Lina die Entdeckerin - © Foto: Achse/Anna Horak

Mit Kindern über Sexualität und Körper sprechen: Das heißt Vulva!

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Für das weibliche Genital gibt es Begriffe wie Sand am Meer – die meisten sind abwertend oder verniedlichend. Ein Kinderbuch räumt damit auf. „Lina, die Entdeckerin“ erzählt die Forschungsreise des Mädchens Lina, die ihren eigenen Körper entdeckt und bereist, mit Fokus auf die Vulva.

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Für das weibliche Genital gibt es Begriffe wie Sand am Meer – die meisten sind abwertend oder verniedlichend. Ein Kinderbuch räumt damit auf. „Lina, die Entdeckerin“ erzählt die Forschungsreise des Mädchens Lina, die ihren eigenen Körper entdeckt und bereist, mit Fokus auf die Vulva.

„Das da unten“ hat auch bei Frauen einen Namen. Einen, den man lange Zeit gar nicht kannte oder kennen wollte. Stattdessen verwendete man falsche Begriffe, Kosenamen oder blieb im schlimmsten Fall sprachlos. In den letzten Jahren verändert sich das zunehmend. Die Forderung nach einem schambefreiten Umgang mit dem weiblichen Genital wird lauter, das Interesse am Wissen darüber steigt nicht nur in feministischen Kreisen. „Das da unten“ heißt Vulva und gehört zum weiblichen Körper, wie es Nase oder Ellenbogen tun.

Warum können wir dann nicht darüber sprechen wie über Nase und Ellenbogen? „Der Bezug zu Sexualität, zum eigenen Körper und speziell dem weiblichen Genital hat eine jahrhundertelange Geschichte“, erklärt die Psychologin und Pädagogin Katharina Schönborn-Hotter. In vielen Sprachen wird das weibliche Genital als Schimpfwort verwendet, über viele Generationen galt es als Tabu, und auch im medizinischen Bereich wird es nach wie vor unzureichend beschrieben. Schönborn-Hotter ist eine von drei Autor(inn)en, die die Vulva nun ins Rampenlicht stellen. Und zwar in Form eines Kinderbuches. Denn einen offenen und wertfreien Zugang zu Geschlechtsorganen lernt man am besten von Anfang an.

Was man schätzt, das schützt man

In „Lina, die Entdeckerin“ wird die Forschungsreise des Mädchens Lina erzählt, die ihren eigenen Körper entdeckt und bereist, mit Fokus auf die Vulva. Die Idee dazu hatten die Autor(inn)en, da sie auf Unsicherheiten bei der Benennung des weiblichen Genitals, vor allem in der Kommunikation mit Kindern, gestoßen sind. Mit „Vulva“ wollen die Autor(inn)en einen Begriff anbieten, der weder verniedlicht noch abwertet. „Scheide denkt so stark das männliche Geschlechtsorgan mit, im Sinne einer Hülle, in die das Schwert gehört“, erklärt die Co-Autorin und ausgebildete Elementarpädagogin Lisa Charlotte Sonnberger. Außerdem bezeichnet Scheide oder Vagina eigentlich nur den Muskelschlauch, der das äußere mit dem inneren Geschlechtsorgan verbindet. Schamlippen, Klitoriseichel, Venushügel und Co sind Teil der Vulva. „Es ist ein Skandal, dass wir so lange keinen Begriff für das sichtbare weibliche Genital hatten. Dabei ist dieser Part für unser Lebensgefühl, unsere Freude an Sexualität und unser Körpergefühl viel wesentlicher“, so Schönborn-Hotter.

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