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Vom Auto weggelockt

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Zehn Jahre konsequente Bemühungen haben den Großteil der Mitarbeiter der "Wolford AG" in Bregenz motiviert, auf Öffentliche Verkehrsmittel und auf das Fahrrad für ihre Fahrten zur Arbeit umzusteigen.

Die Geschichte begann 1993. Damals setzte sich ein aus Freiwilligen bestehendes Umweltteam der "Wolford AG", eines Bregenzer Unternehmens der Bekleidungsindustrie, zusammen, um ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Das Anliegen: Die Mitarbeiter zu motivieren, nicht mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, sondern auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, vor allem auf das Fahrrad umzusteigen. Bregenz ist zwar keine Großstadt, hat aber auch mit Verkehrsproblemen zu kämpfen.

Von Anfang an war klar: Die Initiative "Fahr-Rad" sollte nicht zu Verordnungen von oben führen. Man wollte den Mitarbeitern den Umstieg durch Motivation, Beratung, günstige Einkaufs- und Reparaturmöglichkeiten von Fahrrädern schmackhaft machen.

Dabei war die Ausgangssituation 1993 gar nicht so schlecht wie in vielen Unternehmen, die anderswo an Stadträndern angesiedelt sind. Immerhin benützten 18 Prozent der Belegschaft das Fahrrad. Aber jeder dritte Mitarbeiter kam mit dem Auto zur Arbeit (siehe linke Grafik). Mit Bequemlichkeit, schlechten Verbindungen, Zeitgewinn begründeten 74 Prozent der Pkw-Fahrer die Wahl ihres Verkehrsmittels. Danach gefragt, was sie zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel bewegen könnte, gaben 30 Prozent an, Radfahren müsse sicherer und die Radwege ausgebaut werden. 25 Prozent verlangten eine bessere Fahrplangestaltung der "Öffis".

Ein gutes Gesprächsklima

Damit war die Richtung der Bemühungen vorgezeichnet: Veranstaltungen und Kurse wurden organisiert, vor allem aber suchte man die Zusammenarbeit mit den Medien. Letzteres erwies sich als besonders wichtig, weil es nicht nur die Bewusstseinsänderung der Mitarbeiter verstärkte, sondern auch das Gesprächsklima mit öffentlichen Stellen günstig beeinflusste.

Deren Kooperation war für das Gelingen des Projektes von größter Bedeutung. Es galt ja, die Bregenzer Stadtverwaltung und die umliegenden Gemeinden für die Verbesserung des Radwegenetzes zu gewinnen: Gehsteigkanten sollten abgeflacht, Radwege verbreitert und neu trassiert, sowie mit besserer Beleuchtung versehen werden. Besonders wichtig war die Abgrenzung der Radwege vom übrigen Verkehr.

Das Ergebnis dieser Bemühungen lässt sich sehen und wurde im Jahr 2003 auch mit dem Mobilitätspreis des "Verkehrsclub Österreich" ausgezeichnet: Bis 1999 war der Anteil des Fahrrads am Wolford-Berufsverkehr auf 44 Prozent gestiegen, der Anteil der Autofahrten auf zehn Prozent gesunken (siehe rechte Grafik).

Große Bemühungen gab es auch, die Verbindungen im öffentlichen Verkehr zu verbessern. An den Verkehrsverbund, die Bregenzer Verkehrsplaner wurden die Wünsche der Mitarbeiter in Sachen Linienführung und Abstimmung von Fahrplänen herangetragen - und es gelang, entsprechende Änderungen zu erreichen. Eine eigene Mobilitätsberatung vor Ort informierte die Mitarbeiter über die neuen Möglichkeiten.

Umstieg auf Öffis

Seit September 1999 reisen daher viele auch aus entfernteren Gemeinden mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Da diese neuen Angebote nicht von der Wolford-Belegschaft genutzt werden, kommt es seither auch im größeren Rahmen zu einem Umstieg auf Öffentliche Verkehrsmittel.

Das Unternehmen förderte diesen Umstieg, indem es den Kauf der Netzkarte (bisher insgesamt 297 Stück) übernahm. Auch für die Radfahrer wurde massiv investiert: eine Tiefgarage mit 500 Fahrradplätzen (70 Prozent der Garagenfläche) gebaut, Dusch- und Umkleidekabinen eingerichtet, ebenso eine Fahrradwerkstätte.

Für Wolford hat dieser Aufwand auch etwas gebracht: Im März 2003 konnten die Werkbus-Fahrten eingestellt werden. Dass heute der Anteil der Autofahrer wieder bei 21 Prozent liegt, ist nicht nur auf diese Maßnahme zurückzuführen. Es bedarf nämlich laufend neuer Motivationsimpulse, damit die Öffis im Bewusstsein der Mitarbeiter nicht das Rennen gegen das bequeme Auto verlieren.

In Summe bleibt die Bilanz des Projektes jedenfalls beachtlich, denn vier von fünf Wolford-Mitarbeiter kommen heute zu Fuß, per Rad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit.

