Malerei aus der Monarchie

1945 1960 1980 2000 2020

Die Budapester Kunsthalle zeigt aus Anlass ihrer 120-Jahr-Feier eine Schau über sich selbst und die Malerei der österreichisch-ungarischen Monarchie.

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Die Budapester Kunsthalle zeigt aus Anlass ihrer 120-Jahr-Feier eine Schau über sich selbst und die Malerei der österreichisch-ungarischen Monarchie.

In Österreich war das Franz-Josephs-Jahr 2016 mit dem 100. Todestag des Kaisers am 21. November mehr oder weniger gelaufen, in Ungarn hingegen wurde an diesem Tag eine Ausstellung eröffnet, die dem Gedenken noch eine wichtige Facette hinzufügt. Der König, wie er hier genannt wird, war nämlich ein noch heute bedankter Mäzen der ungarischen Kunst. Schon seit 1882 erwarb er auf den Ausstellungen der Nationalen Gesellschaft für bildende Kunst Gemälde und Skulpturen, gewährte Malern Stipendien und erteilte Aufträge für Porträts. Im Millenniumsjahr 1896, da Ungarn der Landnahme vor 1000 Jahren gedachte, eröffnete Franz Joseph persönlich die neue Ausstellungshalle am Budapester Heldenplatz.

In den dortigen Kunstsalons fand die kontinuierliche Konfrontation der ungarischen bildenden Kunst mit den jeweils aktuellen Strömungen in Westeuropa statt und sämtliche in der derzeitigen Jubiläumsausstellung gezeigten Künstler haben hier schon seinerzeit ausgestellt. Klimt und Schiele wird man zwar vergeblich suchen - das überstieg denn doch das Budget des "Mu csarnok" und wohl auch die Bereitschaft ausländischer Galerien ihm entgegenzukommen. Doch Jan Matejkos Gemälde "Reytan", eine Ikone des polnischen Nationalbewusstseins, durfte zum ersten Mal seit 1918 das Warschauer Königsschloss verlassen.

Fokus auf Gemeinsamkeiten

Dem ungestümen Historiengemälde, das ganz auf politische Agitation abzielt, ist Mihály Munkácsys klassisch realistischer "Jesus vor Pilatus" gegenübergestellt; die Wand dazwischen nimmt Hans Makarts üppig schwelgende "Niljagd der Kleopatra" aus dem Wiener Belvedere ein. Zwar lassen sich die jeweils als modern geltenden Stile in ihrer Abfolge klar ausmachen, doch sie überlappen sich und finden bisweilen hochwertige Epigonen. Die Kunsthalle mit ihren in der Hauptachse angeordneten und ineinander überfließenden Räumen begünstigt die simultane Präsentation von zeitlicher Abfolge und Fokussierung auf stilistische Gemeinsamkeiten sowie nationale Schulen.

Die multipolare Sichtweise trägt die Handschrift der Kuratorin Ilona Sármány-Parsons. Die in Wien, London und Budapest wirkende Kunsthistorikerin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Ausbildungs- und Aufstiegswegen ungarischer Maler zwischen Budapest, Wien, München und Paris sowie den Beziehungen von Wiener Malern zu Ungarn. Als Visiting Professor an der Mitteleuropäischen Universität in Budapest hat sie Studenten aus Europa und Übersee die Augen für die Zusammenhänge von Kunst und Kultur im Donauraum geöffnet. Mit der Konzipierung der Ausstellung in der Kunsthalle ist Sármány-Parsons vollends in die Fußstapfen von Ludwig Hevesi getreten, des von ihr in seiner Bedeutung wiederentdeckten aus Ungarn stammenden Polyhistors und Propagators der Wiener Secession.

In einem über die Ausstellung weit hinausgreifenden, auch in englischer Sprache vorliegenden Katalog ("The First Golden Age") sind die Reflexionen der Kuratorin nachzulesen, und ein vorzüglicher Folder in deutscher Sprache ist ein Service, auf den bei ähnlichen Ausstellungen in Österreichs fremdsprachlicher Nachbarschaft leider oft vergessen wird (et vice versa). Am spannendsten jedoch ist die persönliche Begegnung mit Frantis ek Kupkas noch gegenständlicher "Welle" aus der Galerie für bildende Kunst in Ostrau, mit Jacek Malczewskis präsurrealistischem "Thanatos" aus dem Nationalmuseum in Posen, mit Oton Ivekovic´s "Zrinyi in Szigetvár" aus dem Kroatischen Geschichtsmuseum in Agram, mit den düsteren Landschaften László Mednyánszkys aus der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest und nicht zuletzt mit Josef Maria Auchentallers rekonstruiertem "Beethoven-Zimmer" aus der Wiener Galerie punkt12 - alles unter einem Dach bis zum 12. März in der Budapester Kunsthalle.

Das erste goldene Zeitalter.

Die Malerei der österreichisch-ungarischen Monarchie und die Kunsthalle. Ausstellung Mu csarnok Budapest am Heldenplatz (Ho sök tere). Di bis So 10-18 Uhr, Do 12-20 Uhr. www.mucsarnok.hu.

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