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Füt Brückenschlag und Minderheiten"

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Getrennten Synoden der beiden evangelischen Kirchen Österreichs am 22./ 23. November folgte am 24725. eine gemeinsame Generalsynode. Von den Lutheranern wurde ein neuer Bischof gewählt.

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Getrennten Synoden der beiden evangelischen Kirchen Österreichs am 22./ 23. November folgte am 24725. eine gemeinsame Generalsynode. Von den Lutheranern wurde ein neuer Bischof gewählt.

Mit großem Applaus wurde die Wahl des 52jährigen Superintendenten der Steiermark, Dieter Knall, zum neuen Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche begrüßt, die lutherische Kirche hat einen neuen Bischof. Vier Wahlgänge haben zu dieser Entscheidung geführt.

Unser Zusammenleben in Familie, Beruf, Staat und Kirche ist vom Begriff der Freiheit geprägt, und wir Österreicher sind stolz darauf. Freie Entfaltung der Persönlichkeit, freie Gestaltung der privaten Sphäre der Bürger, so wenig Einengung wie möglich durch Vorschriften und Gesetze. Zu diesen Freiheiten gehört auch die Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit. Dieses demokratische Grundprinzip findet auch in der Kirche seine Anwendung, und nach diesem wurde der neue Bischof gewählt.

Sechzig Synodale, geistliche und weltliche Mitglieder zu gleichen Teilen aus den verschiedenen Diözesen, hatten unter den Superintendenten Herwig Karzel, Linz, Dieter Knall, Graz, und Hellmut Santer, Bad Vöslau, in Wien den neuen Bischof zu wählen, der Wahlvorgang dauerte nicht einmal eine Stunde.

Natürlich gab es einige Anträge und Debatten zur Geschäftsordnung und unter Ausschluß der Öffentlichkeit auch eine Personaldebatte, die den Synodalen letztlich die nötigen Informationen über die Kandidaten gab. Nach dem dritten Wahlgang war Superintendent Karzel von der Kandidatur zurückgetreten und hatte seinen Wählern die freie Entscheidung übertragen, wem sie ihre Stimme geben wollten.

Der designierte Bischof Dieter Knall ist ein Mann des Brückenschlages, wie er selbst sagt, ein Mann des Friedens, der stets bemüht ist, auszugleichen, zu schlichten zwischen verschiedenen Gruppierungen, denn auch das gibt es in der Kirche. Von ihm kann der Brückenschlag zwischen den ein wenig auseinander laufenden theologischen Ansichten in der Evangelischen Kirche in Österreich erwartet werden.

Er selbst bezeichnet sich als einen konzilianten Menschen, der gerne zuerst hört, was andere denken und reden, um dann bemüht zu sein, ein Gespräch anzubahnen, um helfen zu können. Er scheue aber keineswegs Aussprachen und Auseinandersetzungen, habe aber immer den Brückenschlag als Ziel im Auge. Mit dieser Einstellung habe er als Generalsekretär des Gustav Adolf-Werkes bei der ihm übertragenen Betreuung der Minderheitskirchen in Süd- und Osteuropa gute Erfahrungen machen können. So war es ihm gelungen, gute Kontakte zu jenen Kirchen zu finden, die noch aus der einstigen österreichisch-ungarischen Monarchie stammen.

Seine ökumenische Haltung beschreibt Knall mit dem Satz: „Wir wissen uns noch unterschieden, aber als Christen nicht mehr geschieden voneinander."

Am kommenden Palmsonntag (27. März 1983) wird in einem feierlichen Gottesdienst Bischof Oskar Sakrausky das bis zu diesem Tag getragene Bischofskreuz, das er vor fünfzehn Jahren aus den Händen seines Vorgängers, Bischof Gerhard May, übernommen hat, seinem Nachfolger übergeben, der damit sein schweres Amt übernehmen wird.

Superintendent Paul Pellar schilderte bei Abschluß der Synode A. B. Oskar Sakrausky als einen Mann, der in seiner Amtszeit eine klare Linie, bestimmt vom Worte Gottes, durchgehalten habe, gerade in einer Zeit, in der vieles ins Wanken kam und manche mit einigen seiner Entscheidungen nicht einverstanden waren.

Bischof Sakrauskys Wirken war stets von der Sorge und Fürsorge für seine Kirche getragen. Auch das Jubiläumsjahr 1981, in dem die Evangelische Kirche in besonderer Weise in die Öffentlichkeit treten konnte, bleibt mit seinem Namen eng verbunden.

Ausführlich beschäftigte sich die Synode der Evangelischen Kirche A. B. mit dem Problem der Jugendsekten. Man beschloß einstimmig, einen geistlichen Amtsträger der Kirche nebenamtlich mit der Führung eines diesbezüglichen gesamtösterreichischen Referates zu betrauen.

Den Synodalen wurde auch eine Vorschau auf das Lutherjahr 1983 gegeben. Es wird eine gesamtösterreichische Feier in Linz, eine Luther-Ausstellung in der österreichischen Nationalbibliothek, die Herausgabe von Informationsschriften und eine Reihe von Hörfunk- und Fernsehsendungen zu erwarten sein.

Die Synode der Evangelischen Kirche H. B. tagte ebenfalls in Wien. Sie hat wie immer eine ganze Reihe von Routinearbeiten geleistet, die für die praktische Arbeit der Kirche notwendig sind. Wichtigster Punkt war die Vorlage des Abschlußberichtes über das Gespräch zwischen den Reformierten und der katholischen Kirche. Die Synode nahm dieses Dokument mit Dank und Freude zur Kenntnis. Auch die Vorlage der Empfehlungen eines Berichtes über die Generalversammlung des Reformierten Weltbundes in Ottawa mit dem Gesamtthema „Friede und Gerechtigkeit" wurde zustimmend entgegengenommen. Die gemeinsame Generalsynode beider Kirchen beschäftigte sich eingehend mit dem Problem der Einstellung der Kirche zur Dritten Welt. Man will bemüht sein, das Bewußtsein für die Probleme und Nöte der Welt zu wek-ken, zu vertiefen und entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Die Autorin ist Beauftragte des Amtes für Hörfunk und Fernsehen der Evangelischen Kirche in Osterreich.

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