Cherson - © Foto: APA/AFP/Satellite image ©2022 Maxar Technologies

Putins Volksrepubliken-Plan

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Die russischen Eroberer zeigen jetzt schon, was sie mit der Ukraine eigentlich vorhaben: Ein Fleckerlteppich „autonomer“, von Putins Bütteln regierter Länder nach ostukrainischem Vorbild könnte sich ausbreiten und den gegenwärtigen Staat zerstören.

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Die russischen Eroberer zeigen jetzt schon, was sie mit der Ukraine eigentlich vorhaben: Ein Fleckerlteppich „autonomer“, von Putins Bütteln regierter Länder nach ostukrainischem Vorbild könnte sich ausbreiten und den gegenwärtigen Staat zerstören.

So nach und nach kristallisiert sich heraus, was Russland vorhat in der Ukraine. Und erahnen lässt sich das vor allem im Süden, wo in manchen Regionen unter russischer Kontrolle erste Anzeichen eines Besatzungsregimes sichtbar werden.

Aus Cherson wurde berichtet, die russische Besatzung versuche lokale Abgeordnete dazu zu überreden, ein Referendum über die Schaffung einer „Chersoner Volksrepublik“ abzuhalten. In Melitopol wurde der amtierende Bürgermeister verschleppt und eine neue, Russland ergebene Bürgermeisterin eingesetzt. Widerstand gibt es allerdings sowohl innerhalb der jeweiligen Regionalverwaltungen als auch seitens der Bevölkerung. Noch erscheinen diese Versuche Russlands, hörige Administrationen zu installieren, vor allem auch zu legitimieren, dementsprechend als Kampf gegen Windmühlen.

In Cherson, Melitopol sowie vor allem auch der Hafenstadt Berdjansk am Asowschen Meer gab es zuletzt große SpontanProteste gegen die russische Besatzung. Auf Videos waren jeweils mehrere Tausend Menschen zu sehen, die mit ukrainischen Fahnen, pro-ukrainischen Sprechchören und mit erhobenen Mittelfingern an gepanzerten russischen Armeekolonnen vorbei durch Straßen zogen. Russische Soldaten wurden dabei direkt beschimpft.

Terror und Verschleppung

Zum Teil wurden diese Proteste mit Warnschüssen aufgelöst. Dem allerdings nicht genug: In Melitopol wurde in Folge von Kundgebungen zumindest eine lokale Aktivistin verschleppt. In Cherson verschwand ein lokaler Journalist, der Protestaktionen gefilmt hatte. Auch Berichte über Festnahmen auf offener Straße durch Maskierte in Zivil gibt es. Ebenso über die Erschießungen von Aktivisten.

In Iwano-Frankiwsk in der Westukraine wurden indes zwei Personen festgenommen, die die Besetzung von Verwaltungsgebäuden und – so die Anklageschrift – „Gewalt gegen Vertreter der Behörden“ geplant haben sollen. Auftrag der beiden Männer soll gewesen sein, mit in Summe rund 500 Mann Verwaltungseinrichtungen, Brücken sowie Materiallager in der Westukraine zu besetzen und lokale Volks- und Behördenvertreter zu erschießen. Ziel der Aktion im Auftrag Russlands: die Gründung einer „Republik Ukraine“.

Ziel Russlands dürfte es also sein, die Ukraine in willfährige Kleinstaaten aufzuteilen. Ob die dann im Rahmen einer Föderation mit zentraler Marionettenregierung in Kiew existieren sollen oder im Rahmen eines losen Konglomerats von Marionetten-Regimen, die niemand anerkennt außer Russland und die folglich auch keine anderen Außenbeziehungen haben als zu Russland, ist nicht abzusehen. Dass der aus dem Amt revoltierte ukrainische Ex-Präsident Viktor Janukowitsch derzeit angeblich in Minsk auf seine Verfrachtung nach Kiew wartet, um dort von Russland als Staatsoberhaupt installiert zu werden, spricht eher für eine Föderation aus Kleinstaaten unter einer schwachen zentralen Führung.

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