Digital In Arbeit

Biblische Weltpremiere

1945 1960 1980 2000 2020

Nun kann die Bibel auch zu meistgehörten Buch werden: Helmut Wlasak las sie - 100 CDs lang.

1945 1960 1980 2000 2020

Nun kann die Bibel auch zu meistgehörten Buch werden: Helmut Wlasak las sie - 100 CDs lang.

Es ist eine Weltpremiere. Noch nie vorher wurde die Bibel vollständig auf Tonträger gelesen", freut sich Paul Kantschieder, Produzent der ersten kompletten "Bibel zum Hören", die auf exakt 100 CDs Platz findet. Beabsichtigt war die runde Zahl nicht, sie hat sich durch die sinnhafte Unterteilung der verschiedenen Bücher von selbst ergeben. Vier CDs umfasst allein das Buch Genesis. Stolze 96 Stunden dauert es, bis die gesamte Bibel durchgehört ist, 22 Stunden entfallen davon auf das Neue Testament.

Stimme gab dem Buch der Bücher Kammerschauspieler Helmut Wlasak, emeritierter Intendant des Tiroler Landestheaters, der die gesamte Bibel vier Mal laut Probe gelesen hatte. Selbst für den engagierten Christen, der sich auch im Privatleben bemüht, nach der Heiligen Schrift zu leben, war das Lesen der kompletten Bibel eine neue Erfahrung gewesen: "Der Beschenkte bin ich", sagte er bei der Präsentation der Edition. Er habe sich bemüht, mit "innerem Engagement", aber ohne "Über-Dramatisierung" zu artikulieren, um dem Zuhörer die Möglichkeit zur eigenen Interpretation des Textes zu lassen. "Noch nie hat ein professioneller Sprachkünstler die ganze Heilige Schrift gelesen, wir haben jemanden gesucht, von dem wir wissen, dass er absolut dahinter steht", so Kantschieder.

Als Übertragung wurde die auch in der katholischen Liturgie verwendete "Einheitsübersetzung" aus dem Jahr 1980 gewählt. Auf Kürzungen verzichtete man, selbst die Bücher Levitikus und Numeri mit ihren Speisevorschriften und Stammväterreihen sind zu hören. Die CD-Edition eigne sich daher "für alle, die sich intensiver mit der Heilgen Schrift auseinandersetzen wollen." Hilfreich sei sie auch für jene, die sich "erstmals" mit der Bibel beschäftigen und durch Hören "einen leichteren Zugang suchen", meinte Ullrich Miller Aichholz, der Leiter des Projekts. Ihn beeindruckte vor allem die Aktualität des Textes und sein Einfluss auf die heutige Sprache. Begriffe wie "Sündenböcke" oder "in die Wüste schicken" gründen im Alten Testament.

"Ich halte schon sehr viel vom Hören der Bibel, das ist sicher besser als Fernsehverfilmungen. Die Blinden werden sich sehr freuen", meint Norbert Höslinger vom Katholischen Bibelwerk, der bei der Präsentation in Wien interessiert lauschte. "Das hört sich sehr gut an, ich frage mich nur, wie sinnvoll es ist, Levitikus und Numeri einzubeziehen und ohne Erklärung immer die gleiche Stimme lesen zu lassen", tut es ihm leid, dass die Bibel unkommentiert vorgelesen wird. Anfang der achtziger Jahre hatte das Bibelwerk das Lukasevangelium und den Propheten Amos mit Erklärungen lesen lassen, was sehr gut angekommen war. Die gesamte Bibel hatte man aber nie in Angriff genommen.

Der Umfang der ersten "Hörbibel" der Welt ist mit 96 Stunden Laufzeit gewaltig. Zwei Booklets erleichtern die Orientierung, mit ihrer Hilfe kann man nach Kapiteln, Büchern, Namen und Begriffen suchen und schnell den passenden Cut auf der richtigen CD finden. Allein die Erstellung der Register erforderte 240 Stunden Arbeit. Für Blinde gibt es ein eigenes Beiheft. "Wichtig ist die ,Bibel zum Hören' für Leute, die wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr gut lesen können. Außerdem ist sie für Blinde, Geistliche, alle Interessierten und als Unterrichtsmittel für Schulen, Pfarreien gut geeignet", erklärt Kantschieder. Allerdings war die Produktion kostenintensiv, sie wird durch den Verkauf der ersten Auflage von 2.000 Stück knapp gedeckt sein. Um deren Absatz macht er sich keine Sorgen, beim Testen auf der Fachmesse "Gloria" in Vorarlberg stieß die CD-Edition trotz des Preises von 9.618 Schilling auf reges Interesse. In Form von zwei großen in Leder und Leinen gebundenen Büchern mit Goldprägdruck ist die "Bibel zum Hören" beim Innsbrucker Verlag "Insignia" zu bestellen. Wer bis 15. November zuschlägt, bekommt sie zum Subskriptionspreis von 7.417 Schilling mit einem besonderen Geschenk: eine kostenlose Gesamtausgabe von Bachs Orgelwerk auf 12 CDs.

Informationen: Insignia, 6020 Innsbruck, Innrain 56/II, Tel. 0664/2004489, E-Mail: u.ma@aon.at

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau