Rechtzeitige Familienplanung

Warum keine Kinder? Weil es mich extrem stressen würde, wenn ein Teil von mir dauerbeschäftigt wäre“, schreibt eine 41-jährige Marketingleiterin. „Die Gefühle über die eigene Kinderlosigkeit ändern sich von Monat zu Monat, in denen man sich damit befasst, aber im Grunde ist es der schlimmste Schmerz“, sagt wiederum eine 40-jährige Abteilungsleiterin. Beide Zitate sollen deutlich machen, wie es dazu kommen kann, dass eine Frau kinderlos ist oder bleibt, und sie leiten das Buch von Wilfried Feichtinger und der Journalistin Eva Stanzl ein: „Die Unfruchtbarkeitsfalle. Wie es dazu kommen kann, dass man den Zug verpasst.“ Feichtinger ist einer der führenden Reproduktionsmediziner des Landes und jener Arzt, dem 1981 die erste erfolgreiche IVF-Behandlung Österreichs gelang.

Umso überraschender ist, dass gerade aus dessen Feder das Plädoyer kommt: Paare sollten früher über Familienplanung nachdenken, denn selbst die High-Tech-Medizin kann bei älteren Frauen keine Wunder mehr wirken. Das Buch informiert sachlich über die Fruchtbarkeitsgrenzen der Frau, aber auch des Mannes, und die verschiedenen Möglichkeiten, welche die Fortpflanzungsmedizin bietet oder bieten könnte, wenn es die Gesetze erlaubten. Ethische Fragen, die hinter diesen Verboten stehen, werden angesprochen. Ein informatives Buch, vor allem für jene Anfang 30, die das Thema Nachwuchs vor sich herschieben. (bog)

Im Dialog mit dem Embryo

Sie war zunächst Kritikerin der Reproduktionsmedizin: die Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin Ute Auhagen-Stephanos. Doch, wie sie selbst in ihrem Buch „Damit mein Baby bleibt“ schreibt, habe sie dazugelernt, dass für manche Paare die Medizin die letzte Chance ist, ein eigenes Kind zu bekommen. Doch sie knüpft eine Botschaft daran: „Dennoch bin ich entschieden der Meinung, dass es nicht allein bei der Technik bleiben darf: Sie muss seelisch begleitet und ergänzt werden!“ Frauen, deren Kind quasi ohne Lust und liebender Umarmung außerhalb des weiblichen Körpers in einer Petrischale gezeugt werden, würden oft unter dieser körperlichen Trennung vom „Kind“ und ihrer eigenen Passivität während der belastenden Behandlung leiden.

Die Autorin entwickelte daher den sogenannten „Mutter-Embryo-Dialog“: die Frau wird angeleitet, mit ihrem oft als defekt erlebten Körper und dem transferierten Embryo in eine gedankliche Kommunikation zu treten. Auhagen-Stephanos erklärt diese Methode an zahlreichen Beispielen aus ihrer Praxis. Laut Autorin ermöglicht dieses „Zwiegespräch“ einen Beziehungsaufbau und einen Abbau von Spannungen oder (alten ungelösten) Konflikten, die die Frauen und Paare belasten und nicht selten einer Schwangerschaft im Weg stehen.

Das überzeugende Buch bietet eine Art Ritual für jene Paare, die sich einer „künstlichen Befruchtung“ unterziehen müssen. (bog)

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau