Das Verratene Meer - © Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Primadonnenglanz und Lynchjustiz

1945 1960 1980 2000 2020

Im dramatisch eingeschränkten Kulturbetrieb sorgt die Wiener Staatsoper für einen Hauch von Normalität: Sie präsentierte das Wiener „Tosca“-Debüt von Anna Netrebko und reüssierte mit einem für Österreich neuen Henze: beides ohne Zuschauer.

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Im dramatisch eingeschränkten Kulturbetrieb sorgt die Wiener Staatsoper für einen Hauch von Normalität: Sie präsentierte das Wiener „Tosca“-Debüt von Anna Netrebko und reüssierte mit einem für Österreich neuen Henze: beides ohne Zuschauer.

Kunst und Kultur zählen zu den Hauptleidtragenden der gegenwärtigen Krise. Selbst wenn die Öffnung von Bibliotheken und Museen mittlerweile möglich ist, was anderswo – man muss es fairerweise betonen – nicht einmal angedacht wird. Auch Proben sind erlaubt, ebenso Übertragungen von Konzerten aus einem leeren Saal. Wie etwa jüngst von gleich zwei philharmonischen Abonnementkonzerten aus dem Wiener Musikverein. So konnte man wenigstens im Radio live Bruckners „Dritte“ – damit einen weiteren Baustein des für das Bruckner­-Jahr 2024 in Aussicht genommenen Bruckner­-Symphonien­-Zyklus unter Christian Thielemann – ebenso miterleben wie ein souverän disponiertes Anton Webern/Richard Strauss­-Programm unter Zubin Mehta.

Auch das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker – diesmal unter Riccardo Muti – wird über die Bühne gehen. Gewohnt weltweit in verschiedenen Medien live oder zeitversetzt gesendet, aber ebenfalls ohne Publikum: eine Novität, die hoffentlich Einzelfall bleibt. Vor Zuschauern und Zuhörern aufzutreten, inspiriert Künstler allemal mehr als eine noch so prunkvolle Studioatmosphäre, wie sie der „Goldene Saal“ bietet.

Optimismus bei Salzburger Festspielen

Werden Theater, notfalls mit weniger Zuschauern als möglich wären, ab dem 7. Jänner wieder öffnen dürfen? Jüngste Äußerungen dafür verantwortlicher Politiker lassen an dieses Datum nicht allzu große Erwartungen knüpfen. Die seit Geraumem wiederholt genannte Perspektive, dass erst ab der kommenden Saison wieder jenes Kulturleben aufleben wird, wie es vor Corona selbstverständlich war, erscheint damit immer realistischer. Aber vielleicht erfüllt sich der Optimismus, dass sich schon früher einiges zum Besseren ändern könnte, Veranstaltungen in vollen Sälen wieder zur Selbstverständlichkeit werden?

Die Salzburger Festspiele gehen davon aus. Erst kürzlich haben sie für kommenden Sommer nicht weniger als 168 Aufführungen angekündigt. Darunter mit Mozarts „Don Giovanni“ (unter Teodor Currentzis) und Nonos „Intolleranza“ (unter Ingo Metzmacher) zwei aufwändige Musiktheaterproduktionen. Hätte die Pandemie nicht zugeschlagen, wäre beides bereits heuer realisiert worden. Auch die schon für letzten Sommer geplante Übernahme einer früheren Produktion der Salzburger Osterfestspiele ziert das kommende Salzburg­Angebot: Puccinis „Tosca“ mit Anna Netrebko. Wie effektvoll und stil sicher sie diese Rolle gestaltet, konnte man bereits dieser Tage miterleben: bei einer live gestreamten „Tosca“­Vorstellung aus der Wiener Staatsoper, womit sie auch gleich ihr Wien­Debüt in dieser Partie gab.

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