Schoenberg in Hollywood - © Foto: Barbara Pálffy / Volksoper Wien

"Lohengrin" und "Schoenberg in Hollywood": Verquere und pointierte Perspektiven

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Die Salzburger Osterfestspiele scheiterten an „Lohengrin“, die Wiener Volksoper präsentierte im Kasino am Schwarzenbergplatz eine europäische Erstaufführung.

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Die Salzburger Osterfestspiele scheiterten an „Lohengrin“, die Wiener Volksoper präsentierte im Kasino am Schwarzenbergplatz eine europäische Erstaufführung.

Zehn Jahre Christian Thielemann und Staatskapelle Dresden sind genug. Das befand man bei den Osterfestspielen in Salzburg. Nicht direkt, aber indirekt, denn zum Nachfolger von Peter Ruzicka als Intendanten kürte man Klaus Bachler, obwohl allen bewusst war, dass er und der bisherige künstlerische Leiter, Christian Thielemann, nicht miteinander können. So sah sich dieser gezwungen, seinen Rückzug anzutreten. Zumal Bachler auch ­unmissverständlich deutlich machte, künftig Jahr für Jahr mit einem anderen Orchester und dessen ­Chefdirigent sein Opern- und Konzertprogramm realisieren zu wollen. Für 2023 fiel seine Wahl auf das Gewandhausorchester Leipzig unter ­Andris Nelsons und jene „Tannhäuser“-Produktion, die bereits an seiner früheren Wirkungsstätte, der Bayerischen Staatsoper München, zu sehen war und auf wenig positive Resonanz stieß.

Auf eine Koproduktion setzte man schon diese Ostern, denn der neue „Lohengrin“ wird ab der kommenden Spielzeit von der Wiener Staatsoper übernommen. Schließlich zeichnet dessen Chefdramaturg, Sergio Morabito, mit seinem langjährigen Regiepartner Jossi Wieler für diese neue Inszenierung verantwortlich. Ob man diese Arbeit unverändert vom Salzburger Großen Festspielhaus, wo die Regie heftig ausgebuht wurde, ins Wiener Haus am Ring übernehmen wird?

Von einem ausgereiften Konzept kann man nicht sprechen, eher von einem Assoziationsmosaik, das mannigfach subjektive Interpretationen ermöglicht. Etwa in welcher Zeit das Regieteam diesen Wagner angesiedelt hat. Die Kostüme lassen Antworten vom späten Deutschen Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in die Gegenwart zu. Und Lohengrin? Ist er, wie man sein Äußeres deuten könnte, eine Jonathan-Meese-­Karikatur, vielleicht ein Paradies­vogel aus der Hippie-Szene?

Nach den Äußerungen des szenischen Leading-Teams im Programmheft ist er ohnedies nicht die Hauptfigur in diesem Wagner. Vielmehr handle es sich bei „Lohengrin“ um einen Thriller mit Elsa als Hauptprotagonistin, die offensichtlich schuld ist am Mord an ihrem jüngeren Bruder Gottfried. In welcher konkreten Rolle, bleibt, wie vieles andere, offen. Am Ende fischt sie ihn als Wasserleiche aus dem Burggraben.

Oder ist es gar kein Burg­ambiente, das Anna Viebrock mit ihrem Bühnenbild suggerieren will? Jedenfalls sind die Ähnlichkeiten dieser mit zahlreichen Absperrungen, zuweilen schrillen Bettsituationen garnierten Bühnenarchitektur mit der Umgebung einer Wiener Stadtbahn­station frappant.

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