Veronika Zepkalo  - © Foto: picturedesk.com / REUTERS / Kacper Pempel

Veronika Zepkalo: "Macht ist wie eine Droge für Lukaschenko"

1945 1960 1980 2000 2020

Die belarussische Oppositionelle Veronika Zepkalo erhält mit ihren Kolleginnen den Fritz-Csoklich-Demokratiepreis. Ein Gespräch über den Machtrausch des Diktators und Belarus’ Zukunft.

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Die belarussische Oppositionelle Veronika Zepkalo erhält mit ihren Kolleginnen den Fritz-Csoklich-Demokratiepreis. Ein Gespräch über den Machtrausch des Diktators und Belarus’ Zukunft.

Drei Frauen haben im Sommer 2020, nach den gefälschten Präsidentenwahlen in Belarus, den Protest gegen Alexander Lukaschenko angeführt: Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo. Ihr Mann, Waleri Zepkalo, hatte bei dieser Wahl antreten wollen, war aber nicht zugelassen worden. Dabei hatte er als Oppositioneller gegolten, der durchaus dem System Lukaschenko entstammt: Von 1997 bis 2002 war Zepkalo Botschafter Belarus‘ in den USA und ab 2003 mit dem Aufbau des IT-Bereichs in Belarus betraut. Er gründete dort den „High Tech Park“, ein Steuer-Regime für IT-Unternehmen, das als nicht-ortsgebundener wirtschaftsliberaler Staat im neo-sowjetischen Land existiert.

Heute lebt die Familie in Athen, wo Veronika Zepkalo als IT-Managerin arbeitet. Am kommenden Montag erhält sie gemeinsam mit Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa in Wien den von der Styria-Media-Group ins Leben gerufenen Fritz-Csoklich-Demokratiepreis. Kolesnikowa wird nicht anwesend sein: Sie ist in Haft in Belarus. Den Preis wird ihre Schwester entgegennehmen.

DIE FURCHE: Frau Zepkalo, vor den Wahlen 2020 war Belarus ein isolierter autoritärer Staat, der nach außen wenig aneckte. Heute stellt sich das anders dar. Was ist passiert seit August 2020?
Veronika Zepkalo: Die Belarussen haben unter Lukaschenko immer in einer Diktatur gelebt. Die Bedingungen waren immer hart. Aber seit August 2020, als Lukaschenko die Wahlen komplett verloren hat, hat er damit begonnen, ganz Europa zu bedrohen. Er ist zu einer Bedrohung für die internationale Gemeinschaft geworden. Lukaschenkos terroristische Aktionen gehen über die Grenze hinaus, und das ist gefährlich.

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