik zu üben und nidit die Dinge so darzustellen, als wüßte sie schon Gewisses über Zusammenhänge, die wir einstweilen nur ahnen können. Aber wir können ihm darin vorbehaltlos recht geben, daß durch Überernährung weit mehr geschadet wird als durch Einschränkung: wir werden auch verstehen können, wenn er erklärt, daß es ihm unmöglich ist, beim Gewohnheitsraucher die nötige Umstimmung der Reaktionsfähigkeit des Organismus herbeizuführen.

Jedenfalls bringt die „Schulmedizin' der „Naturheilkunde“ heute weit größeres Verständnis entgegen, als ihr von der letzteren entgegengebracht wird.

Univ.-Prof. DDDr. A. Niedermayer

Sturm. Von George R. Stewart. Verlag des Druckhauses Tempelhof, Berlin. 344 Seiten.

Um es vorweg zu sagen, dies ist ein ungewöhnliches Buch: ein Roman, dessen tragende Gestalten nicht Menschen sind, und auch nicht der Tierwelt entnommen wurden, sondern dem anorganischen Bereich, und der es trotzdem an Lebendigkeit und Spannung mit den besten Werken der Abenteuerliteratur aufnehmen kann. Des Autors „Held' ist der Sturm, der sich aus atmosphärischen Störungen weit draußen über dem Pazifik allmählich zusammenbraut, um dann, zögernd zuerst, aber mit stetig zunehmender Gewalt, gegen den amerikanischen Westen loszubrechen. Was dieser Sturm da treibt, in Kalifornien und in weiten, angrenzenden Gebieten der Union, und wie hart die Menschen kämpfen müssen, auch in unseren Tagen hochentwickelter Technik, um sich des Angreifers zu erwehren, und wie ihnen die moderne Meteorologie dabei zu Hilfe kommt, das beschreibt Stewart mit gründlichster Sachkenntnis, und in einer Sprache, deren dramatische Gestaltungskraft den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Kurt Strachwitz

Die Nacht des ungeborgenen Lebens. Von Rudolf K a ß n e r. Inselverlag.

Aus einem Zeitraum von zwanzig Jahren stammen die Schriften des kleinen Ä.uswahl- bandes, die mit einem Nachwort des großen österreichischen Dichters und Denkers versehen sind. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß Rudolf Kaßner, Zeitgenosse Rilkes und Paul Valerys, letzter „grand old man' der europäischen Literatur, wie kein zweiter Lebender der deutschen Sprache mächtig ist und zu den wenigen Geistern gehört, die eine tragfähige Brücke vom Denken des 19. Jahrhunderts zu dem des zwanzigsten schlugen. Kaßner geht von der Feststellung aus, daß wir „an den Rand" geraten seien, von welchem her es nur mehr den Abgrund und das Nichts gebe. Der Analyse der „Ungeborgenheit" des modernen Menschen folgt der positive Ansatz zur Heilung unserer gebrochenen Existenz. Kaßner hat ihn in dem heute grassierenden Terminus der „Mitte" gefunden. „Mitte“ ist, um ps mit einem Begriff aus der Architektur zu erklären, der goldene Schnitt, oder, im Bereich des Geistigen, ein wiedergewonnener Kulminationspunkt im wiederzugewinnenden Glauben an die göttliche Ordnung. So läßt sich die Mitte als „Verwandlung" oder Transfiguration begreifen — „was soviel aussagt, wie daß wir nicht verwandelt werden können ohne Mitte". Von dieser Idee der Mitte her sind seine Erzählungen, die den Charakter des Gleichnisses haben, zu verstehen. Ihr Inhalt ist nicht wiederzugeben, weil sie in der Form aufgehen. Aber der Stoff unseres Lebens, der aus keinem anderen Stoff wie aus dem von Bildern und Träumen gemacht ist, erfährt in der Dichtung Kaßners seinen wahren Inhalt, weil er bezogen auf den Sammelpunkt einer Welt gedeutet wird.

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