himmelsleiter stephansdom - © Foto: Jenni Koller; ©Bildrecht Wien 2021

Billi Thanners "Himmelsleiter" am Stephansdom: Viele Sprossen, himmelwärts

1945 1960 1980 2000 2020

Eine Leiter führt vom Inneren des Wiener Stephansdoms über den Südturm in den Himmel. Die Künstlerin Billi Thanner unterstreicht damit die Bauweise des Doms und setzt ein auffälliges Zeichen.

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Eine Leiter führt vom Inneren des Wiener Stephansdoms über den Südturm in den Himmel. Die Künstlerin Billi Thanner unterstreicht damit die Bauweise des Doms und setzt ein auffälliges Zeichen.

Da liegt er, der Jakob, mit einem Stein als Kissen unter dem Kopf, und träumt. Von einer Himmelsleiter, auf der göttliche Wesen hinauf- und hinuntersteigen. Die Geschichte von diesem Traum wird in Genesis 28 erzählt, und in der Einheitsübersetzung liest sich das so: „Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.“

Treppe, Rampe oder Leiter – im Lauf der Zeit und der Überlieferungen wurde aus dem Hilfsmittel eine Leiter, die sich auch in vielen künstlerischen Darstellungen findet. Dort reicht sie oft direkt zu Gott. Ein solches Bild für die Verbindung zwischen Mensch und Gott ist auch heute noch unmittelbar verständlich.

Die christliche Lesart in Joh 1 interpretierte die Leiter als Zeichen der Präsenz Gottes, als Jesus Christus selbst. Mit den Kirchenvätern wird die Himmelsleiter zum Bild für den geistigen Aufstieg zu Gott, die Tugenden sind die Sprossen, über die der Mensch zur Vollkommenheit gelangt. „Da hast du dir aber ein paar Stufen auf der Himmelsleiter verdient“, ist eine immer noch gebräuchliche Redewendung, die dann verwendet wird, wenn jemand etwas Gutes getan hat. Mit Gutem verdient man sich den Himmel, und das Näherkommen dieses Ziels wird mithilfe der Leitersprossen versinnbildlicht. Die Verbindung von Gott und Mensch wird moralisiert.

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