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Armut und soziale Ausgrenzung

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Die österreichische Situation in Zahlen

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Die österreichische Situation in Zahlen

Insgesamt 1,1 Millionen Menschen leben in Haushalten mit einem monatlichen (gewichteten) Pro-Kopf-Einkommen unter 7.750,- Schilling. Diese Gruppe kann aufgrund ihrer angespannten und unsicheren finanziellen Situation als armutsgefährdet bezeichnet werden.

Davon sind 410.000 Personen (fünf Prozent der Wohnbevölkerung) von akuter Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Das heißt, es trifft mindestens eine der folgenden Bedingungen zu: * Substandardwohnung oder überbelegte Wohnung, * Große finanzielle Nöte beim Beheizen der Wohnung, bei der Beschaffung von Bekleidung oder beim Kauf von Lebensmitteln, * Rückstände bei Zahlungen von Mieten und Krediten * Die größte Bevölkerungsgruppe, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen ist, sind Kinder: 152.000. Deren Eltern sind zugewandert, arbeitslos, alleinerziehend oder arbeiten in Niedriglohnbranchen.

* Die gefährdetsten Personen und Risiken unter der erwerbsfähigen Bevölkerung sind (in der Reihenfolge der Gefährdung): 1. Zuwander(innen) 2. Arbeitslose 3. Alleinerzieher(innen) 4. drei und mehr Kinder 5. Erwerbspersonen in Niedriglohnbranchen 6. Bauern und Bäuerinnen 60 Prozent des Einkommens wird in diesen Haushalten für Ernährung ausgegeben. Darauf folgen: Wohnen und Heizen, Einrichtung und Hausrat, Bildung, Erholung, Verkehr, Nachrichtenübermittlung.

Insgesamt gilt als "Faustregel": * fünf Prozent der Wohnbevölkerung leben in strenger, akuter Armut, * zehn Prozent der Wohnbevölkerung unter der relativen Armutsgrenze, * 20 Prozent im Niedriglohnbereich.

Armut bedeutet zuallererst Verarmung, ist also kein Zustand, sondern ein Prozeß, der mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in unterschiedliche Richtungen läuft: Ein Teil der Betroffenen befindet sich nur kurzzeitig unter der Armutsgrenze (Passagenarmut). Wer aber einmal "ganz unten" war, droht immer wieder "Armuts- und Ausgrenzungserfahrungen" zu machen (Sockelarmut).

* Ein Viertel aller Arbeitslosen lebt in armen Haushalten. Das Armutsrisiko ist fünfmal höher als in der Gesamtbevölkerung.

* 38.000 Kinder arbeitsloser Eltern leben in Armut.

* Drei Viertel aller Frauen erhalten bei Erwerbslosigkeit Leistungen, die unter dem Richtsatz der Ausgleichszulage (7.990,- Schilling) liegen.

* Ein Drittel aller Arbeitslosen gilt als "schwer vermittelbar".

* Die Hälfte aller Alleinerzieher-Haushalte erzielt entweder kein Erwerbseinkommen oder ein geringfügigeres monatliches Einkommen als 6.000,- Schilling.

* 100.000 Männer und 200.000 Frauen, die noch erwerbstätig sind, würden im Falle der Arbeitslosigkeit Leistungen unter 5.000,- Schilling erhalten.

* Ohne soziales Netz wären 40 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. 56 Prozent der Notstandshilfe und Arbeitslosenunterstützung fließen an am Arbeitsmarkt im untersten Einkommensdrittel positionierte Menschen und kommen somit denen zugute, die sie brauchen (WIFO-Verteilungsstudie).

Von den circa 150 Milliarden Schilling an Sozialtransfers für Haushalte im erwerbsfähigen Alter erhalten laut Haushaltspanel die Haushalte * im untersten Einkommensfünftel circa 60 Milliarden Schilling, * im zweituntersten Einkommensfünftel 36 Milliarden Schilling, * im drittuntersten Fünftel 29 Milliarden Schilling, * im zweithöchstem Fünftel 18 Milliarden Schilling * und im oberen Fünftel 8 Milliarden Schilling.

Das heißt: Zum untersten Einkommensfünftel gehen mehr soziale Geldleistungen als zu den oberen 60 Prozent.

Bei 40 Prozent der Haushalte im Erwerbstätigenalter lag 1994 das gewichtete Pro-Kopf-Haushaltseinkommen (ohne Sozialleistungen) unter der Armutsgefährdetenschwelle. Besonders betroffen sind Langzeitarbeitslosenhaushalte, Haushalte mit Personen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, Alleinerzieher(innen)haushalte und Haushalte mit nur einem Verdiener und mehreren Kindern.

Den Sozialleistungen kommt für diese Gruppen eine substantiell armutslindernde Funktion zu. Inklusive der Sozialleistungen (Familientransfers, Arbeitslosenleistungen, Hinterbliebenenpensionen und andere Pensionen für Personen im Erwerbsalter, Mietbeihilfen und Sozialhilfe) reduziert sich der Anteil der Personen (ohne Pensionistenhaushalte) mit einem gewichteten Pro-Kopf-Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle auf 15 Prozent.

Vor allem für das unterste Einkommenszehntel ist das Sozialleistungssystem von existentieller Bedeutung. Zirka zwei Drittel des Haushaltseinkommens des untersten Einkommenszehntels sind Sozialleistungen.

Quelle: Österreichisches Netzwerk gegen Armut und Soziale Ausgrenzung Pressekonferenz 12.10.98, Wien.

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