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Leihmutterschaft

Leihmutterschaft Ukraine - © Foto: APA /AFP /Sergei Supinsky
Gesellschaft

Leihmutterschaft: Die anderen Kinder der Krise

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In der Ukraine warten zahllose Babys von Leihmüttern auf ihre "Wunscheltern": Einmal mehr offenbart Corona gesellschaftliche Abgründe.

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In der Ukraine warten zahllose Babys von Leihmüttern auf ihre "Wunscheltern": Einmal mehr offenbart Corona gesellschaftliche Abgründe.

Baby reiht sich an Baby. Sie liegen in Krippen, schreiend, ihre Gliedmaßen unkoordiniert in die Luft reckend. Sie heißen Kays, Sofia, David, Antonie-Rosmarie, Manuel. Ihre Eltern kommen aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Finnland, China, Brasilien, den USA, Kanada, Argentinien oder Österreich. Geboren wurden sie in Kiew. Und da sind sie nun. Alleine. Ohne leibliche Eltern. Denn der Körper, in dem sie herangewachsen sind und von dem sie geboren wurden, war nur gemietet.

Es ist ein äußerst sensibler Bereich, auf den die Coronakrise hier ein grelles Licht geworfen hat: Leihmutterschaft, also das Geschäft mit dem Wunsch nach einem leiblichen Kind von Paaren, denen das auf natürlichem Weg verwehrt ist. 70 Neugeborene erleben derzeit ihre ersten Lebenstage und Wochen in einem Hotel in einem Randbezirk von Kiew. Babys, die von ukrainischen Frauen ausgetragen und zur Welt gebracht wurden, von ihren „Kauf-“ oder „Wunscheltern“ wegen Reisebeschränkungen aber nicht oder nur mit Verzögerung abgeholt werden konnten. In einem ­Video, das um die Welt ging, sind nur jene Babys zu sehen, die über die Firma BioTexCom zur Welt kamen. Viele weitere sind mit Babysitterinnen in Wohnungen untergebracht. Mehr als tausend könnten es bis Ende Juni insgesamt werden, so eine Schätzung. Denn der Markt ist groß.

Ein Monat für Formalitäten

Maria Holumbowska arbeitet für BioTexCom. Das Unternehmen mit dem Beinamen „Zentrum für menschliche Reproduktion“ hat seinen Sitz in Kiew und ist Marktführer, ihm gehört auch das erwähnte Hotel, in dem ansonsten die künftigen Eltern wohnen können, bis – meist innerhalb eines Monats – alle Formalitäten erledigt sind: Dazu zählen eine ukrainische Geburtsurkunde, in der die (rechtlichen) Eltern angeführt sind, eine beglaubig­te Übersetzung sowie eine Apostille zu diesem Dokument für die Ausstellung eines österreichischen Reisedokuments. Auch wenn Leihmutterschaft in Österreich laut Fortpflanzungsmedizingesetz verboten ist sowie hierzulande jene Frau als Mutter gilt, die das Kind geboren hat, so werden die Dokumente dennoch in Österreich anerkannt. Ein Tiroler Bezirksgericht hat im November 2019 diese Anerkennung auch in einem konkreten Fall bewilligt.