Iran-Krieg
DISKURS
Österreichs vergessene Iran-Offensive
Bunkerbrechende Bomben dominieren die Nachrichten über den Iran; die Kriegsdepeschen suggerieren, dass die Angriffe auf iranische Atomanlagen die letzte Drehung einer unvermeidlichen Eskalationsspirale sind. Dass es auch einmal eine Gegendrehung gab, zeigt der Blick zurück, als um die Jahrtausendwende ein diplomatischer Eisbrecher von Wien aus in Richtung Teheran startete.
Innen- und Außenwahrnehmung mögen bei Österreichs gern gepflegtem Selbstverständnis als Nahost-Versteher nicht immer deckungsgleich sein – für die Iran-Reise von Bundespräsident Thomas Klestil im September 1999 war die Bewertung „historisch“ aber zutreffend.
Klestil als erstes EU-Staatsoberhaupt im Iran
Klestils Besuch war die erste Visite eines EU-Staatsoberhauptes im Iran seit der Islamischen Revolution 1979. Klestil war eine Art europäische Vorhut; mit der Wahl von Mohammad Khatami zum iranischen Staatspräsidenten 1997 begann sich das Land außenpolitisch zu öffnen; in einem CNN- Interview (ein Tabubruch!) sprach sich Khatami für einen „Dialog der Kulturen“ aus – als Gegenkonzept zum Titel des Buchs von Samuel Huntington: „Kampf der Kulturen“. Präsident Bill Clinton lockerte die US-Sanktionen gegen den Iran, die EU wollte nicht ins Hintertreffen geraten, da kam Klestils Iran-Mission gerade recht.
Die Wirtschaftsdelegation mit Vertretern von 80 Firmen in der Entourage des Bundespräsidenten zeigte, dass von dieser ersten Annäherung an mit erheblichen Synergieeffekten zwischen Diplomatie und Ökonomie gerechnet wurde. Am „Vorrang von Wirtschaftsinteressen gegenüber Menschenrechten“ rieb sich auch die gegen Klestils Reisediplomatie gerichtete Kritik in Österreich. Dass ein iranisches Gericht kurz vor Klestils Empfang in Teheran die Todesstrafe gegen die Anführer friedlicher Studentenproteste verhängte, heizte die Diskussion um das Für und Wider des Besuchs weiter an.
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