Zehn Jahre konsequente Bemühungen haben den Großteil der Mitarbeiter der "Wolford AG" in Bregenz motiviert, auf Öffentliche Verkehrsmittel und auf das Fahrrad für ihre Fahrten zur Arbeit umzusteigen.

Die Geschichte begann 1993. Damals setzte sich ein aus Freiwilligen bestehendes Umweltteam der "Wolford AG", eines Bregenzer Unternehmens der Bekleidungsindustrie, zusammen, um ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Das Anliegen: Die Mitarbeiter zu motivieren, nicht mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, sondern auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, vor allem auf das Fahrrad umzusteigen. Bregenz ist zwar keine Großstadt, hat aber auch mit Verkehrsproblemen zu kämpfen.

Von Anfang an war klar: Die Initiative "Fahr-Rad" sollte nicht zu Verordnungen von oben führen. Man wollte den Mitarbeitern den Umstieg durch Motivation, Beratung, günstige Einkaufs- und Reparaturmöglichkeiten von Fahrrädern schmackhaft machen.

Dabei war die Ausgangssituation 1993 gar nicht so schlecht wie in vielen Unternehmen, die anderswo an Stadträndern angesiedelt sind. Immerhin benützten 18 Prozent der Belegschaft das Fahrrad. Aber jeder dritte Mitarbeiter kam mit dem Auto zur Arbeit (siehe linke Grafik). Mit Bequemlichkeit, schlechten Verbindungen, Zeitgewinn begründeten 74 Prozent der Pkw-Fahrer die Wahl ihres Verkehrsmittels. Danach gefragt, was sie zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel bewegen könnte, gaben 30 Prozent an, Radfahren müsse sicherer und die Radwege ausgebaut werden. 25 Prozent verlangten eine bessere Fahrplangestaltung der "Öffis".

Ein gutes Gesprächsklima

Damit war die Richtung der Bemühungen vorgezeichnet: Veranstaltungen und Kurse wurden organisiert, vor allem aber suchte man die Zusammenarbeit mit den Medien. Letzteres erwies sich als besonders wichtig, weil es nicht nur die Bewusstseinsänderung der Mitarbeiter verstärkte, sondern auch das Gesprächsklima mit öffentlichen Stellen günstig beeinflusste.

Deren Kooperation war für das Gelingen des Projektes von größter Bedeutung. Es galt ja, die Bregenzer Stadtverwaltung und die umliegenden Gemeinden für die Verbesserung des Radwegenetzes zu gewinnen: Gehsteigkanten sollten abgeflacht, Radwege verbreitert und neu trassiert, sowie mit besserer Beleuchtung versehen werden. Besonders wichtig war die Abgrenzung der Radwege vom übrigen Verkehr.

Das Ergebnis dieser Bemühungen lässt sich sehen und wurde im Jahr 2003 auch mit dem Mobilitätspreis des "Verkehrsclub Österreich" ausgezeichnet: Bis 1999 war der Anteil des Fahrrads am Wolford-Berufsverkehr auf 44 Prozent gestiegen, der Anteil der Autofahrten auf zehn Prozent gesunken (siehe rechte Grafik).

Große Bemühungen gab es auch, die Verbindungen im öffentlichen Verkehr zu verbessern. An den Verkehrsverbund, die Bregenzer Verkehrsplaner wurden die Wünsche der Mitarbeiter in Sachen Linienführung und Abstimmung von Fahrplänen herangetragen - und es gelang, entsprechende Änderungen zu erreichen. Eine eigene Mobilitätsberatung vor Ort informierte die Mitarbeiter über die neuen Möglichkeiten.

Umstieg auf Öffis

Seit September 1999 reisen daher viele auch aus entfernteren Gemeinden mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Da diese neuen Angebote nicht von der Wolford-Belegschaft genutzt werden, kommt es seither auch im größeren Rahmen zu einem Umstieg auf Öffentliche Verkehrsmittel.

Das Unternehmen förderte diesen Umstieg, indem es den Kauf der Netzkarte (bisher insgesamt 297 Stück) übernahm. Auch für die Radfahrer wurde massiv investiert: eine Tiefgarage mit 500 Fahrradplätzen (70 Prozent der Garagenfläche) gebaut, Dusch- und Umkleidekabinen eingerichtet, ebenso eine Fahrradwerkstätte.

Für Wolford hat dieser Aufwand auch etwas gebracht: Im März 2003 konnten die Werkbus-Fahrten eingestellt werden. Dass heute der Anteil der Autofahrer wieder bei 21 Prozent liegt, ist nicht nur auf diese Maßnahme zurückzuführen. Es bedarf nämlich laufend neuer Motivationsimpulse, damit die Öffis im Bewusstsein der Mitarbeiter nicht das Rennen gegen das bequeme Auto verlieren.

In Summe bleibt die Bilanz des Projektes jedenfalls beachtlich, denn vier von fünf Wolford-Mitarbeiter kommen heute zu Fuß, per Rad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit.