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Otto von Habsburg: „Der Euro ist lebenswichtig”
DIE FURCHE: In Österreich wird derzeit viel über den Euro diskutiert – Glauben Sie, daß der Teimin für die Einführung des Euro halten wird?
Otto von Habsburg: Ich sage Ihnen ehrlich, daß ich zunächst über die Festsetzung dieses Termins nicht glücklich war. Nun ist er aber festgelegt worden. Ihn nicht zu halten, würde sich ungeheuer negativ auswirken. Hinzufügen möchte ich, daß in der Euro-Diskussion sehr viel von der wirtschaftlichen, nicht aber von der politischen Seite gesprochen wird. Da spielt viel mit, was man in Diskussionen immer wieder verpaßt, etwa: Noch vor 20 Jahren wurde der Wert des Geldes praktisch nur an drei Orten bestimmt: New York, London, Frankfurt. Alles im atlantischen Raum. Seither geschieht das weltweit. Es ist damit eine Situation entstanden, die absolut der Spekulation zugute kommt. 1992 war für uns die beste Iektion. Erstmals in der Menschheitsgeschichte ist es damals einem Privatsyndikat gelungen, eine wichtige Währung, den Pfund, in die Knie zu zwingen. Das Soros-Syndikat hat damals einen Profit von 1;5 Milliarden Pfund in 24 Stunden gemacht. Da ist der Euro lebenswichtig, weil wir mit ihm in die Kategorie des Dollars kommen und nicht mehr angegriffen werden können.
DIE FURCHE: Und die politischen Aspekte, von denen Sie sprechen? Habsburg: Der Euro gibt Impulse für Entscheidungen auf politischem Gebiet. Wenn es den Euro gibt, werden wir auch schneller mit der Erweiterung weiterkommen, die für mich das Allerwichtigste ist. Wir dürfen nicht vergessen: Wir sind weiter in einer Situation, wo es die Möglichkeit einer großen internationalen Krise, bis hin zu einem Krieg, gibt.
DIE FURCHE: Wer sollte ihn auslösen?
Habsburg: Ich denke an Rußland. Es ist ein unstabiles Land. Gut, Jelzin wird die Sache nicht anfangen. Aber wie lange dauert Jelzin noch? Sein logischer Nachfolger ist General Lebed, wirklich kein Friedensfürst. Im August vor einem Jahr wurde er gefragt: Was sind Ihre Vorbilder? Wie aus der Pistole geschossen hat er zwei genannt: Napoleon Bonaparte und Pinochet. Nun, Napoleon ist kein Friedensfürst und Pinochet kein Monument der Demokratie. Daß Lebed kein Demokrat ist, wissen wir aus seiner eigenen Erklärung. Als Präsidentschaftskandidat hat ihn ein Journalist gefragt, ob er ein Demokrat sei. Worauf er auf den Tisch gehaut und gebrüllt hat: Nein! Wir müssen sehen, was da möglicherweise geschehen kann. Durch die Erweiterung begeben wir uns in eine weniger angreifbare Situation.
DIE FURCHE: Leistet die NATO-Integration nicht dasselbe?
Habsburg: Kurzfristig ja, aber nicht langfristig. Ich bin absolut für die Nato. Langfristig aber ist die Nato eine Struktur, in der auch Nicht-Europäer sind. Wir müssen als Europäer aber auf unseren eigenen Füßen stehen.
DIE FURCHE: Ist das wirtschaftliche Ost-West-Gefalle für eine Erweiterung nicht zu groß?
Habsburg: Zwischenarrangements sind sicher notwendig. Das gab es ja schon bei bisherigen Reitritten. Aber was die wirtschaftliche Frage anbelangt, hat man uns immer nur gesagt, was die Erweiterung kosten würde. Aber wer spricht davon, was uns die Nichterweiteruhg kosten würde? Auch sie ist teuer. Und was die Sicherheit anbelangt: Für die Länder im Osten spielt sie eine ganz große Rolle. Die Finnen sind nicht primär aus wirtschaftlichen, sondern aus sicherheitspolitischen Gründen der Union beigetreten.
DIE FURCHE: Soll die Erweiterung den gesamten Osten umfassen? Habsburg: Ich bin dafür, daß man mit den zehn Staaten, die angesucht haben – es sind zwar elf, aber leider wird die Slowakei durch die persönliche Politik von Herrn Meciar immer mehr in den Hintergrund gedrängt –, verhandeln soll. Mit einigen wird es schneller ge hen. Aber verhandeln sollte man mit allen. Denn für alle ist die Mitgliedschaft aus Sicherheitsgründen von besonderer Bedeutung.
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