Meditation Kongress Berlin Wissenschaft Achtsamkeit - © Foto: Grit Schwerdtfeger
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Meditation im Fokus der Wissenschaft

Der Anfang war schwierig, heute gibt es einen regelrechten Hype um Themen der Bewusstseinsforschung. Welche Bedeutung hat diese Forschung in unserer Umbruchszeit? Zu Besuch beim Kongress „Meditation und Wissenschaft“ in Berlin.

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Der Himmel über Berlin. Er war schon immer weit und offen für Kreative, Freigeistige und Abseitige. Auch die zweitägige Veranstaltung in der Friedrichstraße wirkt zunächst ungewöhnlich: Die Teilnehmer dehnen und strecken sich, dann setzen sie sich hin und schweigen gemeinsam. Die Aufmerksamkeit nach innen richten, den Körper spüren, auf den Atem achten, aufsteigende Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen, das ist vielen hier seit Langem vertraut. Es ist eine geleitete halbstündige Meditation, die zur Besinnung anregt – und fix zum Kongressprogramm gehört. Ärzte, Philosophen und Hirnforscher, Pädagogen und Psychologen, Yoga- und Meditationslehrer haben sich hier eingefunden, um einer großen Frage nachzugehen: Wie kann Achtsamkeitsmeditation als „Praxis des Verbundenseins“ gesellschaftlich relevant werden?

Während Österreich diesbezüglich noch weitgehend im Dornröschenschlaf liegt, findet in Berlin bereits seit 15 Jahren der Kongress „Meditation und Wissenschaft“ statt. Der Titel heuer: „Aufbruch ins Ungewisse“. Dass sich die Zeiten geändert haben, ist hier jedem bewusst. Vor dem Hintergrund einer verdüsterten Weltlage mag es abgehoben erscheinen, über das Potenzial der Achtsamkeitsmeditation zu diskutieren – oder aber notwendiger denn je. Viele Vortragende blicken selbst auf eine jahrzehntelange Meditationspraxis zurück.

Neue „soziale Achtsamkeit“

Gert Scobel übt sich seit 40 Jahren im Zazen, dem stillen Sitzen in der Zen-buddhistischen Tradition. „Als ich begonnen habe, gab es noch kaum Informationen dazu“, erzählt der 3sat-Wissenschaftsmoderator und Philosophieprofessor der FURCHE. „Es galt damals als ,gesellschaftliches Protestding‘ und komplett esoterisch, somit auch jedem wissenschaftlichen Zugang entzogen.“ Scobel kam in den 1970ern nach Kalifornien, wo Yoga, Meditation und die Gestalttherapie bereits zu einem neuen Lebensstil gehörten. Doch es war das zunehmende Interesse der Wissenschaft, das maßgeblich dazu beitrug, Meditation im Westen populär zu machen: Vor allem die Forschung von Jon Kabat Zinn zur Achtsamkeit im Gesundheitsbereich sowie das Mind-and-Life-Institut des Dalai Lama, das eine „kontemplative Wissenschaft“ fördert, waren Meilensteine. Nachrichten über meditierende Mönche, deren Hirnströme im Labor gemessen wurden, gingen um die Welt.

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