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Reagan hart: Luftspione für Saudis

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Israels Ministerpräsident Menachem Begin versuchte in Washington vergeblich, US-Präsident Ronald Reagan umzustim-nnen: Es bleibt bei der Lieferung hochmoderner Aufklärungsflugzeuge an Saudi-Arabien …

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Israels Ministerpräsident Menachem Begin versuchte in Washington vergeblich, US-Präsident Ronald Reagan umzustim-nnen: Es bleibt bei der Lieferung hochmoderner Aufklärungsflugzeuge an Saudi-Arabien …

sich nicht geändert. Von einer „Mäßigung" kann keine Rede sein.

Ungeachtet dessen hat die österreichische Regierung ihre Politik gegenüber der PLO nicht revidiert - wohl in der Uberzeugung, daß diese Politik Österreich in der arabischen Welt politische und wirtschaftliche Vorteile gebracht hat. Für Israel ist die PLO weiterhin, als was sie sich gemäß ihrer Charta und ihrem tatsächlichen Verhalten ausgibt: ein Feind Israels, der die Vernichtung des Staates und des Volkes von Israel unnachgiebig verfolgt.

Deshalb betrachten wir den Angriff auf die Synagoge in Wien als eine konsequente Aktion der PLO-Politik und eine direkte Folge des PLO-Beschlusses vom 14. August 1981 in Beirut, mit Terrororganisationen in Europa Kontakt aufzunehmen, um die Terroraktivitäten gegen jüdische Gemeinden, die Israel moralisch und materiell unterstützen, zu intensivieren.

FURCHE; Hat Israel emsthaft Absicht und Hoffnung auf ein Vorantreiben der Gespräche mit Ägypten über eine Selbstverwaltung für die arabischen Palästinenser?

BEN-YAACOV: Die Kontakte zwischen Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat in Alexandrien haben zu einer Verbesserung der Atmosphäre und zu einer Vertiefung des Normalisierungsprozesses geführt. Es wurde uns auch versichert, daß die letzten innenpolitischen Ereignisse in Ägypten den Normalisierungsprozeß in keiner Weise beeinträchtigen werden.

FURCHE: Was hält Israel vom jüngsten Plan Saridi-Arabiens für eine Lösung der Nahostfrage?

BEN-YAACOV: Die saudi-ara-bische Regierung hat ihren sogenannten Plan (im Grunde nichts Neues, sondern die Wiederholung bekannter Thesen) zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, der ihrem Anliegen dienlich sein sollte, massive militärische Anschaffungen in den USA zu tätigen. Die Qualität der saudi-arabischen Vorschläge läßt sich, was uns betrifft, schon allein daraus beurteilen, daß die PLO sie als erste begrüßte.

FURCHE; Aber in britischen Regiemngskreisen wurde der Plan als „positiv", in westdeutschen als „interessant", in französischen als „sehr wichtig", vom US-Nachrichtenmägazin „Time" als „kühn" bewertet. Woher diese Vokabel?

BEN-YAACOV: Diese Vokabel entspringen einer opportunistischen Motivation, bedingt durch die Tatsache, daß Westeuropa noch mehr als die USA einen hohen Prozentsatz seines Erdöls aus Saudi-Arabien bezieht und sich deshalb veranlaßt sieht, die sau-di-arabische Regierung mit Komplimenten zü bedienen. Ich möchte aber gleichzeitig betonen, daß man gewisse Elemente der Saudi-Ideen auch unsererseits nicht unbeachtet läßt.

FURCHE: Welche zum Beispiel?

BEN-YAACOV: Daß darin der Existenz des Staates Israel in gewisser Weise Rechnung getragen -wird. Aber in der Grundannahme unterscheiden sich diese Ideen nicht von jenen, die von der PLO vorgetragen werden.

Mit dem Botschafter Israels in Osterreich sprach Hubert Feichtlbauer.

Ronald Reagans Entscheidung, modernes militärisches Gerät im Wert von 8,5 Milliarden Dollar an Saudi-Arabien zu verkaufen, bedroht den Präsidenten mit seiner ersten außenpolitischen Entscheidungsschlacht im Kongreß.

