
Wer an US-Medien denkt, hat wohl zwei Extreme vor Augen: auf der einen Seite die New York Times, die seriös recherchiert und deren Reporter Machtmissbrauch oder Korruption aufdecken. Auf der anderen Seite kommerzielle Fernsehsender wie Fox News, die offen mit ihrer Sympathie für die Republikaner – und vor allem Donald Trump – umgehen. Dass es in den Vereinigten Staaten auch öffentliche Medien gibt, wird in dieser Polarisierung oft übersehen.
NPR und PBS vor dem Kongress
Nun aber mussten sich die Chefinnen der beiden größten öffentlichen Sendervereinigungen vor dem Kongress in einer öffentlichen Anhörung verantworten. Die US-Regierung hat in den Organisationen – zum wiederholten Mal – ein Feindbild gefunden. Seit 1967 gibt es die Corporation for Public Broadcasting, die 1970 den von ihr finanzierten Fernsehsender PBS (Public Broadcasting Service) und das Radio-Pendant NPR (National Public Radio) ins Leben rief.

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Herzlichen Dank, Ihre Doris Helmberger‐Fleckl (Chefredakteurin)
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Katherine Maher leitet heute NPR, Paula Kerger ist Präsidentin von PBS. Die republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene nannte die beiden Medienhäuser bei der Anhörung „radikale linke Echokammern für ein kleines Publikum von vor allem reichen, weißen, urbanen Liberalen und Progressiven“, die auf das ländliche Amerika hinunterblicken würden.
Über 1000 lokale Radio- und Fernsehstationen sind Mitglieder von PBS und NPR.
Dabei profitiert vor allem der ländliche Raum von diesen Sendersystemen. Über 1000 lokale Radio- und Fernsehstationen sind Mitglieder von PBS und NPR. Während die lokalen Sender ihr regionales Programm gestalten, können sie sich bei landesweiten Nachrichten auf PBS und NPR verlassen und deren Beiträge übernehmen.
Auch die nötige Sendeinfrastruktur übernehmen die beiden, sie kümmern sich um funktionierende Sendemasten und sorgen dafür, dass auch im tiefsten Valley der Lokalradiosender empfangen werden kann.
„News Deserts“ erschließen
Wichtig ist das vor allem in den sogenannten „News Deserts“ (Nachrichtenwüsten) der USA, wo es ohne die öffentlichen Sender keine lokalen Nachrichten aus ihren Gemeinden mehr gäbe. Immer mehr Lokalzeitungen mussten in den vergangenen Jahren ihren Betrieb einstellen, da ihr Betrieb nicht mehr finanzierbar war. Die großen kommerziellen Fernsehstationen berichten hingegen vor allem aus den Großstädten.
„Besonders jetzt, wo so viele Nachrichtenmedien finanziell zu kämpfen haben, brauchen wir ein öffentliches System, das Journalismus finanzieren kann, und dabei zuverlässig und unparteiisch ist“, sagt Caitlin Vogus, Senior Advisor bei der Freedom of the Press Foundation im FURCHE-Gespräch. Angriffe auf PBS und NPR hätte es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben, aber aktuell seien sie „Teil eines viel größeren Trends an Angriffen auf Nachrichtenmedien in den USA“.
Um ihre Meinung zu verdeutlichen, stand hinter Greenes Pult ein überlebensgroßer Aufsteller der Drag Queen Lil Miss Hot Mess.
Republikanische Abgeordnete wie Greene kritisieren vor allem die Programmgestaltung von PBS und NPR, die „Wokeness“ der Inhalte wird als das große Übel gesehen. Um ihre Meinung zu verdeutlichen, stand hinter Greenes Pult ein überlebensgroßer Aufsteller der Drag Queen Lil Miss Hot Mess. Sie war in einem Online-Video zu sehen, das in Kooperation eines New Yorker Fernsehsenders mit dem städtischen Bildungsministerium entstand.
Die Drag Queen liest darin aus ihrem Kinderbuch vor, auf der landesweiten Website von PBS wurde es allerdings nie veröffentlicht. Es sind Ungereimtheiten wie diese, die zeigen, dass bei der Anhörung vor allem der Show-Effekt im Vordergrund stand. Denn grundsätzlich machen die Förderungen der Regierung nur einen kleinen Teil des Budgets von PBS und NPR aus.
Kleiner Teil des Budgets
Katherine Maher, CEO von NPR, schlüsselt die Finanzierung des Radiosenderverbands so auf: Der größte Teil stammt aus Mitgliedsbeiträgen der lokalen Radiostationen, direkten Spenden und Sponsorings. Von den 300 Millionen Dollar Jahresbudget von NPR stammen lediglich 11 Millionen Dollar aus der US-Staatskasse.
Diese werden vor allem für das Sender- und Satellitensystem, die Bereitstellung von Empfang auch in Notfallsituationen und zum Beispiel für die Ausrüstung von Reportern in Kriegsgebieten verwendet. Insgesamt beträgt das Budget für die gesamte Corporation for Public Broadcasting jährlich rund 500 Millionen US-Dollar, das ist weniger als 0,01 Prozent des US-Staatshaushalts. Zum Vergleich: Für das Militär werden in den USA jährlich fast 900 Milliarden Dollar ausgegeben.
Wenn man die Journalisten hinauswirft, hat man niemanden mehr, der Fakten überprüfen kann.
Dass die staatlichen Zuschüsse für öffentliche Medien tatsächlich gestrichen werden, glaubt Caitlin Vogus nicht. Senatoren und Kongressabgeordnete würden wissen, dass ihre Wähler die eigenen lokalen Sender gerne hören würden. Diesen die finanzielle Basis zu entziehen, wäre wohl eine sehr unpopuläre Maßnahme. Lokalen Journalisten werde außerdem von der breiten Bevölkerung weitaus mehr Vertrauen als landesweiten Medien entgegengebracht.
Vogus hofft, dass hier auch in der Bevölkerung ein Bewusstsein da ist: Gibt es diese Medien nicht mehr, schaut den lokalen Politikern niemand mehr auf die Finger. „Wenn man die Journalisten hinauswirft, hat man niemanden mehr, der Fakten überprüfen kann“, sagt Vogus. Was vor allem aktuell wichtig wäre, haben doch Politiker und Tech-Milliardäre heute alle Möglichkeiten, ihre Botschaften selbst nach außen zu tragen. „Und mächtige Menschen haben einen Anreiz zu lügen, wenn sie davon profitieren“, sagt Vogus.
Nicht still bleiben
„Angriffe auf Journalisten sind Angriffe auf die Öffentlichkeit“, ist sie überzeugt. Die USA seien stets stolz auf ihren ersten Verfassungszusatz gewesen, der die Presse- und Meinungsfreiheit festschreibt. Diese lang herrschende „Bastion der Pressefreiheit“ sei heute in Gefahr. Umso wichtiger sei es, die Öffentlichkeit über diese Verletzungen zu informieren und nicht still zu bleiben.
Im „US Press Freedom Tracker“ sammelt Vogus‘ Organisation alle Arten von Angriffen auf Journalisten. Gut sei die Lage aktuell nicht, sagt Vogus. Aber man müsse sich weiter wehren. Und alles dafür tun, die öffentliche Unterstützung zu behalten. „Denn das ist wirklich das Einzige, das hier im Weg steht.“
Diesen Artikel lesen Sie in der Printausgabe der FURCHE vom 10. April 2025.

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