Trump  - © Foto: APA / AFP / Jim Watson
International

USA: Trump geht, medialer Populismus bleibt

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Warum Donald Trumps Hass auf die Medien als „vierte Gewalt“ nachwirken wird. Und wie seine Unberechenbarkeit den Zerfall des Westens beschleunigt.

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Warum Donald Trumps Hass auf die Medien als „vierte Gewalt“ nachwirken wird. Und wie seine Unberechenbarkeit den Zerfall des Westens beschleunigt.

Trump ist fast schon fort. Seine Präsidentschaft wird in unserer auf die Jetzt-Zeit bezogenen Medienwelt wohl bald der Vergessenheit anheimfallen. Dagegen ist absehbar, dass der Trumpismus als besonders skurrile Variante von Populismus bleiben wird. Er wird wohl noch lange inner- und außerhalb der USA unseren Alltag beeinflussen.

Kein anderer Spitzenpolitiker in einer Demokratie dürfte vor Trump so „professionell“ und so unentwegt Unwahrheiten verbreitet haben. Es steht zu vermuten, dass dieser gefährliche Politclown im mächtigsten Amt der westlichen Welt längst Gefangener seiner eigenen Lügengespinste geworden ist. Soll heißen: Zumindest er selbst glaubt den Unfug, den er tagtäglich verbreitet.

Das Hauptproblem ist, dass er angesichts seiner fragwürdigen „Erfolgsbilanz“ Nachahmer gefunden hat und finden wird. Es ist ihm ja immerhin gelungen, ein paar Millionen mehr Wähler zu mobilisieren als 2016 – und Populisten in aller Welt, also nicht nur bei der FPÖ und bei der deutschen AfD, dürften sehr genau registriert haben, wie er das gemacht hat.

Besonders heftig ist der Kollateralschaden, den seine Präsidentschaft bei den Medien hinterlässt. Eigentlich sollten sie ja als „vierte Gewalt“ der Regierung auf die Finger sehen. Gleichwohl galt über ein Jahrhundert hinweg als herausragendes Markenzeichen des amerikanischen Qualitätsjournalismus, nicht nur zu berichten, was berichtenswert ist, sondern dabei auch Distanz zu wahren: All the news that’s fit to print war das Leitmotto der New York Times, als sie noch vornehmlich ein Printmedium war. Und das sollte bitteschön without fear or favor, also furchtlos und unparteiisch, geschehen, wie das bereits Adolph Ochs proklamierte, als er 1896 das Medienunternehmen kaufte, das sich immer noch zum überwiegenden Teil im Besitz seiner Familie befindet.

Lagerdenken in Medien

Der blanke Hass und der unentwegt wiederholte Vorwurf, Fake news zu verbreiten, mit dem Trump bis auf seinen Haussender Fox fast alle Medien verfolgte, wird weiter nachwirken. Insbesondere CNN, die New York Times und die Washington Post hat er damit attackiert und so einen ohnehin virulenten Prozess beschleunigt: Medien werden in einer sich spaltenden Gesellschaft vom Publikum immer mehr dazu gedrängt, selbst Partei zu ergreifen, sich dem einen oder dem anderen Lager zuzuschlagen. Auf der Strecke bleibt so immer öfter die abwägende, differenzierte Analyse.

Wenn indes der Trumpismus bleibt, dann hat das viel mit der Aufmerksamkeitsökonomie zu tun, in welche Nachrichtenmedien eingebettet sind und die auch die Berichterstattung über Covid-19 prägen: Sie leben von Hypes, von Übertreibung, Angstmache und eben leider auch zunehmend von einseitiger Berichterstattung. Trumps „alternative Fakten“, sprich: Lügen waren das perfekte Futter für Medien, die um hohe Klickzahlen konkurrieren. Wenn das Prinzip journalistischer „Ausgewogenheit“ bei unterschiedlichen Sichtweisen dazu verleitet, beiden Seiten gleiches Gewicht zu verleihen, statt die Wahrheit zumindest versuchsweise zu recherchieren, wird die Lüge obendrein geadelt.