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Weihnachten: Zeit der Geschichten

DISKURS
fenster - © Rainer Messerklinger

Vier Briefe ans Christkind - oder: Visionen für 2050

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Mit 2022 endet ein Jahr der Krise. Zeit, konstruktiv in die Zukunft zu blicken. DIE FURCHE hat vier engagierte Menschen aus unterschiedlichen Bereichen um eine Utopie gebeten. Zeilen aus dem Jahr 2050, in dem alle Wünsche der Autor(inn)en in Erfüllung gegangen sind – oder auch: Briefe an das Christkind.

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Mit 2022 endet ein Jahr der Krise. Zeit, konstruktiv in die Zukunft zu blicken. DIE FURCHE hat vier engagierte Menschen aus unterschiedlichen Bereichen um eine Utopie gebeten. Zeilen aus dem Jahr 2050, in dem alle Wünsche der Autor(inn)en in Erfüllung gegangen sind – oder auch: Briefe an das Christkind.

Kindergesundheit – Beam me up!

Geht es nach den Abenteuern des Raumschiff Enterprise, wird im Jahr 2063 der Warp-Antrieb erfunden, der uns das Reisen durch die Galaxie ermöglicht. Danach, irgendwann im 23. Jahrhundert, werden die Menschen die sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden haben, erzählt uns die Star Trek-Serie.

Im Jahr 2050 haben wir längst „Präventionsketten“ gegen Kinderarmut entwickelt. Sie stärken in schwierigen Situationen. Man setzt bei den Entwicklungsherausforderungen des Kindes an und baut die Unterstützungsmaßnahmen begleitend auf. Bei diesen verbundenen Präventionsketten sollen die einzelnen Ketten-Glieder verlässlich ineinandergreifen, damit die Kette nicht reißen kann. Der Begriff ist vielleicht ein wenig missverständlich. Es geht im Kern darum, Unterstützungsnetze zu mobilisieren, die sozialstaatlich, institutionell, in der Gemeinde und der Community zu finden sind. Die sozialen Dienstleistungen sind hier besonders bedeutsam. Es beginnt immer rund um die Geburt im ersten Jahr mit den so genannten „frühen Hilfen“, die Eltern multiprofessionell und auch sozialraumnahe unterstützen sollen. Dann geht es weiter über die Elementarpädagogik, die 2050 gut ausgebaut ist. Und dann folgt die Schule, wo ein Sozialindex Ressourcen dort hinbringt, wo diese am meisten gebraucht werden. Präventionsketten wirken weiter bei 15-jährigen Jugendlichen, die Schwierigkeiten haben und auch welche machen; die die Schule abbrechen – dann in der Luft hängen. Dieser Ansatz, der im Grätzel Menschen verbindet, eingefahrene Berufsbilder löst, Ressourcen und Geld mobilisiert, hat bereits viele Kinder gestärkt.

Kinder mit Entwicklungsbelastungen und chronischen Krankheiten steht ein kostenfreies, jederzeit zugängliches und bedarfsdeckendes Angebot an diagnostisch-therapeutischen Maßnahmen zur Verfügung. Das beginnt bei der fachärztlichen wie therapeutischen Versorgung und den aufsuchenden Diensten, geht über spezialisierte Ambulatorien bis hin zur Kinder-Rehabilitation. In der Psychotherapie und psychologischen Behandlung sind Lücken und Wartelisten geschlossen.

Damit alle Kinder gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, ist die Benachteiligung chronisch kranker Kinder in Bezug auf Stützkräfte und Schulassistenz längst beendet. Eltern finden selbstverständlich Nachmittagsbetreuung und Kindergärten für ihr krankes Kind. Schulgesundheitsteams sind in einer arbeitsteiligen und kooperativen Struktur gebündelt, die „school nurse“ ist ein Teil davon.

Kinder sind unsere Zukunft, heißt es allerorts und gerne. Das glaube ich aber erst, wenn es genug Ressourcen gibt, um Kinderarmut zu bekämpfen, die Therapielücke zu schließen und gute Schulen für alle zu ermöglichen. Wäre arg, wenn der Warp-Antrieb früher erfunden würde als eine gute Zukunft für jedes Kind hier auf Erden.

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