Digital In Arbeit

Premieren mit mehr oder weniger Glanz

1945 1960 1980 2000 2020

Italianità und tenorissimo: "Rigoletto" an der Wiener Staatsoper, "La Straniera" im Theater an Wien, "Viva la Mamma" in der Volksoper

1945 1960 1980 2000 2020

Italianità und tenorissimo: "Rigoletto" an der Wiener Staatsoper, "La Straniera" im Theater an Wien, "Viva la Mamma" in der Volksoper

Ein Meister der Outrage war der Tenor Rolando Villázon schon vor seinen Stimmproblemen. Und auch bei seinem Wiener Regie-Debüt an der Volksoper mit Donizettis den Theateralltag karikierendem wie persiflierendem Zweiakter "Viva la Mamma" frönte er dieser Leidenschaft. Begleitet von einer - allerdings bald ermüdenden - Pointenvielfalt, bringt er eine in der römischen Antike spielende Geschichte mit dem Ambiente von Star Wars zusammen. Entsprechend bunt Friedrich Despalmes', die Möglichkeiten der Drehbühne souverän nützende, Bühnenarchitektur. Als weiteren dazu passenden Gag lässt Susanne Hubrich die weiblichen Protagonisten im Dirndl auftreten. Selbstredend auch den sie alle überstrahlenden Martin Winkler als mitreißend-witzigen Drahtzieher Agata. Gut studiert präsentierten sich Chor und Orchester des Hauses am Währinger Gürtel unter Kristiina Poska, die hörbar mehr auf Präzision setzte, als die subtilen Feinheiten dieser so ironisch gefärbten Partitur mit Finesse herauszuarbeiten. Aber das kann noch werden.

Bellini: romantisch-skurrile Geschichte

"Zwei Primadonnen im Vergleich" wurde im Theater an der Wien mit dieser Doppelpremiere von Bellinis "La Straniera" - einer romantisch-skurrilen Geschichte um eine im Exil lebende Königin von Frankreich - avisiert. Zu sehen war die Produktion bereits in Zürich. Weder die übertriebene Personenzeichnung von Christof Loy noch das beliebige Bühnenbild von Annette Kurz trugen zur Erhellung der Story bei. Dazu kamen noch ein durchschnittliches Sängerensemble und der sich mehr als Koordinator denn differenzierter Gestalter verstehende Dirigent Paolo Arrivani am Pult des bloß routiniert musizierenden ORF-RSO Wien.

Wenigstens der Arnold Schoenberg Chor erwies sich als Fels in der Brandung. Zumal auch die Erstbesetzung der Alaide - die zu Recht als Königin des Belcanto geadelte Edita Gruberova, deretwegen diese Serie vor allem angesetzt worden war - wenigstens am Premierenabend spüren ließ, dass sie von ihrem jahrzehntelang verströmenden Glanz und ihrer sonst so raffiniert eingesetzten Virtuosität einiges eingebüßt hat. Weshalb sich in den Applaus auch Buhrufe mischten. Ungleich aufregender erwies sich die Zweitbesetzung, Marlis Peterson. Sie bewältigte ihre anspruchsvolle Aufgabe nicht nur darstellerisch prägnanter, sondern auch mit mehr Innigkeit, vor allem müheloserer Brillanz als ihre prominente Kollegin

Wenn Produktionen schief laufen, muss man nicht gleich den Verlust des Rufes eines ersten Hauses heraufbeschwören. Aber dass es nach Mussorgskys "Chowantschtschina" nun auch mit Verdis "Rigoletto" nicht so recht klappen wollte, sollte in der Staatsoper Anlass zu mehr als bloßem Nachdenken geben. Dass während der Premiere einer Neuproduktion der Hauptdarsteller einbricht, mag Pech sein. Freilich hätte man das Scheitern des Darstellers der Titelfigur, Simon Keenlyside, aus den Proben vorhersehen und rechtzeitig für entsprechenden Ersatz sorgen können. Der tapfer einspringende, kraftvolle Paolo Rumetz war das noch nicht. Auch Piotr Beczala enttäuschte als zu wenig strahlender Herzog. Erin Morley verfügt über eine zu kleine Stimme für die Gilda, Ryan Speedo Green mimte alles andere als einen dämonischen Sparafucile. Nur die Staatsopernchoristen und Elena Maximowas Maddalena erfüllten die Erwartungen, die man an ein führendes Opernhaus stellen muss. Zumal auch Szene und Musik dahinter blieben. Pierre Audi, weil er in seiner Regie (in der geschmacklosen Bühnenarchitektur Christof Hetzers) kaum Emotionen aufkommen ließ. Und der - für den ursprünglich vorgesehenen Franz Welser-Möst eingesprungene - vor allem auf Lautstärke setzende Dirigent Wyung-Whun Chung, weil er selten Spannung zu erzeugen wusste.

Rigoletto Wiener

Staatsoper: 17., 20., 23., 26., 30., Juni

La Straniera

Theater an der Wien: 22,24., 26., 28., Jänner

Viva la Mamma

Volksoper Wien: 22., 26. Jänner, 3., 5., 8. Februar

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau