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Es ist ein großes Glück für mich

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FURCHE: Welche medizinischen Befunde haben dazu geführt, daß Sie sich einer IVF-Be-handlung an der Universitäts-Frauenklinik in Wien unterzogen haben?

FRAU N. N.: Ich habe 1980 mit dreißig Jahren geheiratet, mein Mann — er ist zwei Jahre älter — und ich wollten dann bald ein Kind, aber es hat nicht geklappt. Schon als junges Mädchen wollte ich immer Kinder haben. Im Jahr 1982 wurde ich wegen Eileiter-Verwachsungen operiert, bei der Nachuntersuchung sechs Wochen später waren schon wieder Verwachsungen feststellbar. Eine nochmalige Operation hätte nichts gebracht.

Davor hatte ich als Folge einer Eileiter-Röntgenuntersuchung eine Eileiter- und Eierstockentzündung, seither sind Unker Eileiter und Unker Eierstock weder in der UltraschaU-Untersuchung sichtbar, noch entwickeln sich Eizellen. M^ siebzehn Jahren habe ich eine Zystenoperation am rechten Eierstock gehabt, aber der damalige Arzt hat beteuert, daß alles in Ordnung sei.

Mir scheint sehr wichtig, daß man zum richtigen Arzt kommt. Mein Gynäkologe hat mich auf die Möglichkeit eines Retortenbabys aufmerksam gemacht und den Kontakt zur Hormonambulanz der Universitäts-FrauenkUnik, Dozent Johannes Huber, hergestellt. 1985 hatte ich schon zwei Versuche in einer IVF-Behand-lungsserie anderswo gemacht, die sind Leider fehlgeschlagen. Bei Dozent Huber hat gleich der erste Versuch geklappt, mein David ist jetzt zwei Jahre und zwei Monate alt und wir sind sehr glücklich über ihn.

Seit JuU 1987 versuchen wir wieder eine IVF-Behandlungsserie, leider bisher ohne den erwünschten Erfolg. Die Einnistung des befruchteten Eies klappt nicht.

FURCHE: Haben Sie auch eine Adoption in Erwägung gezogen?

FRAU N. N.: Vor der IVF-Be-handlung hatte ich auch mehrere Inseminationen, die waren aber nicht erfolgreich. Im Juni 1985 haben wir uns für eine Adop-

„Ich hätte wirklich alles auf mich genommen, um ein Baby zu bekommen“ tion angemeldet, im Dezember bin ich dann schwanger geworden. Die Wartezeit bei Adoptionen dauert rund drei Jahre, wenn man älter ist, bekommt man kein Baby mehr, sondern nur ältere Kinder.

FURCHE: Und jetzt soll es noch ein zweites Kind sein?

FRAU N. N.: Mein Mann wäre auch mit einem Kind zufrieden, ich möchte aber unbedingt noch ein zweites. Mein Mann hat natürlich nichts dagegen, daß ich es nochmals versuche, und er unterstützt mich auch. Aber die Initiative dabei liegt eindeutig bei mir.

FURCHE: Die physischen und psychischen Belastungen der IVF-Behandlung schrecken Sie nicht ab?

FRAU N.N.: Mein Kinderwunsch ist so intensiv, daß ich wirklich aUes auf mich genommen hätte, um ein Baby zu bekommen. Aber auch mein Mann hätte alles getan, wenn die Ursache bei ihm gelegen wäre. Die finanziellen Kosten haben für mich dabei absolut keine RoUe gespielt.

FURCHE: Wie haben Ihre Freunde und Ihre Verwandten auf die Kinderlosigkeit reagiert?

FRAU N. N.: In meiner FamiUe gab es bis dahin keine Probleme mit dem Kinderkriegen, ich hätte mir nie vorgestellt, daß das für mich ein Problem sein würde. Gerade im Familienkreis habe ich sehr unter der Kinderlosigkeit ge-Utten, bei Familienfesten etwa. Lange Zeit hindurch war ich nicht ehrlich, ich habe behauptet, daß wir keine Kinder woUten. Meine Eltern haben dann große Bedenken gegen die IVF-Behandlung gehabt, haben gemeint, das Kind würde vielleicht behindert sein.

FURCHE: War der Verlauf der Schwangerschaft normal?

FRAU N. N.: Mir ist es gut gegangen, bei einer durch IVF herbeigeführten Schwangerschaft wird ja viel öfter kontrolliert.

Als bei mir mit 31 Jahren Verdacht auf Gebärmutterhaiskrebs

„Ich wünsche mir sehr, daß die Mediziner weiterforschen“

-, —|——vorlag, habe ich panische Angst bekommen, selbst keine Kinder mehr kriegen zu können. Da habe ich mir gedacht, daß ich unbedingt jemand finden müßte, der an meiner Stelle das Kind für mich bekommen soUte. Heute würde ich an eine solche Lösung sicher nicht mehr denken, eher eben an Adoption. Die psychischen Belastungen für die Mütter scheinen mir in einem solchen FaU zu groß, auch eine heterologe Insemination müßte man sich sehr genau überlegen - aber verurteilen möchte ich niemanden.

FURCHE: Wie wäre es gewesen, wenn Ihr Mann schon Kinder aus einer früheren Ehe gehabt hätte?

FRAU N. N.: Auch wenn ich einen Partner mit Kindern gefunden hätte, würde ich doch eigene Kinder wollen. Ich habe neben meiner Berufstätigkeit die Matura nachgemacht, wenig Zeit fürs Privatleben gehabt, spät geheiratet. Ich war zuletzt—bis zu meiner Schwangerschaft — als Export-Sachbearbeiterin tätig. Ich wollte mit 31 das erste, mit 33 das zweite, mit 35 das dritte Kind. Leider ist es dann anders gekommen. Sicher war es ein großes Glück für mich, daß schon der erste Versuch in der IVF-Behandlungsserie in der Universitätsfrauenklinik geklappt hat. Jetzt muß ich eben Geduld haben.

FURCHE: Haben Sie schon einmal daran gedacht, die Behandlung abzubrechen?

FRAU N.N.: Ich habe große Angst, daß die IVF-Behandlung eines Tages verboten wird, obwohl das ja eigentlich unbegründet wäre, denn es wird ja nur dem natürlichen Vorgang nachgeholfen. Ich wünsche mir sehr, daß die Mediziner und die Wissenschaftler intensiv weiterforschen.

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