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Warum noch katholisch?

FOKUS
Beck - © Foto: Heinz Heiss

Johanna Beck: Nach Missbrauch zurück in der Kirche

1945 1960 1980 2000 2020

Johanna Beck hat in der katholischen Kirche Missbrauch erfahren – und sieht sie dennoch wieder als ihre Glaubensheimat. Warum? Ein Gespräch über kirchliche Abgründe und kämpferische Hoffnung.

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Johanna Beck hat in der katholischen Kirche Missbrauch erfahren – und sieht sie dennoch wieder als ihre Glaubensheimat. Warum? Ein Gespräch über kirchliche Abgründe und kämpferische Hoffnung.

Der Slogan „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ ist der Schlachtruf der autonomen Szene. Übertragen auf das Erleben von Missbrauch in der katholischen Kirche hieße das, diese Institution mit aller Kraft zu bekämpfen. Johanna Beck, die als Kind und Jugendliche in einer rechtskatholischen „geistlichen Gemeinschaft“ sexuellen und spirituellen Missbrauch erleben musste, ist freilich nach vielen Jahren wieder in die katholische Kirche zurückgekehrt – und will nun als Mitglied des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz mithelfen, sie im Rahmen des „Synodalen Weges“ zu verändern. Im FURCHE-Interview spricht die 39-Jährige über Kirche als (Un-)Heilsort – und ihr neues Buch „Mach neu, was dich kaputt macht“.

DIE FURCHE: Frau Beck, Sie haben als Kind und Jugendliche in der „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ (KPE), einer Organisation, die dem „Engelwerk“ nahesteht, Missbrauch erfahren: Sexualisierte Übergriffe bei Beichtgesprächen mit einem „Pater Dietmar“ gehörten ebenso dazu wie omnipräsente böse Mächte und ein strafender Gott. Mit 16 Jahren haben Sie sich freigekämpft und „alles Katholische“ hinter sich gelassen, wie Sie schreiben. Doch Jahre später sind Sie wieder in die katholische Kirche zurückgekehrt. Warum?
Johanna Beck:
Eine gute Frage. Tatsächlich wohnen zwei Seelen in meiner Brust: Die eine hat trotz all dieser Erlebnisse wieder eine Glaubensheimat in der katholischen Kirche gefunden – durch eine Pfarrgemeinde, in der ich einen Gott der Freiheit kennenlernen durfte und mich aufgehoben fühle, durch einen Glauben, der Kraft- und Resilienzquelle ist, und durch eine christliche Botschaft, die für mich immer noch überzeugend ist. Doch da gibt es auch diese andere Seele, die über die Abgründe dieser Kirche viel zu gut Bescheid weiß. Diese innere Spannung trage ich in mir. Aktuell möchte ich dieses abgründige Wissen dazu nützen, um mitzuhelfen, die missbrauchsbegünstigenden Strukturen und Denkmuster in der Kirche zu ändern. Ob ich auch in zehn Jahren noch katholisch sein werde, weiß ich nicht. Das wird auch davon abhängen, was sich in den nächsten zehn Jahren in der Kirche tut.

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