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Religion

Geschichte der Verblendungen

1945 1960 1980 2000 2020

Falastin von Hubert Haddad

1945 1960 1980 2000 2020

Falastin von Hubert Haddad

Geschrieben in der sorge eines echten Aufklärers, selbst um jeden Rat verlegen.

Sie kommen einfach nicht zusammen. Juden und Araber leben in Israel auf engstem Raum miteinander, nein: gegeneinander. Der Nachbar ist der Feind, und der muss bekämpft werden. Die Vernunft hat ausgespielt in solch einer Atmosphäre. Wo einer vom anderen nichts weiß, wird die Fantasie zur Quelle für immer neue Gewalt.

Jüdische Soldaten sprengen Häuser und veranstalten Razzien. "Der Holocaust ist ein Täuschungsmanöver der westlichen Verräter, die unser Land an sich reißen", behauptet ein junger Araber. Wo man hinsieht, nur Verblendung, Eigennutz und Verrat. Juden unterdrücken Palästinenser mit militärischer Präsenz und Schikanen; Mauer, Stacheldraht, Check-Points sind das Symbol dafür. Palästinenser reagieren mit Terrorismus und Selbstmordanschlägen darauf.

Die Macht des Hasses

Zwei Welten, einander so nah, sind zur Unnahbarkeit verdammt. Keine Chance haben all jene auf beiden Seiten, die sich um einen Ausgleich bemühen. "Der Terrorismus ist für fast all unser Unglück verantwortlich", sagt einer der vernunftbegabten Araber, stößt aber auf taube Ohren bei jenen, die auf die Macht des Hasses setzen: "Ich war noch ein Kind, als ich mit ansehen musste, wie mein Vater von den Soldaten totgeprügelt wurde, die mit Gewalt ins Haus eingedrungen waren."

Der Schriftsteller Hubert Haddad, der als arabischer Jude in Frankreich lebt, sitzt selbst zwischen allen Stühlen. Es bedrückt ihn, was in Israel geschieht, doch er mag keiner Seite seine volle Solidarität aussprechen. Deshalb erzählt er in seinem Roman "Falastin" vom jungen israelischen Soldaten Cham, der im Westjordanland von Palästinensern entführt wird und nach einer schweren Verletzung seiner Erinnerung verlustig geht. Ihm wird die Identität eines Arabers verpasst. Er steht als Symbolfigur für die Widersinnigkeit des Konflikts. Austauschbar und zufällig sind die Identitäten, teilt uns der Autor damit mit. Es hängt nur vom jeweiligen Lebensumfeld ab, welcher Seite ich Gefolgschaft leiste. So einfach ist das und so schwer zu verstehen.

Zu lesen gibt es eine Geschichte der Missverständnisse. Haddad weiß keinen Ausweg aus der Misere, aber er stellt sie dar. Er macht das als einer, der seine Analyse in der Erzählung aufgehen lässt, und zeigt Menschen in ihrer Not. Alle leiden, und keiner tut etwas dagegen.

Falastin

Roman von Hubert Haddad

Aus dem Franz. von Katja Meintel

Edition Nautilus 2009. 159 S., geb., e 16,50

Geschrieben in der sorge eines echten Aufklärers, selbst um jeden Rat verlegen.

Sie kommen einfach nicht zusammen. Juden und Araber leben in Israel auf engstem Raum miteinander, nein: gegeneinander. Der Nachbar ist der Feind, und der muss bekämpft werden. Die Vernunft hat ausgespielt in solch einer Atmosphäre. Wo einer vom anderen nichts weiß, wird die Fantasie zur Quelle für immer neue Gewalt.

Jüdische Soldaten sprengen Häuser und veranstalten Razzien. "Der Holocaust ist ein Täuschungsmanöver der westlichen Verräter, die unser Land an sich reißen", behauptet ein junger Araber. Wo man hinsieht, nur Verblendung, Eigennutz und Verrat. Juden unterdrücken Palästinenser mit militärischer Präsenz und Schikanen; Mauer, Stacheldraht, Check-Points sind das Symbol dafür. Palästinenser reagieren mit Terrorismus und Selbstmordanschlägen darauf.

Die Macht des Hasses

Zwei Welten, einander so nah, sind zur Unnahbarkeit verdammt. Keine Chance haben all jene auf beiden Seiten, die sich um einen Ausgleich bemühen. "Der Terrorismus ist für fast all unser Unglück verantwortlich", sagt einer der vernunftbegabten Araber, stößt aber auf taube Ohren bei jenen, die auf die Macht des Hasses setzen: "Ich war noch ein Kind, als ich mit ansehen musste, wie mein Vater von den Soldaten totgeprügelt wurde, die mit Gewalt ins Haus eingedrungen waren."

Der Schriftsteller Hubert Haddad, der als arabischer Jude in Frankreich lebt, sitzt selbst zwischen allen Stühlen. Es bedrückt ihn, was in Israel geschieht, doch er mag keiner Seite seine volle Solidarität aussprechen. Deshalb erzählt er in seinem Roman "Falastin" vom jungen israelischen Soldaten Cham, der im Westjordanland von Palästinensern entführt wird und nach einer schweren Verletzung seiner Erinnerung verlustig geht. Ihm wird die Identität eines Arabers verpasst. Er steht als Symbolfigur für die Widersinnigkeit des Konflikts. Austauschbar und zufällig sind die Identitäten, teilt uns der Autor damit mit. Es hängt nur vom jeweiligen Lebensumfeld ab, welcher Seite ich Gefolgschaft leiste. So einfach ist das und so schwer zu verstehen.

Zu lesen gibt es eine Geschichte der Missverständnisse. Haddad weiß keinen Ausweg aus der Misere, aber er stellt sie dar. Er macht das als einer, der seine Analyse in der Erzählung aufgehen lässt, und zeigt Menschen in ihrer Not. Alle leiden, und keiner tut etwas dagegen.

Falastin

Roman von Hubert Haddad

Aus dem Franz. von Katja Meintel

Edition Nautilus 2009. 159 S., geb., e 16,50