Olga Bezsmertna als Desdemona im neuen „Otello“ - Olga Bezsmertna als Desdemona im neuen „Otello“ - © Foto: Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn
Musik

Biedere Lesart

1945 1960 1980 2000 2020

Szenisch wie musikalisch wenig überzeugend: der neue „Otello“ an der Wiener Staatsoper.

1945 1960 1980 2000 2020

Szenisch wie musikalisch wenig überzeugend: der neue „Otello“ an der Wiener Staatsoper.

Eine besondere Premiere war es auf jeden Fall. Um am selben Tag das längst traditionelle Schönbrunn-Konzert der Wiener Philharmoniker zu ermöglichen, wurde der Beginn des neuen „Otello“ im Haus am Ring in den Nachmittag verlegt, wie man es sonst aus Bayreuth gewohnt ist. Ob die Vorstellung glanzvoller ausgefallen wäre, hätte man sie, wie üblich, abends angesetzt? Unterschiedlich aufgenommen wurde schon der letzte, aus der Ära Holender stammende „Otello“, den Christine Mielitz in einem Boxring spielen ließ.

Eine besondere Premiere war es auf jeden Fall. Um am selben Tag das längst traditionelle Schönbrunn-Konzert der Wiener Philharmoniker zu ermöglichen, wurde der Beginn des neuen „Otello“ im Haus am Ring in den Nachmittag verlegt, wie man es sonst aus Bayreuth gewohnt ist. Ob die Vorstellung glanzvoller ausgefallen wäre, hätte man sie, wie üblich, abends angesetzt? Unterschiedlich aufgenommen wurde schon der letzte, aus der Ära Holender stammende „Otello“, den Christine Mielitz in einem Boxring spielen ließ.

Immerhin eine originelle Idee, selbst wenn man sie nicht teilen muss. Adrian Noble – über ein Jahrzehnt Leiter der Royal Shakespeare Company, am Haus am Ring zur Zeit mit konventionellen Regiearbeiten für Händels „Alcina“ und Humperdincks „Hänsel und Gretel“ vertreten – begnügt sich im Wesentlichen damit, diesen im Original im Zypern des fünfzehnten Jahrhunderts spielenden Verdi ins beginnende zwanzigste Jahrhundert, den Höhepunkt der Kolonialzeit, zu verlegen.

Damit soll das Thema Unterdrückung unter einer Fremdherrschaft für heutige Zuseher klarer werden. Tatsächlich wirkt seine biedere Lesart auf der Bühne der Wiener Staatsoper eher wie eine Kostümrevue, wie ein Rückblick auf die Mode des Ersten Weltkriegs. Sie lenkt damit mehr von der Absicht des Sujets ab, als dieses zu verdeutlichen. Dazu lässt Noble das Geschehen in einem Bühnenbild – zwei verschiebbare hochragende Wände mit wenigen Requisiten – ablaufen, in dem viele andere Opern ebenso gut denkbar wären. Von bedrohlich, wie Bühnenbildner Dirk Bird seine Bühnenidee verstanden wissen will, keine Spur. Eher, denkt man nur an das Schlussbild mit seinem von Kerzenketten umgarnten überdimensionalen Bett, eine Szenerie, die in einem mit Kitsch und Klamotte kokettierenden Ausstattungsfilm besser aufgehoben wäre. Auch musikalisch bleibt dieser neue Staatsopern-Verdi unter der damals mit Botha als Otello, Stoyanova als Desdemona und Struckmann als Jago prominent besetzten Vorgängerproduktion aus 2006. Kraftvoll und sicher, aber mit wenig schauspielerischem Charisma gab Alexsandrs Antonenko die Titelpartie.

Vladislav Sulimskys unterschiedlich durchschlagskräftigem Jago fehlte vielfach das seine Figur auszeichnende Dämonische, vor allem Fiese. Ungleich leuchtkräftiger präsentierte sich Jinxu Xiahou als Cassio. Schade, dass Olga Bezsmertna als Desdemona erst am Ende zu großer Form auflief. Nur selten vermochte Myung-Whun Chung mit seinem vor allem auf Lautstärke setzenden Dirigat Spannung, gar Dramatik zu erzeugen.

Oper

Otello

Staatsoper, 24., 27., 30. Juni