Die tote Stadt - © Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper: Das Glück, das verblieb

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Korngolds „Die tote Stadt“, Brittens „Peter Grimes“ und „Manon Lescaut“: Die Wiener Staatsoper präsentierte zuletzt drei heftig akklamierte Wiederaufnahmen.

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Korngolds „Die tote Stadt“, Brittens „Peter Grimes“ und „Manon Lescaut“: Die Wiener Staatsoper präsentierte zuletzt drei heftig akklamierte Wiederaufnahmen.

Ist Mariettas Lied „Glück, das mir verblieb“, wie der legendäre Opernführer Marcel Prawy zeitlebens nie müde wurde zu betonen, tatsächlich der letzte große Schlager der Operngeschichte? Jedenfalls ist es eine der effektvollsten Melodien, und sie ist wieder am Haus am Ring zu hören. In jener Inszenierung von Willy Decker, die zuerst bei den Salzburger Festspielen zu sehen war, wenig später an die Wiener Staatsoper transferiert wurde. Damals, 2004, brillierte Angela Denoke als Marietta. Diesmal feierte die stimmlich exzellente, mit Sinnlichkeit allerdings sparsam umgehende ­Vida Mikneviciute ein gelungenes ­Rollendebüt. Überstrahlt vom metallischen Paul von Klaus Florian Vogt an der Spitze eines homogenen Ensembles mit dem gewohnt exemplarisch klar artikulierenden, zwischen den Figuren von Frank und Fritz mit Elegance changierenden Adrian Eröd.

Ein Hausdebüt gab es am Pult: mit dem als Generalmusikdirektor der Frankfurter Oper designierten, erst 29-jährigen Thomas Guggeis, zurzeit auf dem eigens für ihn geschaffenen Posten eines Staatskapellmeisters der Berliner „Linden-Oper“. Hierzulande kennt man ihn von seinem „Peter Grimes“-Dirigat am Theater an der Wien. Mit der Souveränität, mit der er schon bei diesem Britten agierte, wartete er nun auch in der Korngold-Oper auf. Selbst wenn er erst nach der Pause dessen melodische Linien mit mehr emotionalem Nachdruck herausarbeitete. Im März kommt er erneut an die Staatsoper. Dann mit „Salome“, womit er in Berlin seine Karriere gestartet hat.

Apropos „Peter Grimes“: Auch diese ursprünglich aus 1996 stammende Produktion wurde wiederaufgenommen. In jener Inszenierung von Christine Mielitz, deren Darstellung der Massenszenen man seinerzeit zuweilen DDR-Charme vorwarf, worüber heute nicht mehr ansatzweise diskutiert wird. Kein Einzelfall, dass sich Gewichtung und Bedeutung einer Inszenierung nicht schon beim ersten Mal vollständig erschließen. Auch sie, wie man sich bei diesem Wiedersehen vergewissern konnte, ist gleich der Korngold-Inszenierung von Willy Decker einer der großen Regie-Würfe der letzten Jahrzehnte. Mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle, dem mit mindestens ebensolcher gestalterischer Markanz aufwartenden Bryn Terfel als Balstrode, vor allem der mit ihrem kraftvollen Volumen prunkenden Lise Davidsen war zudem eine hervorragende Besetzung engagiert.

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