Dieser Kampf konzentriert sich auf die Einbeziehung von fünf Aufklärungsflugzeugen, kurz AWACS genannt (Airborne Warning and Control System, zu deutsch: fliegendes Warn- und Kontrollsystem).

Ungeachtet dieser Schwierigkeiten will Reagan dieses Geschäft durchziehen, zu dem auch acht Tankflugzeuge zum Auftanken in der Luft, Luft-Luft-Raketen vom Typ „Sidewinder" und Extratanks zur Verlängerung der Reichweite der bereits früher von den USA gelieferten 62 Kampfbomber vom Typ F 15 gehören.

AWACS ist eine vierstrahlige, modifizierte Boing 707 und sieht einer Passagiermaschine mit Ausnahme der neun Meter hohen rotierenden Radarkuppel über dem Hinterteil des Flugzeugs sehr ähnlich.

Bestückt mit vier Tonnen Radargeräten, einem Hochlei-stungs-Digitalcomputer und modernstem Kommunikationsgerät, kann eine AWACS-Maschine gleichzeitig 400 Flugzeuge verfolgen und präzise Gegenangriffe gegen feindliche Flugzeuge dirigieren.

Die wertvollste Eigenschaft von AWACS ist die Fähigkeit seines Radars, auf weite Gelände im Bereich „hinunterzuschauen" und den Anflug niedrig operierender Flugzeuge in einem Frühstadium zu entdecken, während Bodenradar von solchen Flugzeugen umgangen werden kann.

Aus 9.000 Meter Höhe kann AWACS feindliches Territorium nach allen Richtungen hin beobachten sowie tieffliegende Flugzeuge mit 320 km/h und hochfliegende Angreifer bis zu einer Höhe von 580 km ausmachen.

Sobald feindliche Kriegsflugzeuge entdeckt sind, wird eine AWACS-Maschine zum fliegenden Kommandoposten für taktische Kriegsführung. Ihre Dopp-ler-Radar- und Computeranlagen verschaffen sofortige Daten über Geschwindigkeit und Kursrichtung aller Flugzeuge am Himmel. Störungssichere Sprechanlagen ermöglichen es dem Kommandanten, die Luftgefechte zu dirigieren.

AWACS hat auch noch andere Vorteile. Mit einer Mannschaft von 17 Piloten und Technikern kann die Maschine Tag und Nacht in allen Wettersituationen eingesetzt werden. Sie kann elf Stunden mit einer Tankfüllung in der Luft bleiben und zweimal solange bei Nachtanken in der Luft.

Trotz aller dieser Raffinessen hat AWACS auch Grenzen. Zum Beispiel kann sein Radar entgegen israelischen Befürchtungen

Bewegungen auf der Erde, etwa Panzer- oder Truppenkonzentrationen, nicht aufdecken.

Trotzdem befürchten Israels Militärplaner, daß die Aufklärungsflugzeuge in den. Händen der Saudis israelische Überraschungsmomente ausschalten würden - eine Taktik, die die israelische Luftwaffe in der Vergangenheit mit atemberaubenden Erfolg anzuwenden pflegte.

Saudi-Arabien wieder argumentiert seinerseits mit Nachdruck, daß seine kleine Luftwaffe ein weites Gebiet zu verteidigen und Überraschungsangriffen auf seine ölfelder zu begegnen habe. Die Saudis lassen auch keinen Zweifel darüber, daß sie diese Lieferung als einen Testfall der Entschlossenheit der USA ansehen, den Persischen Golf zu verteidigen.

Die US-Offiziellen bleiben dabei, daß AWACS-Maschinen nur eine minimale Gefahr für Israel darstellen, gewisse supermoderne Raffinessen der US-Version nicht enthalten und weit vom israelischen Luftraum entfernt operieren würden.

Amerikanisches Personal an Bord würde ein verdächtiges Verhalten der Saudis rasch entdek-ken. Auf jeden Fall, so wird von Seiten der USA offiziell argumentiert, würde Israels Luftüberlegenheit überwältigend bleiben.

Copyright FURCHE/US News & WRep

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