Apostelin Junia - © llustraiton: Rainer Messerklinger (unter Verwendung eines Bildes von Wikipedia)
Religion

Eine Frau als Apostelin: Junia

1945 1960 1980 2000 2020

Noch in der Lutherbibel 1984 wie der Einheitsübersetzung 1976 ist vom „Apostel Junias“ die Rede, obwohl es sich um „Junia“, eine Frau, handelt. Das wurde nun endlich revidiert.

1945 1960 1980 2000 2020

Noch in der Lutherbibel 1984 wie der Einheitsübersetzung 1976 ist vom „Apostel Junias“ die Rede, obwohl es sich um „Junia“, eine Frau, handelt. Das wurde nun endlich revidiert.

Selten, aber doch kann sich offensichtlich die wissenschaftliche Fachdiskussion bei einem so festgefahrenen Thema wie der Stellung der Frau in der Bibel einmal durchsetzen. Völlig unbemerkt hat geradezu eine Revolution in einem Vers des Römerbriefs stattgefunden. Paulus sendet im Rahmen der abschließenden Worte auch folgende Grüße an zwei Personen in der Gemeinde (Röm 16,7, Übersetzung Lutherbibel 1984): „Grüßt Andronikus und Junias, meine Stammverwandten und Mitgefangenen, die berühmt sind unter den Aposteln und schon vor mir in Christus gewesen sind.“

Zum Zeitpunkt der Durchführung dieser Bibelrevision gab es bereits evangelische Pfarrerinnen – auch in der evangelischen Kirche in Österreich. Trotzdem bemühte man sich, die ganze Problematik dieses Verses in einer kleinen Anmerkung abzuhandeln, eine Apostelin war wohl zu anstößig. „Wahrscheinlich lautete der Name ursprünglich (weiblich) Junia. In der alten Kirche und noch bis ins 13. Jahrhundert wurde er als Frauenname verstanden.“

Verdrängung von Frauen

Dass Junia überhaupt als Mann verstanden wurde, hat mit der Verdrängung von Frauen aus dem kirchlichen Dienst zu tun. Im Griechischen gibt es den Männernamen Junias letztlich nicht. Gut belegt ist dagegen der Frauenname Junia. Das Problem ist, dass es sich beim Griechischen um eine flektierende Sprache handelt, die Endung des Hauptwortes ändert sich je nach der Funktion innerhalb des Satzes. Im Falle der Junia im Römerbrief ist diese Frau nun nicht handelnde Person, sondern vielmehr Objekt des Satzes. Sie soll gegrüßt werden. Die im Griechischen verwendete Wortendung (Junian) führt dazu, dass sowohl die – sonst nicht weiter bezeugte – männliche Namensform rekonstruiert werden kann als auch eben der gut bezeugte Frauenname.

Auch neuere Spezialwörterbücher des Neuen Testaments argumentieren nach dem Prinzip: Was nicht sein kann, darf nicht sein. Da wird dann fröhlich behauptet, dass keine Frau von Paulus als „Apostelin“ bezeichnet worden wäre. Um derartige Fragen gar nicht erst aufkommen zu lassen, gehen dann lateinische Handschriften sehr beherzt mit dem Text um. Da wird aus der Frau Junia ein eindeutiger Julius. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist schlicht unverständlich, warum man hier eine Frau zum Mann gemacht hat. Kirchenpolitisch war später unerwünscht, was für den Apostel Paulus noch verständlich war: eine Apostelin. Ähnlich sinnvoll wäre es, aus Frauennamen wie Rebekka oder Eva Männernamen zu konstruieren. Ein „Rebekkas“ ist ebenso absurd wie ein „Evas“. Ein ebenso absurder „Junias“ war hingegen lange das „einzig mögliche“ Verständnis, weil eine Frau ja gar keine Apostelin sein kann.