Göring: Der zweite Mann
FOKUS
„Nürnberg“: Waren sie Monster oder Mörder?
In seinem Film „Nürnberg“ (Kinostart: 7. Mai 2026), der den Blick auf die Begegnungen zwischen dem US-Militärpsychiater Douglas Kelley und Hermann Göring richtet, verändert Regisseur James Vanderbilt nicht nur den dramaturgischen Schwerpunkt gegenüber früheren Verfilmungen. Er verändert auch die Perspektive auf den historischen Prozess selbst.
Der Film zeigt Nürnberg nicht in erster Linie als juristisches Ereignis, sondern als geistige Vorbereitung auf ein Verfahren, das es in dieser Form zuvor nicht gegeben hatte: den Versuch, politische und militärische Macht erstmals vor ein internationales Gericht zu stellen.
Der reale Nürnberger Hauptprozess begann im November 1945 und richtete sich gegen 22 führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes, darunter Göring, Rudolf Hess, Albert Speer und Julius Streicher. Die Richter kamen aus vier Staaten – den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – und verhandelten Verbrechen, für die es bislang kaum juristische Kategorien gab: Angriffskrieg, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, systematische Vernichtungspolitik.
Militärpsychiater beurteilt Angeklagte
Vanderbilts Film setzt in dem Moment an, in dem diese juristische Bühne erst vorbereitet wird. Bevor die Angeklagten vor Gericht treten konnten, mussten sie medizinisch untersucht werden. Der amerikanische Militärpsychiater Douglas Kelley (Rami Malek) erhielt den Auftrag, die geistige Verfassung der Gefangenen zu beurteilen und sicherzustellen, dass sie überhaupt verhandlungsfähig waren.
In monatelangen Gesprächen interviewte er führende Nationalsozialisten, darunter Göring, mit psychologischen Tests, Intelligenzanalysen und langen Gesprächen über Ideologie und persönliche Verantwortung.
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