Alexej Nawalny: Die Geschichte geht munter weiter

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Wie der russische Kremlkritiker Putin in Bedrängnis bringt - und inwieweit das an Vaclav Hável erinnert.

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Wie der russische Kremlkritiker Putin in Bedrängnis bringt - und inwieweit das an Vaclav Hável erinnert.

Wann hat uns zuletzt ein Buch weltweit beschäftigt? Ich glaube, es war vor 30 Jahren, als Francis Fukuyama seine These vom „Ende der Geschichte“ verfasste: Mit dem Zerfall des Sow­jet-Kommunismus gehöre die Zukunft der Menschheit nun ganz der liberalen Demokratie und Marktwirtschaft. Sollte heißen: keine totalitäre Ideologie mehr, keine Konflikte und Kriege, zumindest mittelfristig.

Spätestens mit dem Einsturz des ­„World Trade Centers“ (2001) und dem islamistischen Terror als weltbedrohende Ideologie aber war „Geschichte“ als immerwährendes Räderwerk wieder da. Und sie ist es auch jetzt: mit Donald Trumps jüngstem, gewaltbereiten Endkampf – und Joe Bidens totalem Spurwechsel im Zentrum der USA; mit Millionen Corona-Opfern und der Angst vor schwersten Sozialkonflikten; mit globalen Cyber-Angriffen und Nuklear­drohungen von Nahost bis Ostasien – und mit den jüngsten Massenaufmärschen gegen Putins hemmungslos korrupte Machtelite.

Bilanz der „Nawalny-Demos“

Enorm spannend jedenfalls, was der atemberaubend mutige Alexej Nawalny vor dem Hintergrund seiner Dramen (Nowi­tschok-Vergiftung, Schauprozesse, Kandidaturverbot …) eben an Sympathie und Solidarität gewonnen hat. Mehr an Anerkennung jedenfalls, als die Dauerproteste im benachbarten Weißrussland bisher gefunden haben.

Die Bilanz der ersten „Nawalny-Demos“ zwischen Balkan und Pazifik: Aufmärsche in mindestens hundert Städten und elf Zeitzonen (!) mit zehntausenden Wutbürgern und 3400 brutalen Festnahmen. Ist das für ein autoritär regiertes Großreich schon viel, wie der „Westen“ meint? Oder doch wenig, wie die Medienmacht des Kremls behauptet?

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