Schleich - © Jana Reininger / Bearbeitung: Florian Zwickl

Flüchtlinge in der Grundversorgung: Räume des Ankommens

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Natascha Schleich leitet in der Steiermark eine Unterkunft für geflüchtete Frauen und Kinder aus der Ukraine – und erlebt neben Dankbarkeit auch bürokratische und persönliche Grenzen. Ein Besuch.

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Natascha Schleich leitet in der Steiermark eine Unterkunft für geflüchtete Frauen und Kinder aus der Ukraine – und erlebt neben Dankbarkeit auch bürokratische und persönliche Grenzen. Ein Besuch.

Das Smartphone läutet. Natascha Schleichs Hand verlässt kurz das Autolenkrad und greift zum Mobiltelefon. „Wir haben eine Familie. Mutter, Vater, Kind“, tönt eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher des Wagens, der gerade über eine steirische Landstraße rollt. Die Stimme klingt fragend, doch weitere Details folgen nicht. Als „Flüchtlinge Grundversorgung“ hat Schleich die Anruferin in ihrem Handy eingespeichert. Die schwarzen Buchstaben sind deutlich auf dem Screen zu sehen, dahinter leuchtet ein Spotify-Album mit Schlagermusik.

Natascha Schleich ist 48 Jahre alt, eine Geschäftsfrau, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Trafik, ein Sonnenstudio und eine Firma mit Pools und Whirlpools, sogenannten Jacuzzis, betreibt. Außerdem besitzen die beiden ein Kaffeehaus, ein paar Zigarettenautomaten und Wohnungen in und außerhalb von Österreich.

Seit März leitet Schleich nun auch noch eine Unterkunft für Menschen, die aus der Ukraine flüchten mussten. Wo genau, soll nicht in der Zeitung stehen. In der Steiermark ist sie freilich gut bekannt. Regelmäßig bekommt sie Anrufe von Freiwilligen, die Ankommenden helfen wollen – oder von Kriegsflüchtenden selbst, die von ihrem Haus gehört haben und nach freien Zimmern fragen.

Kein Schlüssel für Männer

Mit einer raschen Handbewegung wendet Natascha Schleich das Auto. „Ei, ei, ei“, sagt sie in bedauerndem Tonfall – und in einem Dialekt, der irgendwo zwischen der Steiermark, wo sie lebt, und dem Burgenland, aus dem sie kommt, angesiedelt ist. „Ich hab ein freies Zimmer“, sagt sie zögerlich, „aber ich nehme nur Frauen und Kinder.“ 16 alleinstehende Frauen, die ihre Männer im Herkunftsland zurückgelassen oder schlichtweg keine Beziehung mehr zu den Kindesvätern haben, wohnen derzeit in Schleichs Unterkunft; dazu zwölf angehörige Kinder und Jugendliche.

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