Hippie-Flair - Flohmarkt in Anjuna, Goa - © Getty Images / F. Bisnewald / LightRocket

1968 und die Folgen: Die beseelte Generation

Eine Reflexion zum 50-Jahr-Jubiläum der 1968er-Bewegung, die sich an bewusstseinskulturellen Leitbildern orientierte und im spirituellen Materialismus versandete.

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Vielleicht sind die ergrauten "1968er" die jüngsten Alten, die es je gab. Viele der Menschen, die dieser Generation zugerechnet werden, sind heute längst Großeltern. Doch manche werden ihren Enkeln noch immer begeistert erzählen, dass sie in ihrer Jugend etwas Einzigartiges erlebt haben. Und sie hatten das Glück, dass dieses einschneidende, alles prägende Ereignis nicht - wie bei ihren Eltern - ein katastrophaler Krieg war, sondern eine fantasiebegabte Revolte, ein utopisch befeuerter Aufbruch. Das magische Jahr "1968" ragt eigentlich über die Geschichte hinaus, ist Mythos und Chiffre für eine Bewegung, "die um den gesamten Erdball ging, und die Herzen und Träume einer ganzen Generation eroberte", wie sich der damalige Aktivist Daniel Cohn-Bendit erinnert.

Huxley und Hesse als Leitsterne

Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit hatte im Westen eine breit zugängliche Konsumgesellschaft hervorgebracht. Doch es wuchs eine Generation heran, die sich damit nicht zufrieden geben wollte und ihr Unbehagen mit der Welt lautstark zu artikulieren verstand. Für manche Historiker gilt "1968" als erste globale Revolte, eingebettet und hervorgegangen aus vielfältigen Transformationsprozessen: Sie veränderte die Politik und Gesellschaft, die Kultur und Religion. Sie schweißte Revolutionäre, Rebellen und Romantiker weit über Ländergrenzen hinweg zusammen. Und sie steht gleichermaßen für Studentenunruhen und politischen Protest, für sexuelle "Befreiung", alternative Lebensformen sowie die exzentrischen Ausdrucksformen der Hippie-Kultur. Doch "1968" lässt sich auch als verquere spirituelle Bewegung deuten, deren Vermächtnis vielleicht erst in Zukunft voll zum Tragen kommen wird.

Ein besonderer Geist wehte im Lebensgefühl jener Generation. Er weckte Inspiration und führte zur demonstrativen Abkehr von materiellen Werten: Gemäß Erich Fromms berühmter Gegenüberstellung von "Haben und Sein" neigten die 68er klar zu letzterem Prinzip. Viele von ihnen waren getrieben von einer Sehnsucht nach individueller spiritueller Erfüllung. Ein guter Teil des spirituellen Impulses jener Zeit verlief daher außerhalb der etablierten Religionsgemeinschaften. Eher folgte er literarischen Vorläufern, gewissermaßen einem Modell Aldous Huxley und einem Modell Hermann Hesse.

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