Benjamin Netanjahu Israel.png - Porträtfoto: Benjamin Netanjahu in Anzug vor blauem Hintergrund mit weißer Aufschrift - © APA/AFP/POOL/Leo Correa

Israel und Iran im Krieg: Der große Moment des Benjamin Netanjahu

Was hat Israels Premier Netanjahu zu seinem folgenschweren „Präventivschlag“ gegen den Iran bewogen? Eine Analyse.

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Egal, wie man zu ihm stehen mag. Diese Tage sind der große, historische Moment des Benjamin Netanjahu. Darauf hat Israels Ministerpräsident sein gesamtes politisches Leben zugesteuert. Seit Jahrzehnten warnt er vor der atomaren Bedrohung durch Israels Erzfeind Iran, dessen Ziel es ist, den Judenstaat auszulöschen. Einer der bekanntesten Auftritte war bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen am 27. September 2012, als er die Zeichnung einer iranischen Atombombe in die Kameras hielt. Schon damals war es Netanjahus tiefe Überzeugung, dass man militärisch gegen die atomaren Ambitionen der Mullahs vorgehen muss. Aber die US-Regierung von Präsident Barack Obama – ohnehin kein Freund von Netanjahu – setzte auf Diplomatie. Auch in Israel warnten ihn Militärs und Koalitionspartner vor einem offenen Krieg mit dem Iran.

Trumps Aufkündigung

Am 30. April 2018 war in Washington Netanjahus politischer best buddy Donald Trump an der Macht. Und Netanjahu hatte einen weiteren großen Auftritt. Er präsentierte im israelischen TV das angeblich geheime Atomarchiv des Iran. Um zu beweisen, dass das Mullah-Regime sich nicht an die Abmachungen des drei Jahre zuvor in Wien ausgehandelten internationalen Atomabkommens halte und weiterhin heimlich ein Nuklearwaffenprogramm verfolge. Trump kündigte das Abkommen auf. Die US-Regierung unter Joe Biden versuchte vergeblich, die Verhandlungen aufleben zu lassen. Als Trump wieder an die Macht kam, setzte Netanjahu alles daran, ihn davon zu überzeugen, gemeinsam gegen die iranischen Atom­anlagen vorzugehen. Laut israelischem Geheimdienst stand Teheran kurz davor, mit waffenfähig angereichertem Uran mindestens 15 Atombomben zu bauen. Außerdem hat Iran in der gesamten Region Stellvertreterorganisationen militärisch ausgestattet und gegen Israel in Stellung gebracht. Dazu gehören die Hamas in Gaza genauso wie die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen. Aber Trump wollte lieber mit Iran verhandeln. Vergangenen Sonntag sollte es dazu ein Treffen in Oman geben. Zwei Tage vorher ließ Netanjahu sein Militär in einem „Präventivschlag“ gegen Iran Tatsachen schaffen.

Israels Schwäche tilgen

Warum entschloss er sich jetzt, seinen seit Jahren verfolgten Plan umzusetzen? Noch dazu im Alleingang, ohne Trump? Die US-Regierung wurde lediglich kurz zuvor informiert. Wie so vieles derzeit in Nahost hängt wohl auch diese Entscheidung mit dem Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 zusammen. Dass dieses Massaker durch das Versagen von Israels Geheimdiensten und Militär möglich wurde, war Netanjahus größte politische Niederlage. In der Folge begann der bis heute andauernde Gazakrieg mit seinen katastrophalen humanitären Auswirkungen für die Palästinenser. Auch in Israel sind Zehntausende traumatisiert, deren Angehörige ermordet oder als Geiseln nach Gaza verschleppt worden. Genauso wie diejenigen, die im Gaza­krieg kämpfen oder deren Liebsten gefallen sind. Aber Netanjahu setzte alles daran, die Zeichen von Israels Schwäche so weit wie möglich zu tilgen. Die Hamas ist entscheidend geschwächt. Gleichzeitig hat Israel die Hisbollah im Libanon durch zahlreiche Luftschläge und gezielte Tötungen vorerst so gut wie ausgeschaltet. Dazu ist mit dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien ein weiterer wichtiger Verbündeter des Iran weggefallen. Militär­strategisch dürfte die deutliche Schwächung des Iran einer der wichtigsten Gründe für den israelischen Befehl zum ­Angriff gewesen sein.

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