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Im Osten nichts Neues

In gut einer Woche wird Wien Landtag und Bezirksvertretungen wählen - und dann wird Österreich zwei Jahre lang ziemlich wahl- und damit politisch störungsfrei sein. Die Prognose ist nicht sehr riskant: Es wird so ziemlich ein Stein auf dem anderen bleiben.

Der SPÖ wurde ein starker Zuwachs vorausgesagt: Rückkehr der Haider-Flüchtlinge in Notzeit sozusagen. Diese Heimkehr dürfte sich nun in Grenzen halten. Ein paar Stimmen mehr, das war's dann auch schon - nicht ungerecht, denn wirklich besser geworden ist die SPÖ ja nicht. Die ÖVP wird sich spürbar verbessern, was dank Bernhard Görg und Peter Marboe auch verdient ist. Auch ein Kanzler-Bonus dürfte spürbar werden. Und doch: Auch dieser Zuwachs wird sich in engeren als prophezeiten Grenzen halten. Grund: Die FPÖ wird nicht so stark verlieren, als wäre noch Hump-Dump-Hilmar Spitzenkandidat.

Helene Partik-Pable hat eine geschickte Wahlwerbung betrieben, wird manche Zweifler, die schon auf dem Sprung waren, doch noch halten und einen deutlichen, aber halt doch nicht spektakulären Stimmenrückgang angesichts ursprünglicher Prognosen auch noch als relativen Erfolg verbuchen können. Der Zorn des Karawanken-Häuptlings wird enden wollend sein.

Die Grünen werden deutlich zunehmen, aber so überdeutlich auch wieder nicht, dass sie sich einreden könnten, Epochales für Wien geleis-tet zu haben. Sie waren gemäß Umfragen noch immer im Anlauf besser als am Wahltag selbst. Und sie werden nicht alle Stimmen des Liberalen Forums erben, das den Einzug in den Landtag knapper als erwartet verfehlen dürfte. Die frei werdenden Mandate werden vier Parteien indirekt beglücken. Rot, Schwarz, Grün und selbst Blau werden Erfolgstrompeten blasen.

Und so wird es kaum einen Grund geben, die rot-schwarze Koalition zu sprengen. Bürgermeister Häupl wäre wohl ein loses Dreiecks-Techtelmechtel mit je einem Stadtrat von Volkspartei und Grünen am liebsten, aber da wird die ÖVP nicht mitspielen. Also weiter wie bisher? Es gäbe Schlimmeres. Wien ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität.

Hubert Feichtlbauer ist freier Publizist und Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche".

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