Federspiel

Zum Tod von Franz Zoglauer: Ein Weg zum See

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Zoglauer, der Kulturmensch, der Autor, der Kunstvermittler, der auch Federspiele schuf, ist tot. Kolumnistin Lydia Mischkulnig kannte Franz Zoglauer in Großaufnahme.

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Zoglauer, der Kulturmensch, der Autor, der Kunstvermittler, der auch Federspiele schuf, ist tot. Kolumnistin Lydia Mischkulnig kannte Franz Zoglauer in Großaufnahme.

Kann man mit dem Ende anfangen? Franz Zoglauer, der Kulturmensch, der Autor, der Kunstvermittler, der auch Federspiele schuf, ist tot. Es ist still um den Wörthersee. Die Algen setzen sich auf die alten Pfosten, als würden sie sich festklammern wollen. Nicht an Worte, nicht an Zeichen, nicht an ein Komma, das glitzert auf den Wellen. Nicht einmal an einen Punkt, der hoffentlich nicht der letzte Punkt sein mag. Die Wellen schwellen und schlagen am kleinsten Stein an. Das ganze Leben ist Trennungsarbeit. Die Pfosten halten dafür die Stege. Kolumnen. Auf diesen Säulen hat uns das Leben einmal zusammengeführt. Ich hätte es Franz Zoglauer so erzählt. Er hätte sich nicht umgedreht.

Einmal schrieb er in seiner Kolumne über meinen Herkunftsort. Ein Gebiet in Kärnten. Aber er hatte nicht getroffen, was das Zuhause dort ausmacht. Dieses „Nicht“ rückte mich für das Lesen seines Federspiels nah an die Fremde. Ich erinnere mich recht an das beschriebene Außen von dem, was ich als Zuhause nennen muss. Was immer das Zuhause ist, wer braucht das schon, wer braucht das nicht. Ich zumindest erkannte es wieder. Ich war so fern dem Innen, wie er nah dem Außen davon. Er beschrieb Landschaft, Wetter, Geschichte und Dörfer. Ich hätte ihn noch gern darauf angesprochen. Er hatte nämlich etwas Wichtiges vergessen, die Menschen, die dort derzeit leben. Ich hätte ihn gern gefragt, ob er ihnen jemals in seiner Neugierde begegnet ist, als er dort war. Eine Winzigkeit nur von diesen Leuten habe ich vermisst, etwas Winziges vom Richtigen im falschen Leben. Das hätte mir genügt, um meine Gegend nicht nur orthografisch richtig aufgelöst zu lesen. Ich kannte Franz Zoglauer in Großaufnahme. Er hinterließ mir eine Frage. Woher kommen Sie? So standen wir einander gegenüber. Das vergesse ich nie. Gute Reise.

Die Autorin ist Schriftstellerin.