long covid - Kranke Frau im Bett mit Augenmaske in einem verdunkelten Zimmer. Im Hintergrund ist ein Rollstuhl. - © Foto: Lea Aring
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Long Covid und ME/CFS: Wo bleibt die Hilfe?

Der Aktionsplan der Regierung für Long Covid, ME/CFS und andere postakute Infektionssyndrome (PAIS) verzögert sich. Gutachter Markus Gole spricht im Interview über Systemmängel, bittere Lektionen und „Best Practice“-Modelle.

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Chronische Krankheiten, ausgelöst durch eine Virusinfektion, gab es schon immer. Doch seit der Corona-Pandemie sind die „postakuten Infektionssyndrome“ (PAIS) in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Long Covid oder ME/CFS können dabei zu schwersten Beeinträchtigungen führen. Ende 2024 wurde vom damaligen Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) ein Aktionsplan präsentiert, um die Versorgung zu verbessern. Vom Gesundheitsstaatssekretariat der neuen Regierung hieß es zunächst, der Aktionsplan soll bis Jahresende beschlossen werden. Doch der Zeithorizont dürfte sich wohl auf Mitte 2026 verschieben. Das vermeldet ein Bericht der APA, der sich auf die mit der Umsetzung befasste Gesundheit Österreich GmbH bezieht. DIE FURCHE sprach aus diesem Anlass mit dem Linzer Psychologen und Gutachter Markus Gole.

DIE FURCHE: Von den Experten bis zu den Patientenvertretern gibt es breite Kritik an der Versorgungslage von Post-Covid- und ME/CFS-Patienten. Was läuft falsch?

Markus Gole: ME/CFS scheint in der Meinung der Verantwortungsträger und der Gesellschaft noch immer ein Randproblem zu sein. Dies deshalb, weil man viele Betroffene gar nicht sieht und kein inklusiver Umgang geschieht. ME/CFS-Patienten und -Patientinnen müssen sich ihre Energieressourcen genau einteilen und ihre Tätigkeiten auf das Wesentliche reduzieren. Das kann bei leicht Betroffenen z.B. eine Erwerbstätigkeit in Teilzeit sein und bei moderat Betroffenen die rudimentäre Erledigung des Haushalts. Bei schwer Betroffenen aber bereits das Zähneputzen! Schwerstbetroffene schließlich benötigen ihre Energie, um einfach nur „da sein“ zu können, sie liegen nur noch im reizabgeschirmten Bett.

DIE FURCHE: Beim PAIS-Aktionsplan gibt es noch offene Punkte: Diskutiert wird etwa der Umgang mit Biomarkern, Verlaufsformen und Symptomkomplexen. Laut Gesundheitsstaatssekretariat fehlt noch eine „gemeinsame Definition“ – und es gibt auch keine geprüfte Behandlung …

Gole: Lediglich eine symptomatische Therapie, die üblicherweise off-label (Anm.: ohne Zulassung des Medikaments) geschieht. Um solch eine Therapie zu bekommen, benötigen viele Betroffene Glück, da es nur sehr wenige Ärzte in Österreich gibt, die auf dieses Krankheitsbild spezialisiert sind. Und viele dieser Spezialistinnen sind heillos überlaufen.

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