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Darf oder soll eine 66-jährige Frau noch Mutter werden? Es sprechen wenige Argumente dagegen, solange sie sich gesund und agil fühlt. Ältere Frauen haben immer schon wesentliche Erziehungsaufgaben erfüllt. Wenige würden widersprechen, wenn man etwas zugespitzt behauptet, dass etwa Russland ohne die älteren Quasi-Mütter nicht mehr existieren würde.

Darf aber eine 66-jährige Frau noch schwanger werden? Hier melden sich große Zweifel an. Das medizinische Prozedere einer künstlichen Befruchtung nach der Menopause mag für Reproduktionsmediziner wie dem Grazer Wolfgang Urdl ein "unproblematischer Vorgang" sein - wenn man aber bedenkt, dass die Erfolgsrate nach Invitrofertilisation sogar bei jüngeren Frauen nur etwa 30 Prozent beträgt, bei Frauen über 40 sogar nur zwölf Prozent und das nach drei Versuchen - dann mutet die künstliche Befruchtung einer Frau im Klimakterium wie ein Experiment an. In wie vielen Fällen das schief gegangen ist, verrät niemand. Genaue Zahlen offenbart keine Kinderwunschpraxis. An den Embryo wird nach misslungenem Versuch sowieso als letztes gedacht. Dabei nimmt der Handel mit Eizellen hässliche Formen an. Das Thema muss endlich zumindest innerhalb der EU einheitlich geregelt werden. Zurecht wird hier vor Ausbeutung gewarnt. Die Armut und Unwissenheit junger Frauen aus Osteuropa wird oft skrupellos ausgenutzt.

Zuletzt erscheint es endlich an der Zeit, Altersbeschränkungen bei Adoptionen und Pflegschaften zu überdenken, wenn nicht fallen zu lassen. Denn wenn eine Frau mit 66 Jahren Kinderwunsch empfindet, warum nimmt sie sich nicht eines Kindes an, das in seiner Ursprungsfamilie nicht gut aufgehoben ist? Dann könnten diese Kinder von ihrer Erfahrung und der guten Lebenssituation profitieren - und nicht nur die Babywunschkliniken.

regine.bogensberger@furche.at

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