oper - © Foto: © SF / Monika Rittershaus

Oper: Langersehnter Auftakt

1945 1960 1980 2000 2020

Die Pfingstfestspiele in Salzburg zeigten einen Oratorien-Händel im modischen Opernoutfit, die Staatsoper läutet ihren Monteverdi-Zyklus ein, die Volksoper beschwört den „Teufel auf Erden“.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Pfingstfestspiele in Salzburg zeigten einen Oratorien-Händel im modischen Opernoutfit, die Staatsoper läutet ihren Monteverdi-Zyklus ein, die Volksoper beschwört den „Teufel auf Erden“.

Nach und nach kehrt die monatelang ersehnte Normalität auch in der Kultur ein. Selbst wenn man auf volle Säle noch warten muss. Ob das schon im Sommer der Fall sein wird? In Salzburg ist man jedenfalls optimistisch, und Salzburg war auch der Schauplatz der ersten Musikfestspiele in diesem Jahr. Erneut ist es – übrigens noch bis 2026 – Cecilia Bartoli, die hier zu Pfingsten das Intendantenszepter schwingt. Diesmal hat sie ihrer Heimatstadt Rom eine mehrtägige Hommage ausgerichtet. Und welche Oper würde sich dafür besser eignen als Puccinis „Tosca“? Sie beschloss auch dieses Festival mit den Ensembles des Maggio Musicale Fioren­tino unter ihrem langjährigen Musikdirektor Zubin Mehta und Anna Netrebko in der ­Titelpartie.

Den Auftakt bildete nicht eine konzertante, sondern eine szenische ­Produktion: Händels erstes Oratorium: „Il trionfo del tempo e del disinganno“. Eine Parabel über die Vergänglichkeit der Schönheit, eine Aufforderung, der Oberflächlichkeit der Welt abzuschwören, sich der eigentlichen Werte des Lebens zu entsinnen. Aber auch ein Spiegel, den man einer Welt vorhalten kann, in der Schein und Glanz alles zu übertünchen scheinen. Aus diesem Blickwinkel hat Robert ­Carsen diesen Händel inszeniert: als Plädoyer gegen die heutige Scheinwelt der Reichen und Schönen.

Bunt und effektreich

Das wird gleich im Eingangsbild unmissverständlich deutlich, wenn, ganz nach dem Vorbild diverser Castingshows, „The World’s Next Topmodel“ gekürt wird. Mit der in einem knallroten Kostüm auftretenden Bartoli, die später in die Rolle der Piacere schlüpft, und dem in den Partien von Disinganno und Tempo auftretenden Lawrence Zazzo (ein exzellenter Counter) und dem als Priester verkleideten, markant artikulierenden Charles Workman als prominenter Jury. Eine sich auch in einer Disco vergnügende Tänzertruppe, bunte Lichteffekte, effektvoll gezeichnete Debatten zwischen den Protagonisten sind weitere Atouts dieser Produktion, in der wiederholt der Zuschauerraum im Bühnenbild gespiegelt wird.

Die von der Bartoli hinreißend präsentierte Arie „Lascia la spina, cogli la rosa“ („Lass die Dornen, pflücke die Rose“) bildete den musikalischen Höhepunkt des Premierenabends. Mehr Präzision und differenziertes Spiel hätte man sich von Les Musiciens du Prince-Monaco unter ­Gianluca Capuanos etwas hektischem Dirigat erwartet. Die nach ihrer Modelkür als Bellezza agierende Mélissa Petit vermochte erst im späteren Teil des Abends, wo sie auch schauspielerisch selbstbewusster auftrat, zu überzeugen, vor allem im bewegend gestalteten Finale. Im Sommer wird dieser Oratorien-Händel im modischen Opernoutfit noch fünfmal zu sehen sein.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau